# taz.de -- EU-Erweiterung: EU nimmt Beitrittsgespräche mit Ukraine und Moldau auf
> Kommissionspräsidentin von der Leyen spricht von einem „großen Schritt
> nach vorn“. Dabei stehen aber noch viele große Schritte aus.
(IMG) Bild: Europa winkt: EU-Unterstützerin in Chișinău, Moldau
Mit rund zweijähriger Verspätung hat die EU am Montag in Luxemburg die
Beitrittsgespräche mit der Ukraine und Moldau aufgenommen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von einem „großen
Schritt nach vorn“. Die Erweiterung sei „strategisch“ bedeutsam und
alternativlos.
Ursprünglich sollten die Verhandlungen bereits im Juni 2024 beginnen, doch
Ungarn legte ein Veto ein. [1][Erst nach der Abwahl des ewigen „Neinsagers“
Viktor Orbán] und der Unterzeichnung eines Abkommens zum Schutz der
ungarischen Minderheit in der Ukraine kam grünes Licht aus Budapest.
Nun soll alles ganz schnell gehen: Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj
möchte sein Land möglichst schon am 1. Januar 2027 in die EU führen. Auch
[2][Maia Sandu], seine Amtskollegin aus Moldau, hat es eilig. Allerdings
mahlen die Mühlen in Brüssel langsam.
Die Kandidatenländer des Westbalkans warten schon seit mehr als 20 Jahren
auf die Eintrittskarte in die EU. Die neue Erweiterungsrunde soll zwar bis
2030 abgeschlossen werden. Doch bisher ist Brüssel selbst nicht auf neue
Mitglieder vorbereitet; Reformen lassen auf sich warten.
## Hindernis Ukrainekrieg
Ein weiteres Hindernis ist der Ukrainekrieg. Während der noch läuft, sei an
einen Beitritt des Landes nicht zu denken, heißt es in Brüssel. Einen
geopolitischen „Bonus“ werde es nicht geben, die Ukraine und Moldau würden
strikt nach ihren eigenen Verdiensten und Fortschritten beurteilt.
Alle EU-Kandidaten müssen 33 Beitrittskapitel abarbeiten, die in sechs
sogenannte Cluster gegliedert sind. Während einige Balkanländer wie
Montenegro bereits alle Kapitel eröffnet und etliche sogar schon
abgeschlossen haben, stehen die Ukraine und Moldau noch am Anfang.
Zunächst geht es um den Cluster „Fundamentals“, der fünf
Verhandlungskapitel enthält. Dabei werden zentrale Themen wie Demokratie,
Rechtsstaat und Marktwirtschaft verhandelt. Die Kandidatenländer müssen
nachweisen, dass ihre Rechtssysteme den EU-Standards entsprechen – und dass
sie wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen können.
Bisher ist das nicht der Fall. So ist die Ukraine auf massive
Finanzspritzen angewiesen. Die EU will noch im Juni mit der Auszahlung
eines 90 Milliarden Euro schweren Hilfskredits beginnen, um das Land vor
der Pleite zu retten.
Auch die grassierende Korruption gilt als entscheidendes Hindernis. Zwar
wurden in Kyjiw mit westlicher Hilfe neue Institutionen geschaffen. Doch
noch 2025 hat Selenskyj versucht, die Antikorruptionsbehörden zu umgehen,
um seinen damaligen Stabschef [3][Andrij Jermak] zu schützen.
Kritik gibt es auch daran, dass wegen des Krieges die Wahlen in der Ukraine
ausgesetzt wurden, das Parlament nicht ordnungsgemäß funktioniere und
Selenskyj immer mehr Macht an sich reiße. Polen stößt sich zudem an
Billigexporten von Agrarprodukten und an der Ehrung ukrainischer Kämpfer,
die mit den Nazis kollaboriert haben.
Auch Ungarn, die Slowakei und Tschechien haben noch etliche Vorbehalte –
ein Problem, denn alle 27 EU-Länder müssen der Eröffnung und Schließung von
Beitrittskapiteln zustimmen. Am Ende dürfte es in Ländern wie Frankreich
zudem noch Volksabstimmungen geben.
Ob die Ukraine und Moldau diese Hürden schaffen, ist unklar. Schnell wird
es jedenfalls nicht gehen.
15 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
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