# taz.de -- Nach Erdrutschen auf Sumatra: Wie der Klimawandel den seltensten Menschenaffen auslöscht
       
       > Der lässige Tapanuli-Orang-Utan ist extrem selten. Wohl jeder zehnte
       > seiner Art kam bei Erdrutschen um, die der Klimawandel wahrscheinlicher
       > machte.
       
 (IMG) Bild: Der Tapanuli-Orang-Utan (Pongo tapanuliensis) ist vom Aussterben bedroht
       
       Der seltenste Menschenaffe der Welt, der Tapanuli-Orang-Utan, snackt gern
       Raupen. Wie die anderen beiden Orang-Utan-Arten strahlt auch der Tapanuli
       auf eine lässig-beiläufige Art Weisheit aus, aber ihr orangefarbenes Haar
       ist krauser und die Weibchen der Art tragen Bart.
       
       Der Tapanuli lebt in einem kleinen, nur etwa 1.000 Quadratkilometer großen
       Gebiet auf der indonesischen Insel Sumatra. Es gibt noch weniger als 800
       Exemplare. Und im vergangenen Herbst starben etwa 58 von ihnen bei einem
       Zyklon. Die Wahrscheinlichkeit, dass solche tropischen Wirbelstürme
       auftreten, steigt durch den Klimawandel. Der Tapanuli ist deshalb
       vielleicht die erste Tierart, die der Klimawandel auslöscht.
       
       Um dem Sumatra-Tiger aus dem Weg zu gehen, verbringt der Tapanuli sein
       Leben in den Baumwipfeln des Regenwaldes. Als [1][Zyklon „Senyar“] im
       November 2025 auf die Insel traf, gingen mehr als 150 Millimeter Regen am
       Tag auf den Lebensraum der Affen nieder – über die Dauer des Sturms mehr,
       als jemals zuvor gemessen wurde. Der Boden sog sich mit dem Wasser voll,
       wurde immer schwerer, haftete weniger stark an der darunterliegenden
       Schicht und stürzte an vielen Stellen irgendwann die steilen Hänge des
       Urwalds herunter.
       
       Auf Satellitenbildern lassen sich die Erdrutsche sehen: fette braune
       Narben, die sich durch den sattgrünen Regenwald ziehen. Die Bäume und mit
       ihnen die Orang-Utans wurden von der enormen Kraft der Erdmassen einfach
       mitgerissen und begraben, von umherfliegenden Baumfetzen erschlagen oder
       sie ertranken.
       
       Nur eine einzige Orang-Utan-Leiche wurde gefunden – ein Tierschützer, der
       ein Bild von dem Affen gesehen hatte, [2][sagte der BBC], dem Tier sei die
       Haut vom Gesicht gerissen worden. In einer Studie, [3][die am Mittwoch im
       Fachmagazin Current Biology erschien], berechnen Forscher*innen anhand
       von Satellitendaten, dass Zyklon „Senyar“ 11,7 Prozent der Walddecke des
       Tapanuli-Lebensraums zerstörte.
       
       ## Klimawandel machte Zyklon wahrscheinlicher
       
       Aus Modellierungen über die Orte, an denen sich die Orang-Utans
       normalerweise aufhalten, schlossen sie, dass etwa 11 Prozent der Affen in
       den Erdrutschgebieten lebten, sehr wahrscheinlich zwischen 18 und 120
       Tiere. Die Forscher*innen gehen davon aus, dass alle starben: Erdrutsche
       dieser Art würden plötzlich eintreten und den Orang-Utans keine Chance
       lassen zu entkommen, schreiben sie.
       
       „Das ist eines der ersten Beispiele dafür, wie das Überleben einer Art von
       einem Wetterereignis bedroht wird, das mit dem Klimawandel im Zusammenhang
       steht“, sagte Erik Meijaard, Wissenschaftler bei der
       Naturschutzorganisation Borneo Futures und einer der Autor*innen der
       Studie.
       
       „Im heutigen Klima tritt dieses Ereignis etwa einmal in 70 Jahren auf“,
       sagte die Physikerin Friederike Otto bei der Vorstellung der Studie. Ihr
       Team des Projekts „World Weather Attribution“ errechnete, dass der Zyklon
       „Senyar“ um 9 bis 50 Prozent wahrscheinlicher wurde, weil der Klimawandel
       den Ozean erhitzt. „Während natürliche Schwankungen kommen und gehen,
       werden diese Stürme schlimmer und schlimmer, [4][solange wir weiter fossile
       Brennstoffe verbrennen].“
       
       Der Tapanuli-Orang-Utan ist ohnehin vom Aussterben bedroht und verliert
       Lebensraum. In der Region wurden ein Wasserkraftwerk und eine Goldmine
       eingerichtet. Kleinbäuer*innen roden Regenwald, um Ackerfläche zu
       gewinnen. Jeder Tod eines Affen gefährdet die Art weiter. „Sie würden
       wahrscheinlich überleben, [5][wenn alle anderen Bedrohungen aufhören
       würden]“, sagte Meijaard. „Wenn so ein Sturm zwei- oder dreimal innerhalb
       von hundert Jahren vorkommt, kann die Art sich nicht erholen.“
       
       10 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Flutkatastrophen-in-Suedasien/!6137982
 (DIR) [2] https://www.bbc.com/news/articles/cj4q1l0ly7wo
 (DIR) [3] https://mcusercontent.com/854a9a3e09405d4ab19a4a9d5/files/8c33cc93-843d-ca81-695b-ae18337e47b1/EMBARGOED_Tapanuli_Orangutan_Current_Biology.pdf
 (DIR) [4] /Heizungsgesetz-Bundesregierung-kann-Frage-zu-Klimaschutz-nicht-beantworten/!6183267
 (DIR) [5] /Geld-fuer-Oel-Gas-und-Kohle/!6185886
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Waack
       
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