# taz.de -- Bundeswehr an Berliner Schulen: Senatorin will mehr Offiziere im Unterricht
> Berliner Schulen und die Bundeswehr sollen stärker zusammenarbeiten. Dazu
> hat die Bildungsverwaltung einen Vertrag mit dem Militär unterzeichnet.
(IMG) Bild: Wo hört Information auf und geht in Rekrutierung über? Szene vom „Tag der Bundeswehr“ in Unna am Samstag
Bundesweit nehmen Schulbesuche der Bundeswehr zu. Auch in Berlin gehört der
[1][Einsatz von sogenannten Jugendoffizieren] seit Langem zum Alltag an
Schulen – und ist umstritten. Künftig soll die Militärpräsenz im
Klassenzimmer noch ausgeweitet werden. Dazu hat Berlins Bildungssenatorin
Katharina Günther-Wünsch am Montagvormittag eine Kooperationsvereinbarung
mit der Bundeswehr unterzeichnet. Vor der Tür gab es Proteste.
„Fragen von Frieden, Sicherheit und internationaler Verantwortung bewegen
viele Schülerinnen und Schüler und werfen wichtige Fragen auf“, sagte die
CDU-Politikerin bei dem Termin. Schulen seien der richtige Ort, um diese
Themen aufzugreifen und unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen – und
die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr leiste hierzu seit Jahren einen
wertvollen Beitrag, so Günther-Wünsch. „Mit der Kooperationsvereinbarung
geben wir dieser bewährten Zusammenarbeit nun einen transparenten und
verlässlichen Rahmen.“
Demnach können Jugendoffizier*innen in den Unterricht eingeladen
werden und dort über das Thema Sicherheitspolitik referieren, sofern das an
den Lehrplan anknüpft. Zielgruppe sind Schüler*innen ab der 9. Klasse –
also im Alter ab etwa 14 Jahren.
Bei der Bundeswehr freut man sich über den Vertrag, den es [2][in ähnlicher
Form schon in anderen Bundesländern gibt]. Auf diese Weise könne man in
Berlin „sicherheits- und verteidigungspolitische Fragen an Schulen
sachlich, kontrovers und im Sinne politischer Bildung behandeln“, erklärte
Brigadegeneral Horst Busch am Montag.
## Kritik an fehlender Ausgewogenheit
Das bezweifelt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Wenn
Jugendoffizier*innen im Schulkontext einbezogen werden, normalisiert
das militärische Perspektiven auf internationale Konflikte“, warnt Berlins
GEW-Vorsitzende Felicia Kompio in einem Statement.
Kritik kommt auch von der Linken-Fraktion: „Dass die Bildungssenatorin der
Bundeswehr mit der Kooperationsvereinbarung einen privilegierten Zugang zu
Berliner Schulen einräumen will, verletzt den Beutelsbacher Konsens“, sagt
deren bildungspolitische Sprecherin Franziska Brychcy.
Der Beutelsbacher Konsens, 1976 von Politikdidaktiker*innen
formuliert, definiert Grundsätze für die politische Bildung an Schulen.
Demnach dürfen Schüler*innen nicht „überwältigt“ werden, also nicht
politisch indoktriniert. Positionen, die als kontrovers gelten, müssen auch
in der Schule kontrovers diskutiert werden. Und Schule soll
Schüler*innen in die Lage versetzen, die politische Situation und ihre
eigenen Interessen zu analysieren.
Damit diese Prinzipien bei Bundeswehrbesuchen eingehalten werden, müssten
auch friedenspolitische Akteur*innen einbezogen werden, fordert
Gewerkschafterin Kompio. Jedoch verfügten diese Organisationen – etwa der
Verein „[3][Deutsche Friedensgesellschaft] – Vereinigte
KriegsdienstgegnerInnen“ – bei Weitem nicht über die Ressourcen der
Bundeswehr. „Unter diesen Bedingungen können sie kaum ein annähernd
gleichwertiges Bildungsangebot bereitstellen“, bemängelt Kompio.
## Wird hier rekrutiert?
Unterrichtsbesuche der Bundeswehr stehen überdies in Verdacht, indirekt der
Nachwuchsgewinnung zu dienen. Bis 2031 will die Armee mehr als 20.000
zusätzliche Soldat*innen rekrutieren – auch mit dem [4][neuen
Wehrdienstmodell].
Vor diesem Hintergrund befürchtet Kompio: „Bei Veranstaltungen von
Jugendoffizier*innen verschwimmen die Grenzen zwischen Information
und Werbung.“ Die Kooperationsvereinbarung lehne man auch deshalb
„entschieden ab“. Sie stehe im Widerspruch zum Auftrag zur
Friedenserziehung im Berliner Schulgesetz. „Schule soll junge Menschen zu
kritischem, demokratischem und gewaltfreiem Handeln befähigen“, so Kompio.
Im ersten Quartal dieses Jahres haben 66 öffentliche Auftritte der
Bundeswehr an Berliner Schulen und Hochschulen stattgefunden, wie aus einer
[5][Antwort der Bundesregierung] auf eine Linken-Anfrage hervorgeht. Im
gesamten Jahr 2025 gab es 166 solcher Termine. Bundesweit ist Bayern
Spitzenreiter dieser Statistik: Dort trat die Bundeswehr 2025 1.131 Mal an
Schulen und Hochschulen in Erscheinung.
8 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Bundeswehr-an-Schulen/!6091050
(DIR) [2] /Militaerpraesenz-in-Hamburg/!6171493
(DIR) [3] https://dfg-vk.de/impressum/
(DIR) [4] /Schulstreik-gegen-Wehrpflicht/!6177412
(DIR) [5] https://dserver.bundestag.de/btd/21/053/2105371.pdf
## AUTOREN
(DIR) Hanno Fleckenstein
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