# taz.de -- Steinmeier in Südostasien: Linken-Politikerinnen warnen vor „grünem Kolonialismus“
> Der Bundespräsident reist nach Indonesien und in die Philippinen. Drei
> Abgeordnete fordern, er dürfe sich nicht zum Sprecher der Wirtschaft
> machen.
(IMG) Bild: Ein Teil des tropischen Regenwaldes von Sumatra in Indonesien wurde wie hier schon 2007 für eine Palmölplantage abgeholzt
Anlässlich der Südostasien-Reise von Bundespräsident Frank-Walter
Steinmeier (SPD) fordern drei Bundestagsabgeordnete der Linkspartei,
Steinmeier dürfe sich „nicht zum Sprecher der deutschen Wirtschaft machen“.
In einem Brief an den Bundespräsidenten schreiben Charlotte Neuhäuser,
Gökay Akbulut und Katrin Fey, der deutsche Import von Rohstoffen aus
Indonesien und den Philippinen führe vor Ort „zu teilweise [1][eklatanten
Verletzungen von Menschenrechten und Umweltschutz]“. Der deutsche
Rohstoffhunger dürfe „nicht zu einem neuen, grünen Kolonialismus“ führen,
und die Energiewende weg von fossilen Brennstoffen, für die viele der
Rohstoffe gebraucht werden, dürfe „nicht auf dem Rücken der Menschen des
Globalen Südens umgesetzt werden“. Der Brief liegt der taz vor.
Steinmeier reist am Sonntag nach Indonesien und anschließend in die
Philippinen. Ein EU-Handelsabkommen mit Indonesien wurde bereits [2][im
vergangenen Herbst abgeschlossen]. Der österreichische Ableger von Attac
kritisierte, der Vertrag enthalte „keine wirksamen Schutzmechanismen gegen
Entwaldung und Umweltverschmutzung“. Über ein Handelsabkommen mit den
Philippinen verhandelt die EU derzeit.
Die drei Abgeordneten wollen Steinmeier „mitteilen, was indonesische und
philippinische Aktivist*innen, Gewerkschafter*innen,
Umweltschützer*innen und Politiker*innen an uns herangetragen
haben“. Demnach scheine „der Zugang zu Rohstoffen“ in beiden Abkommen
„zentral“.
## Wasserverschmutzung, Vertreibung, Entwaldung
Die Förderung von Nickel in Indonesien zum Beispiel führe allerdings zu
verschmutzten Meeren und Flüssen, Vertreibung und Entwaldung. „Abkommen,
die auf Kosten des Umweltschutzes gehen, Repression gegen die
Zivilgesellschaft und den Verlust politischer Handlungsspielräume in Kauf
nehmen, werden der Verantwortung der Bundesrepublik nicht gerecht“,
schreiben die Abgeordneten. Die Stimmen von Arbeiter*innen, Bäuer*innen
und indigenen Gemeinschaften würden ignoriert, es drohe „Abhängigkeit und
Ausbeutung statt Augenhöhe“.
Die Politikerinnen fordern Steinmeier deshalb auf, persönlich mit lokalen
Gemeinschaften zusammenzukommen, die direkt von der indonesischen oder
philippinischen Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen betroffen sind. Im
[3][offiziellen Terminkalender] des Bundespräsidenten ist ein derartiges
Treffen nicht vermerkt. Steinmeier besucht allerdings eine
Produktionsstätte der Lufthansa in den Philippinen.
Auf Anfrage der taz teilte ein Sprecher des Bundespräsidialamtes mit, das
Handelsabkommen mit Indonesien enthalte ein „ambitioniertes
Nachhaltigkeitskapitel, das klassische EU-Forderungen etwa im Bereich
Klimaschutz zur Geltung bringt“. Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender
würden mit Vertreter*innen aus „Kultur, Religion, Unternehmen,
Bildungseinrichtungen, diversen Thinktanks und Menschenrechtsorganisationen
Gespräche führen“.
Die Linken-Abgeordneten fordern in ihrem Brief Steinmeier auf, sich sowohl
gegenüber der politischen Führung Indonesiens und der Philippinen als auch
gegenüber deutschen Unternehmer*innen dafür einzusetzen, dass
Umweltschutz, Menschenrechte und Demokratie nicht gegenüber
wirtschaftlichen Interessen zurückstehen.
„Bei Terminen und Gesprächen des Bundespräsidenten mit internationalen
Partnern finden alle Interessen und Anliegen deutscher Außenpolitik
Berücksichtigung“, teilte Steinmeiers Sprecher dazu mit.
14 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Beschwerde-gegen-Zementkonzern/!6178343
(DIR) [2] /CEPA-und-IPA/!6115007
(DIR) [3] https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Termine/DE/Frank-Walter-Steinmeier/2026/06/260614-18-Reise-IDN-PHL-UZB.html
## AUTOREN
(DIR) Jonas Waack
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