# taz.de -- Ungarns Premier auf EU-Besuch: Brüssel taut auf
> Ungarn neuer Premier Peter Magyar erreicht die Freigabe von mehr als 16
> Milliarden Euro. Das Geld soll der ungarischen Wirtschaft zugutekommen.
(IMG) Bild: Vorbereitung einer Annäherung zwischen Peter Magyar und Ursula von der Leyen
„Wir haben um jeden Euro-Cent gekämpft“, erklärte Ungarns Ministerpräsident
Peter Magyar. Es hat sich gelohnt: Bei Magyars Besuch am Freitag in Brüssel
hat die EU-Kommission überraschend die Freigabe von mehr als 16 Milliarden
Euro für Ungarn angekündigt. Das Geld werde aufgrund der „großen
Fortschritte“ bei wichtigen Reformen freigegeben, sagte
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Die EU-Mittel waren wegen Korruption und anderer Rechtsstaats-Verstöße
unter Magyars Amtsvorgänger Viktor Orbán eingefroren worden. Von der Leyen
sprach von insgesamt 16,4 Milliarden Euro, die nun freigegeben würden. Zwar
müssten noch „weitere Schritte“ getan werden, „aber wir sind auf dem
richtigen Weg“, fügte sie hinzu. Wann die Auszahlung des Geldes beginnt,
blieb zunächst unklar.
Magyar sprach von einem „historischen Durchbruch“. Es sei ihm wie im
Wahlkampf versprochen gelungen, in nur drei Wochen „Milliarden“
freizukämpfen. Dies sei nicht leicht gewesen, „einige Streitfragen sahen
hoffnungslos“ aus. Das Geld werde nun für einen „Kickstart“ der ungarischen
Wirtschaft genutzt, kündigte Magyar an. Es soll unter anderem in das
Gesundheitswesen und die Bahn fließen.
[1][Brüssel und Budapest hatten seit Magyars Wahlsieg im April über die
Freigabe der EU-Mittel verhandelt.] Von der Leyens deutscher Kabinettschef
war eigens in die ungarische Hauptstadt gereist, um Magyar auf die richtige
Spur zu bringen. Die Eile war groß, denn Ende August laufen EU-Fristen für
die Umsetzung sogenannter Meilensteine aus. Danach wäre ein großer Teil der
Gelder verfallen.
## Täglich eine Million Euro Strafe
Zwei Milliarden Euro sind schon verloren – denn Orbán hatte die Auflagen
aus Brüssel nicht eingehalten. Zudem zahlt Ungarn täglich eine Million Euro
Strafe, weil es in der Migrationspolitik gegen EU-Regeln verstößt. Wann und
wie dieses Problem gelöst werden kann, blieb zunächst offen. Magyar sagte
lediglich, dass der neue europäische Asyl- und Migrationspakt mehrere
Möglichkeiten eröffne. Ungarn sei nicht gezwungen, mehr Migranten
aufzunehmen.
Auch von der Leyen wich den heiklen Fragen aus. „Wir haben uns auf einen
soliden Rahmen geeinigt, der sicherstellen soll, dass Ungarn die Probleme
im Zusammenhang mit Korruption und Rechtsstaatlichkeit angeht“, sagte sie.
Die CDU-Politikerin betonte, dass die Ukraine-Politik keine Rolle gespielt
habe. Orbán hatte Hilfen für die Ukraine immer wieder mit einem Veto
blockiert und den Start von EU-Beitrittsverhandlungen verhindert.
Damit ist es nun vorbei. Der Weg für den Start der
EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und Moldau sei frei, so von der
Leyen. Beide Länder hätten alle Voraussetzungen für Gespräche über den
ersten „Cluster“ erfüllt. Bereits im Juni sollen die Gespräche in Brüssel
beginnen. Magyar betonte, dass sein Land „Garantien“ für die ungarische
Minderheit in der Ukraine brauche.
[2][Damit knüpft der neue Regierungschef an die Politik seines
Amtsvorgängers Orbán an. Auch bei Waffenlieferungen an die Ukraine setzt er
die alte Linie fort.] „Ich habe dem Generalsekretär gesagt, dass Ungarn
keine Waffen oder Kampfausrüstung in den russisch-ukrainischen Krieg
entsenden wird“, teilte Magyar nach einem Besuch bei Nato-Generalsekretär
Mark Rutte am Donnerstag mit.
Eine zunächst geplante gemeinsame Pressekonferenz mit Rutte wurde
kurzfristig abgesagt. Mitte Juni werde er aber erneut das
Nato-Hauptquartier besuchen, kündigte Magyar an. Ungarn werde wieder„ein
verlässlicher Partner des stärksten Militärbündnisses der Welt sein“.
Zunächst muss Magyar allerdings seine Hausaufgaben machen – nach dem Besuch
in Brüssel stehen viele harte Reformen an.
29 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Wahl-in-Ungarn/!6170093
(DIR) [2] /Ukraine-Hilfen-nach-Orban-Abwahl/!6168201
## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
## TAGS
(DIR) Ungarn
(DIR) Europäische Union
(DIR) Peter Magyar
(DIR) GNS
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) Polen
(DIR) Ungarn
(DIR) Ungarn
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Benzin wird auf der Krim knapp
Ölanlagen in Russland und den besetzten Gebieten geraten immer stärker
unter ukrainischen Beschuss. Die Folgen werden nun auf der Halbinsel Krim
spürbar.
(DIR) Ungarns Ministerpräsident in Polen: Ein Cousin besucht den anderen
Für seinen ersten Auslandsbesuch fährt Magyar zu seinem Amtskollegen Tusk
nach Polen. Ein neues Zeitalter ungarisch-polnischer Freundschaft scheint
zu beginnen.
(DIR) Machtwechsel in Ungarn: Magyar als Ministerpräsident vereidigt
In seiner Antrittsrede in Budapest schwört Premier Péter Magyar, dem Land
zu dienen – und fordert Orbán-treue Amtsträger neuerlich zum Rücktritt auf.
(DIR) Ende der Orbán-Ära: Erst mal Demokratie
Viele Linke sehen Ungarns Wahlsieger mit Skepsis, weil er konservativ ist.
Doch jetzt geht es erst mal darum, die autoritäre Bewegung abzuwehren.