# taz.de -- Kreisparteitag in Südniedersachsen: AfD will neben KZ-Gedenkstätte tagen
> Direkt neben der KZ-Gedenkstätte Moringen will die AfD einen Parteitag
> abhalten. Die Lagergemeinschaft protestiert, eine Demo und ein Fest sind
> angemeldet.
(IMG) Bild: Deutsche Kontinuitäten: Das Gebäude des KZ Moringen beherbergte vorher Waisen und heute psychisch kranke Straftäter
Drei Konzentrationslager hatten die Nazis in der Kleinstadt Moringen im
Kreis Northeim errichtet. Unmittelbar neben dem früheren KZ-Gelände, in der
Moringer Stadthalle, will der Kreisverband der rechtsextremen AfD einen
Parteitag abhalten. Ein Unding, findet der Vorsitzende des Vereins
„Lagergemeinschaft und Gedenkstätte KZ Moringen“, Stefan von Huene.
Nach seinen Angaben ist die Halle gerade mal zehn Meter vom ehemaligen
KZ-Gelände entfernt, 30 Meter seien es bis zur Gedenkstätte. Die
Konzentrationslager in Moringen und die Gedenkstätte hätten „eine Bedeutung
weit über Moringen und den Kreis Northeim hinaus“. Sie fänden auch
international Beachtung, da Nachkommen ehemaliger Häftlinge aus vielen
Ländern immer wieder nach Moringen kämen.
Das niedersächsische Versammlungsgesetz stelle die Würde der Opfer der
NS-Herrschaft unter einen besonderen Schutz, sagt Huene. „Wir wollen
deshalb nicht akzeptieren, dass eine gesichert rechtsextreme Partei durch
ihre Veranstaltung diese Würde verletzt. Es sei „ein Skandal, dass diese
Veranstaltung genehmigt wurde, weil die AFD hier [1][einmal mehr
Erinnerungskultur angreift] und dazu direkt an das Gelände von
KZ-Gedenkstätte und ehemaligem KZ geht“, so Huene. Würde die AfD so etwa an
der Gedenkstätte Buchenwald agieren, „wäre das ein bundesweiter Skandal“.
Der Gedenkstätten-Verein verweist zudem darauf, dass der Northeimer
Kreisverband innerhalb der AfD ganz weit rechts außen zu verorten ist und
über enge Kontakte zum thüringischen Landes- und Fraktionschef Björn Höcke
verfügt. Beim Neujahrsempfang im Januar 2024 hatte der Kreisverband Höcke
mit dem „Graf-Otto-Preis“ ausgezeichnet. Der Preis bezieht sich auf Graf
Otto von Northeim, der es im 11. Jahrhundert bis zum bayrischen Herzog
brachte. Verliehen wird er laut AfD für Verdienste um die Partei und
Deutschland.
## Die Stadt sagt, sie könne der AfD die Halle nicht verwehren
Die Stadt Moringen hat den Ort und das Datum für den AfD-Parteitag bislang
nicht offiziell bestätigt. Vonseiten der Stadtverwaltung heißt es
allerdings auf Anfrage, es gebe keine Handhabe, einer nicht verbotenen
Partei die Anmietung der Stadthalle zu versagen. Dies sei auch in der
Nutzungsordnung der Halle so festgeschrieben. Huene und seine
Mitstreiter:innen vom Verein gehen auch deshalb davon aus, dass die AfD
die Stadthalle für den 19. Juni längst fest angemietet hat.
Mit einer Demonstration und einem Straßenfest machen zahlreiche Initiativen
aus Südniedersachsen deshalb gegen den Parteitag mobil. An einem
Vorbereitungstreffen haben sich Huene zufolge rund 75 Menschen beteiligt.
Das geplante Straßenfest unter dem Motto „Für Demokratie, Vielfalt und
Erinnerung“ werde unter anderem von mehreren Bündnissen gegen Rechts, der
Moringer evangelischen Kirchengemeinde, der örtlichen Gesamtschule, dem
DGB, den Harz-Weser-Werkstätten und weiteren Gruppen unterstützt. Die
Organisatoren rechnen mit etwa 1.000 Teilnehmenden. Geplant sind neben
kulturellen Beiträgen auch Lesungen aus Briefen ehemaliger Moringer
KZ-Häftlinge.
Die Demonstration gegen den AfD-Kreisparteitag haben die „Omas gegen
Rechts“ angemeldet. Über die genaue Route verhandeln sie noch mit der
Polizei sowie den Behörden in Moringen und der Northeimer Kreisverwaltung.
## Drei Konzentrationslager an einem Ort
In Moringen hatten die Nationalsozialisten [2][ab 1933 nacheinander
Konzentrationslager] für Männer, [3][Frauen] und – seit dem Sommer 1940 –
für männliche Jugendliche eingerichtet. Im März 1945 befanden sich dort
noch rund 800 Häftlinge, deren Alltag durch Zwangsarbeit und ein
drakonisches Strafsystem bei unzureichender Ernährung geprägt war. Noch im
März wurden 250 von ihnen in die Wehrmacht einberufen.
Am 6. April 1945 trieb die SS die meisten Häftlinge angesichts der näher
rückenden Front auf einen Evakuierungsmarsch Richtung Harz. Der Marsch
endete am 10. April in Lochtum bei Goslar, wo die SS-Leute flüchteten und
die Jugendlichen sich selbst befreiten. Auf sich allein gestellt, baten sie
in den nahen Orten um Nahrung, bevor sie sich auf den mühevollen Weg nach
Hause machten, der teilweise bis nach Slowenien, Polen, Österreich und
Luxemburg führte.
US-Soldaten befreiten im KZ zurückgebliebene, kranke Häftlinge am 9. April
1945. Einige starben noch in den folgenden Wochen an den Folgen der Haft.
8 Jun 2026
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