# taz.de -- Militärpräsenz in Hamburg: Bundeswehr macht Schule
       
       > Hamburgs Schulsenatorin schließt Vertrag mit der Truppe für den Einsatz
       > von Jugendoffizieren im Unterricht. Nachwuchswerbung ist das angeblich
       > nicht.
       
 (IMG) Bild: Pädagogische Herausforderung: Jugendoffizier bei der Arbeit
       
       Viel Platz war da nicht. Im kleinen Zimmer im Hamburger Rathaus
       unterzeichneten Schulsenatorin Ksenja Bekeris (SPD) und Landeskommandeur
       Kurt Leonards feierlich eine siebenseitige „Kooperationsvereinbarung“ über
       den [1][Einsatz von Jugendoffizieren] an Hamburgs Schulen. Den gibt es
       schon – aber nun eben auf Basis dieses Papiers.
       
       Fotos waren erlaubt, es sollte aber keine Frage-Antwort-Pressekonferenz
       sein, hatte Bekeris’ Sprecher zuerst erklärt. Schließlich konnten die
       Journalisten aber doch Fragen stellen. Der Einsatz der Jugendoffiziere – es
       gibt zwei für Hamburg und 21 für ganz Norddeutschland – hat zugenommen.
       Allein im Jahr 2025 kamen die Jugendoffiziere laut Bundeswehr 126 Mal in
       die Hamburger Schulen.
       
       Laut Bekeris ist das auch angebracht. Sicherheit sei ein Thema, das die
       Schüler beschäftige. Fast jede Diskussion an den Schulen streife das Thema
       „Wie steht es eigentlich um unsere Sicherheit und was hat das mit mir zu
       tun“. Die Kooperation mit den [2][Jugendoffizieren] bringe „externe
       Expertise“ in die Schulen und stärke die Entwicklung „mündiger,
       [3][kritisch denkender junger Menschen]“.
       
       Die Vereinbarung legt formal fest, dass der „[4][Beutelsbacher Konsens]“
       eingehalten werden soll. Das ist ein Leitprinzip für politische Bildung aus
       dem Jahr 1976, laut dem Schülern keine Meinung aufgezwungen werden darf und
       sie kontroverse Standpunkte kennenlernen sollen.
       
       ## Nachwuchswerbung verboten
       
       „Unsere Jugendoffiziere sind dafür ausgebildet, sachlich und fachlich zu
       informieren und ergebnisoffen zu diskutieren“, sagte Kommandeur Leonards.
       Sie sollen nun nicht nur in Fächern wie Politik, Geschichte, Philosophie
       oder Geografie zu Gast sein, sondern auch Projekte anbieten wie etwa ein
       mehrtägiges „Konfliktplanspiel“. Sie organisieren Besuche an
       Bundeswehrstandorten und begleiten sogar Seminararbeiten von Schülern. Was
       sie nicht tun dürfen, ist Nachwuchs anzuwerben.
       
       Wie denn das gehen soll, wurde Jugendoffizier Robin Bräuer gefragt. Macht
       es doch gewiss Eindruck, wenn ein Soldat in Uniform in der Klasse steht.
       „Aus meiner Sicht ist das relativ einfach, indem ich nicht versuche,
       jemanden davon zu überzeugen, dass die Bundeswehr ein guter Arbeitgeber
       ist“, antwortete er im Rathaus. „Ich rede einfach nur aus meiner Erfahrung
       heraus“, sagte er. „Ich bin Referent für Sicherheitspolitik und kein
       Karriereberater“.
       
       Diese Rollen seien bei der Bundeswehr stark getrennt, sagte Bräuer.
       Natürlich komme es vor, dass er danach gefragt werde. „Dann verweise ich,
       wenn es tiefergehende Fragen sind, immer an unsere Karriereberater und
       sage: Hey, google erst mal [5][Bundeswehr und Karriere], dann hat sich
       das.“
       
       Dass keine Nachwuchswerbung für die Bundeswehr an Schulen gemacht werden
       darf, geht auf ein Zusatzprotokoll der UN-Kinderrechtskonvention zurück,
       die Kinder vor der Rekrutierung für das Militär schützt. Darauf weist
       Hamburgs Linksfraktion hin.
       
       Deren friedenspolitischer Sprecher David Stoop und die Schulpolitikerin
       Sabine Ritter stellten jüngst eine Anfrage „Werben fürs Sterben an
       Hamburger Schulen“, weil Ende Januar in der Mensa der Fritz-Schumacher
       Schule in Hamburg-Langenhorn eine Werbung abgespielt wurde.
       
       In [6][der Antwort] räumt der Hamburger Senat ein, dass heute an vielen
       Schulen „Karrieremonitore“ installiert sind, die neben dem Vertretungsplan
       auch Ausbildungsplätze anzeigen. „Dies kann auch Anzeigen der Bundeswehr
       als Anbieterin von Ausbildungsplätzen beinhalten.“
       
       Die UN-Konvention, so die Lesart des Senats, schütze Kinder vor Ausbeutung
       und militärischer Instrumentalisierung, sie verbiete jedoch nicht „neutrale
       Vermittlung von Informationen über staatliche Institutionen“. Es handle
       sich bei dem auf dem Bildschirm gezeigten Film nicht um Werbung im
       kommerziellen Sinn.
       
       Für die Linke ist all dies zu einseitig. Denn um wirklich dem
       „Kontroversitätsgebot“ des Beutelsbacher Konsenses zu genügen, müsste es
       auch eine Vereinbarung mit Friedensinitiativen geben. Dass der Senat hier
       Beutelsbach zitiere, sei ein „Hohn“, kritisiert David Stoop.
       
       ## GEW lehnt Kooperation ab
       
       „Die Auftritte der Bundeswehr werden in den seltensten Fällen durch die
       Einladung von Friedensinitiativen flankiert“, kritisiert er. „Es wird also
       einseitig militärische Propaganda betrieben.“
       
       Denkbar wäre die Einladung der Deutschen Gesellschaft der
       [7][Kriegsdienstverweigerer], der DFG-VK. „Wir gehen gern an Schulen“, sagt
       DFG-VK-Geschäftsführer [8][Yannick Kiesel]. „Wir finden, Bundeswehr hat an
       Schulen nichts zu suchen. Aber wenn sie eingeladen wird, dann sollte man
       zur Erfüllung des Beutelsbacher Konsens uns dazu einladen.“ Allerdings sei
       die DFG-VK mit bundesweit rund 3.700 Ehrenamtlern gegenüber der Bundeswehr
       personell dünn aufgestellt.
       
       Jugendoffizier Robin Bräuer sagte, für ihn sei ein paralleler Auftritt mit
       der DFG-VK kein Problem. „Teamteaching“ sei ja „ein Konzept, was
       funktioniert“.
       
       Hamburgs [9][GEW lehnt indes die Kooperationsvereinbarung] strikt ab. „Die
       politische Bildung gehört in die Hände pädagogisch ausgebildeter
       Fachkräfte, nicht in die von Angehörigen der Bundeswehr“, sagt ihr
       Vorsitzender Sven Quiring. Durch das Papier entstehe ein politischer
       Erwartungsdruck, diese Angebote anzunehmen. Die GEW fordert, die
       Kooperation wieder zu kündigen.
       
       16 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bundeswehr-an-Schulen/!6091050
 (DIR) [2] /Bundeswehr-an-Schulen/!5423333
 (DIR) [3] /Schulstreik-gegen-die-Bundeswehr/!6160368
 (DIR) [4] https://www.bpb.de/die-bpb/ueber-uns/auftrag/51310/beutelsbacher-konsens/
 (DIR) [5] /Warum-entscheiden-sich-junge-Menschen-fuer-die-Bundeswehr-Ein-Besuch-im-Karrierebuero/!6164074
 (DIR) [6] https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/102708/23_02977_kinderrechte_und_schutz_von_minderjaehrigen_in_der_bundeswehr#search=%22Bundeswehr%22%23navpanes=0
 (DIR) [7] /Kongress-gegen-die-Wehrpflicht/!6169876
 (DIR) [8] /Debatte-um-Wehrpflicht/!6109116
 (DIR) [9] https://www.gew-hamburg.de/themen/hamburg-politik/2026-04/schulen-sind-keine-orte-militaerischer-einflussnahme
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kaija Kutter
       
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