# taz.de -- Bremer Kunsthalle lud Dackel ein: Die Radikalität der Form
       
       > Ab Oktober zeigt die Bremer Kunsthalle die Ausstellung „Der Dackel. Eine
       > Ikone geht Gassi“. Zur Vorbereitung lud sie zum Dackeltreffen hinters
       > Haus.
       
 (IMG) Bild: Dackel hInter der Bremer Kunsthalle
       
       Die „Radikalität der Form“, von der die Kuratorin später sprechen wird: Sie
       ist von Weitem nicht zu erkennen, zu hoch steht das Gras. So sind am
       Freitag vor einer Woche auf dem Rasen hinter der Bremer Kunsthalle erst
       einmal nur Menschen zu sehen, viele in heller Kleidung, es ist der bis
       dahin heißeste Tag des Jahres. Erst beim Näherkommen wird klar, warum viele
       von ihnen den Blick auf den Boden richten: [1][Dackel, überall] laufen
       Dackel angeleint zwischen Menschenfüßen herum.
       
       80 dieser ursprünglich für die Jagd gezüchteten Hunde hat die Kunsthalle an
       diesem Tag gezählt; Barcley und Dunja seien mit 13 Jahren die ältesten
       gewesen. Wobei von Barcleys Fell nur an den Hinterläufen noch etwas übrig
       ist, wie sein Besitzer zeigt, aber das steht nicht in der Pressemitteilung.
       
       Die erklärt den Grund für das Dackeltreffen: Es soll auf eine
       [2][Ausstellung] aufmerksam machen, die im Oktober in dem klassizistischen
       Bau in den Bremer Wallanlagen eröffnet wird. „Der Dackel. Eine Ikone geht
       Gassi“ heißt sie. Der spaßige Titel führt in die Irre, denn in der
       Kunstgeschichte hat dieser Hund, auch Teckel oder Dachshund genannt, eine
       ernst zu nehmende Sonderstellung, nicht nur unter den Hunderassen, und es
       ist ein Wunder, dass diese erst jetzt in einem international bedeutsamen
       Museum gewürdigt wird.
       
       Picasso, Hockney, Warhol, Dix, Trockel, Liebermann, Bonnard – und das sind
       nur die Großkünstler:innen, deren Werke in Bremen zu sehen sein werden.
       Warum Dackel ein so beliebtes Sujet sind, weiß die Kuratorin der
       Ausstellung, Annett Reckert. Im Slalom bewegt sie sich zwischen Dackeln und
       Besitzer:innen vorwärts, stellt sich unter Hundegekläffe als „Master of
       Desaster“ vor. „Ein Projekt wird wahr“, sagt sie aufgekratzt.
       
       Seit 30 Jahren beschäftige sie das Thema, seit ihrer Abschlussarbeit über
       den [3][Dackelmaler und -besitzer David Hockney]. Er und andere
       Künstler:innen, Designer:innen und Werber:innen würden sich für den
       Dackel aufgrund der Radikalität seiner Form interessieren – einmal sehr
       lang, viermal sehr kurz – sowie den der Rasse zugeschriebenen
       Eigenschaften.
       
       ## Wursthaftigkeit betont
       
       Gerade in liegender Haltung –die mit entblößtem nackten Bauch seine
       [4][Wursthaftigkeit] betont – werde dies deutlich. „Er fordert Müßiggang
       ein und ist zugleich mutig und spurtreu“, sagt Annett Reckert und erklärt
       die Jagdvokabel mit der Analogie zu Künstler:innen: „Die arbeiten genauso:
       Das ist mein Ziel, das verfolge ich.“ Letztlich sei er der Komiker unter
       den Hunden, und Ralph Saxe, Vizepräsident der Bremischen Bürgerschaft, der
       neben ihr steht, nickt. „Der steht schwanzwedelnd auf“, sagt er über Pepe,
       seinen Kaninchendackel, was die kleinste der drei Größen beschreibt, in
       denen Dackel geliefert werden.
       
       Dackel variieren auch in der Fellbeschaffenheit: „Oh, ist der weich“, sagt
       entzückt die Besitzerin eines Rauhaardackels, die einen Kurzhaardackel
       streichelt. Langhaardackel sind hier heute in der Minderheit. Dafür dieser
       Farbreichtum! Rotbraun, hellbraun, schwarz-rot, blond, gescheckt! Pepe ist
       wahrscheinlich der bunteste mit seinem überwiegend weißen Fell und braunen
       und grauen Flecken. Nach dem deutschen Standard ist die gezielte Zucht
       dieser Schecken unerwünscht, unter anderem, weil sie mit erhöhtem
       Krankheitsrisiko einhergeht, aber gerade sie scheinen zum weltweiten
       Dackelboom beizutragen.
       
       Ja, Dackel sind Modehunde. Das haben [5][Medien] in den vergangenen Jahren
       so oft behauptet wie das Gegenteil, ohne Nachweise anführen zu können. Erst
       die taz belegte vor zwei Jahren für Deutschland einen Dackeltrend mit Blick
       auf die Statistik von [6][Tasso e. V.] Bei dem Verein können
       Halter:innen ihre Tiere registrieren lassen, um sie bei Verlust leichter
       wieder zu finden – unter Angabe der Rasse. Der Dackel tauchte im Jahr 2019
       nicht einmal in den Top 20 der beliebtesten Hunderassen auf, rutschte 2020
       hinein und kletterte seitdem kontinuierlich höher. 2025 stand er auf Platz
       acht!
       
       Unter diesen Voraussetzungen muss die Ausstellung ein Kassenschlager
       werden. „Der Dackel, dieser buddelnde Helfer“, sagt die Kuratorin, „hat es
       geschafft.“
       
       27 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Dackel-Teckel-Sausage-Dog/!6015049
 (DIR) [2] https://www.kunsthalle-bremen.de/de/view/exhibitions/exb-page/der-dackel
 (DIR) [3] /Nachruf-auf-den-Kuenstler-David-Hockney/!6186807
 (DIR) [4] https://www.zeit.de/kultur/film/2016-07/wiener-dog-todd-solondz-dackel/komplettansicht
 (DIR) [5] https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/modehund-dackel-das-trend-wuerstchen-a-771398.html
 (DIR) [6] https://www.tasso.net/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Eiken Bruhn
       
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