# taz.de -- Sicherheit in den Bundesländern: Innenminister suchen die Nähe zur Bundeswehr
> Bei der Innenministerkonferenz ging es auch um den Aufbau „ziviler
> Verteidigungsfähigkeit“. Erstmals war bei dem Treffen ein
> Verteidigungsminister zu Gast.
(IMG) Bild: Neuer Gast: Verteidigungsminister Boris Pistorius auf der Innenministerkonferenz
Die Zeiten werden härter. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU)
spricht von einer hohen Gefahrenstufe. Ein Pakt für Bevölkerungsschutz
wurde geschlossen, ein neues Abwehrzentrum für hybride Gefahren wurde
eingerichtet. [1][Die Innenministerkonferenz in Hamburg] machte eine
Bestandsaufnahme der zivilen Verteidigungsfähigkeit.
Boris Pistorius war selbst bis 2023 niedersächsischer SPD-Innenminister und
damit Teil der Innenministerkonferenz (IMK). Doch diesmal kam er als
Verteidigungsminister. Ein Novum. Zwar nahm schon mal ein
Verteidigungsminister am informellen Kamingespräch der Innenminister teil.
Pistorius war aber offizieller Gast der IMK, demonstrativ durfte er sogar
an der Abschluss-Pressekonferenz teilnehmen.
Und das soll nur der Anfang sein. Künftig soll die Leitungsebene des
Verteidigungsministeriums regelmäßig an der IMK teilnehmen, um die
„Gesamtverteidigung“ zu beraten. Als ein Thema nannte Pistorius „military
mobilitiy“ – die Verlagerung von Truppen quer durch Deutschland.
Bundesinnenminister Dobrindt erläuterte, warum er nicht mehr von
„abstrakten“ Gefahren spreche: „Da denken die Leute, die Gefahr existiert
ja nicht wirklich.“ Stattdessen spreche er jetzt von einer „hohen
Bedrohung“. Russland, China und Iran nannte er nicht ausdrücklich, aber
jeder wusste, wer gemeint ist. Rechtliche Bedeutung hat Dobrindts neue
Einstufung nicht, der Innenminister will vor allem seine
Sicherheitsbehörden aufrütteln.
## Abwehrzentrum über Abwehrzentrum
Dobrindt warnt derzeit nicht vor militärischen Angriffen, sondern vor
„hybriden“ Gefahren durch Spionage, Sabotage und Desinformation. Es gebe
vermehrt Hinweise von Partnerdiensten, auch eigene Erkenntnisse. In
Deutschland und den Nachbarländern werde von außen koordiniert nach
Schwachstellen gesucht. Doch Dobrindt gab sich kämpferisch: „Der Test
unserer Achillesfersen muss zum Beweis unserer Stärke werden.“
Vor wenigen Tagen hatte Dobrindt in Berlin das „Gemeinsame Zentrum zur
Abwehr hybrider Bedrohungen“ (GAZ hybrid) eröffnet, in dem rund 40
Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern Informationen austauschen und sich
koordinieren. Der erste Fall – eine Anschlagsplanung – musste dort bereits
besprochen werden, so Dobrindt, Genaueres könne er aber erst nach Ende der
Ermittlungen sagen.
Die Bundesanwaltschaft ist im GAZ hybrid auch vertreten, doch
Generalbundesanwalt Jens Rommel sieht das Projekt skeptisch, wie er am
Montag in Karlsruhe bei seinem Jahrespresseempfang erklärt hatte. Neben den
Terror-Abwehrzentren GTAZ (Islamismus) und GETZ (Links-, Rechts- und
Ausländer-Extremismus) könne ein weiteres Abwehrzentrum auch zu
Reibungsverlusten führen. „Jedes weitere Zentrum schwächt die Idee des
Zentrums, wo alle an einem Tisch sitzen“, so Rommel. Doch bei der IMK
teilte man seine Bedenken nicht. „Mit dem GAZ hybrid sind alle zufrieden“,
sagte [2][Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD)].
Vor wenigen Tagen hat die Bundesregierung auch die Eckpunkte eines „Pakts
für den Bevölkerungsschutz“ beschlossen. [3][10 Milliarden sollen dafür bis
2029 bereitstehen] und vor allem in bessere Ausrüstung der Helfer von
Feuerwehr, Rettungsdiensten und Technischem Hilfswerk (THW) fließen. Das
THW bekomme zudem weitere 3 Milliarden für Baumaßnahmen. Den Ländern war
das nicht genug. Dobrindt versprach deshalb: „Nach 2029 gibt es mehr“.
Im Vorfeld war medial kritisiert worden, dass Dobrindt kein Geld für Bunker
ausgeben will. Der Bundesinnenminister lehnte das aber auf der IMK deutlich
ab. „[4][Bunkerbau] ist ein Konzept der 1980er Jahre“. Besser sei es,
bestehende Schutzräume wie Tiefgaragen und Tunnel zu nutzen. Die Länder
sollen die Schutzräume daher systematisch erfassen, damit im Ernstfall alle
über eine Warn-App informiert werden können.
Auch in den Schulen soll Zivilschutz künftig ein Thema werden, kündigte
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) an. Kinder und Jugendliche sollten das
Wissen dann in die Familien tragen. Dobrindt nannte ein Beispiel: „Bei
Explosionsgefahr sollte man sich in fensterlosen Räumen aufhalten, damit
man nicht von Glassplittern verletzt wird.“ Zum IMK-Auftakt packten die
Innenminister gemeinsam auch einen Notfallrucksack – „wie er in jedem
Haushalt vorhanden sein sollte“, so Dobrindt.
20 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Christian Rath
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