# taz.de -- Treffen im Kanzleramt: Ohne schlüssige Erzählung
       
       > Das Treffen von Koalitionsspitzen, Gewerkschaften und Unternehmen
       > verdeutlicht vor allem eines: Ein Scheitern der Reformen ist
       > programmiert.
       
 (IMG) Bild: Pressekonferenz nach einem Koalitionsausschuss im April 2026
       
       IG-Metall-Chefin Christiane Benner hatte nach dem [1][Treffen von
       Gewerkschaften und Unternehmensverbänden im Kanzleramt] gute Laune. Die
       Atmosphäre soll, so heißt das im Politdeutsch, konstruktiv gewesen sein.
       Man will sich noch mal treffen. Auch wenn unklar ist, wann – das ist ein
       kleiner Punktsieg für die SPD. Denn die SPD hat ein vitales Interesse
       daran, die Gewerkschaften in den ziemlich hektischen Reformprozess
       einzubinden. Reform wird für viele bedeuten: weniger Leistung bekommen,
       mehr zahlen. Wütende Gewerkschafts-Demos gegen die SPD sind für Lars
       Klingbeil und Bärbel Bas noch ein Problem mehr.
       
       Performativer Verlierer ist Friedrich Merz. Das Gespräch war vom Kanzleramt
       etwas stümperhaft vorbereitet und mit der Ansage versehen worden, es werde
       nur dieses eine Gespräch geben. Merz hat ein erstaunliches Talent, ohne Not
       kommunikative Pannen zu produzieren. Die Regierung hat keine Erzählung für
       die Reformen. SPD-Chef Klingbeil hat in einer schon fast in Vergessenheit
       geratenen Grundsatzrede versucht, einen größeren Bogen zu skizzieren.
       Danach kam nichts mehr. Die schwarz-rote Reformbegründung ist denkbar
       schlicht. Es muss gespart werden, weil die Wirtschaft nicht wächst und Geld
       fehlt. Um Toleranz für Einschnitte zu schaffen, wird das nicht reichen.
       
       Zudem erscheinen Kürzungen nur legitim, wenn sie alle betreffen. Die
       Bereitschaft der Union, den [2][Reichen und der Elite etwas abzuverlangen,
       geht gegen null]. Also werden [3][Mittel- und Unterschichten das Gros der
       Reformlast tragen]. Die dürfen sich dafür immer mal wieder vom Kanzler
       anhören, dass sie zu wenig arbeiten.
       
       Schwarz-Rot will am 1. Juli das Reformpaket fertig packen. Das wirkt
       hektisch und überambitioniert. Die Union forciert einen Zeitdruck, der auf
       Scheitern programmiert zu sein scheint. Dass Merz im fast täglichen
       Rhythmus die SPD als Reformbremse beschimpft, um dann wieder die
       Gemeinsamkeiten zu beschwören, wirkt nur noch ratlos. Die schwarz-roten
       Reformen haben eine soziale Unwucht. Daran ändert auch eine mal gut
       gelaunte IG-Metall-Chefin nichts.
       
       11 Jun 2026
       
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