# taz.de -- Irankrieg schwächt Konjunktur: Weniger Aufträge für die deutsche Industrie
> Die Wirtschaft spürt die Folgen des Irankriegs. Unternehmen im In- und
> Ausland bestellen weniger, weil sie hohe Energie- und Rohstoffpreise
> belasten.
(IMG) Bild: Werkhalle eines Maschinenbauers: Deutsche Unternehmen bekommen weniger Bestellungen für Investitionsgüter
Die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise infolge des Irankriegs zeigen
Wirkung: Im April sind die Aufträge für die deutsche Industrie deutlich
zurückgegangen. Im Vergleich zum März ist der Auftragseingang saison- und
kalenderbereinigt um 3,8 Prozent gesunken, [1][teilte das Statistische
Bundesamt am Montag mit]. Vor allem Unternehmen aus den Branchen
Autoindustrie, elektronische Ausrüstung und Maschinenbau verzeichneten
weniger Bestellungen.
Besonders stark sanken die Aufträge aus der Eurozone. Sie gingen um 11,1
Prozent zurück. Bestellungen außerhalb der Eurozone stiegen dagegen leicht
um 0,8 Prozent. Aufträge aus dem Inland gingen um 2,9 Prozent zurück.
Dieser „Rücksetzer“ komme nicht unerwartet, erklärte das
Bundeswirtschaftsministerium. Im März waren die Auftragseingänge deutlich
gestiegen, „wohl auch infolge vorgezogener Bestellungen angesichts
drohender Lieferengpässe durch die faktische [2][Sperrung der Straße von
Hormus]“.
Die Straße von Hormus im Persischen Golf ist ein wichtiger Seeweg, durch
den in Friedenszeiten rund ein Fünftel des weltweiten Bedarfs an Öl und
Flüssiggas transportiert wird. Seit Beginn des Irankriegs ist die Meerenge
blockiert, nur wenige Schiffe können sie passieren. Dadurch steigen die
Weltmarktpreise für Öl und Gas. Hohe Energiepreise belasten das weltweite
Wirtschaftswachstum. Deutsche Unternehmen leiden nicht nur unter höheren
Produktionskosten, sondern auch unter einer nachlassenden Nachfrage.
Derzeit ist völlig offen, wann sich die Lage am Persischen Golf entspannt
und die Energiepreise auf das Vorkriegsniveau sinken. Nach dem erneuten
militärischen Schlagabtausch zwischen Iran und Israel am Montag stiegen die
Preise für die Nordsee-Rohölsorte Brent und für US-Leichtöl WTI um jeweils
rund 4 Prozent auf 96,68 und 94,50 Dollar je Fass (159 Liter). Vor
Kriegsausbruch lagen die Preise bei unter 70 Dollar.
## Nachfrage nach Produktionsmitteln sinkt
Das deutsche Bruttoinlandsprodukt war 2023 und 2024 infolge des
Energiepreisschocks nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine gesunken,
2025 stagnierte es. Ab der zweiten Jahreshälfte 2025 war die deutsche
Wirtschaft wieder auf Erholungskurs – bis zum Ausbruch des Irankriegs.
Es mehrten sich die Zeichen, „dass sich die Preissteigerungen für Energie
und Rohstoffe sowie die deutlich erhöhte geopolitische Unsicherheit
zunehmend in einer geringeren Nachfrage insbesondere nach
Investitionsgütern niederschlagen“, heißt es in der Erklärung des
Wirtschaftsministeriums. Eine schnelle Trendwende erwartet es nicht: „Die
Industriekonjunktur dürfte sich vor dem Hintergrund gestiegener Kosten und
Unsicherheiten sowie zunehmender Lieferkettenengpässe in den kommenden
Monaten weiter nur verhalten entwickeln.“ [3][Ökonomen haben ihre
Erwartungen an das deutsche Wirtschaftswachstum für dieses Jahr bereits
heruntergeschraubt.]
Der Ökonom Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und
Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung geht davon
aus, dass die deutsche Industrie vor schwierigen Monaten steht. „Der
Rückgang der Auftragseingänge der Industrie im April ist ein spürbarer
Rückschlag und könnte ein erstes Indiz sein, dass der Irankrieg die
deutsche Industrie merklich belastet“, sagt Dullien. Unternehmen und
Privathaushalte würden Kaufentscheidungen aufschieben, weil sie die höheren
Energiepreise belasten.
Dullien rechnet nach dem Auslaufen des Tankrabatts – der zweimonatigen
Senkung der Mineralölsteuer – im Juli mit einer Inflation von 3 Prozent.
Die sinkende Kaufkraft der Verbraucher:innen in Deutschland dämpfe die
Aussicht auf ein kräftiges Konsumplus, das in vielen Prognosen eine
wichtige Säule für Aufschwungshoffnungen war, erklärt er. „Zudem dürfte die
Europäische Zentralbank als Reaktion auf die höhere Inflation die Zinsen
erhöhen, was Investitionen und Wohnungsbau dämpfen dürfte.“
Eine Erholung erwartet der Ökonom erst, wenn die Energiepreise wieder
spürbar nachgeben. „Bis dahin ist es wirtschaftspolitisch zentral, die
Konjunktur nicht weiter zu schwächen – etwa durch nervöse und übertriebene
Diskussionen um vermeintlich nötige Kürzungen bei Gesundheit oder Rente“,
warnt er. Die Bundesregierung [4][plant derzeit erhebliche
Leistungsstreichungen in den Sozialsystemen]. Dullien: „Solche Kürzungen
verunsichern in der aktuellen Diskussion die Menschen nur weiter und
bremsen die Konjunktur zusätzlich.“
8 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/06/PD26_189_421.html
(DIR) [2] /Strasse-von-Hormus/!6159021
(DIR) [3] /Sachverstaendigenrat-Wirtschaft/!6182268
(DIR) [4] /Kuerzungen/!t5026384
## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
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