# taz.de -- Neue Kennzeichnung von süßen Aufstrichen: Mehr Ehrlichkeit im Supermarktregal
> Marmelade oder Fruchtgelee? Im Segment der süßen Brotaufstriche gibt es
> etwas Neues. Zeit, auch woanders der Verwirrung entgegenzuwirken.
(IMG) Bild: Marmelade, Fruchtaufstrich, Konfitüre oder Gelee? Das ist hier die Frage
Marmelade darf nun endlich Marmelade heißen. Verwirrt? Ja, das ist auch
kein Wunder. Denn wer bislang meinte, Marmelade zu kaufen, hat in vielen
Fällen eigentlich ein Glas mit Fruchtaufstrich, Konfitüre oder Gelee aus
dem Regal geholt.
Zumindest dann, wenn es sich bei der Fruchtkomponente um so etwas wie
Erdbeere, Brombeere, Himbeere, Aprikose, Hagebutte, Sanddorn-Holunder,
Pfirsich-Maracuja, Kirsche, Johannisbeere oder Rhabarber handelt, also
praktisch alles und noch mehr, aus dem man selbst Marmelade einkochen
würde.
Fast alles. Denn der Begriff Marmelade ist laut der gerade noch
[1][geltenden europäischen Konfitüre-Verordnung] dem süßen Matsch aus
Zitrusfrüchten vorbehalten. Also: Blutorangen-Marmelade ja, Kirschmarmelade
nein. Ausnahmen gab es nur für den Direktvertrieb.
Ab Mitte Juni darf nun im Supermarktregal auch Erdbeer- oder
Pfirsich-Maracuja-Marmelade stehen. Ein großer Schritt für das süße
Brotaufstrichsegment, ein kleiner hin zu weniger Verwirrung? Definitiv.
Denn auch andernorts ließe sich mit ein paar kleinen Umbenennungen mehr
Klarheit schaffen.
## Milch und Drinks
Zum Beispiel bei pflanzlichen Milchprodukten. Hat irgendjemand eine Ahnung,
was „Hafer Cuisine“ sein soll? Nein, das ist keine Küchenfront in
braun-beige. Sondern ein Produkt, das in Konsistenz und Kocheigenschaften
Sahne ähnelt und aus Hafer besteht. Nur darf nicht Hafersahne draufstehen,
weil das zwar für mehr Durchblick am Supermarktregal sorgen würde, aber
eben auch für [2][Klagen aus der Kuhmilchindustrie].
An anderer Stelle setzen Produzenten und Händler dagegen freiwillig auf
mehr Intransparenz, zum Beispiel bei Desserts oder Eis. Oder hat jemand
schon mal einen Vanillearoma-Pudding gesehen? Oder ein Himbeeraroma-Eis?
Aber auch anderswo könnte eine ehrliche Bezeichnung ein realistisches
Erwartungsmanagement ermöglichen. Wer statt eines [3][KI-Chatbots] einen
Wörterwahrscheinlichkeitsraten-Chatbot befragt, wundert sich gar nicht
mehr, wenn der einen fiktiven Urlaubsort samt ausgedachter Bahnverbindung
vorschlägt. Und die Vertreter:innen von EU und USA hätten sich viele
Verrenkungen sparen und den „[4][Data Privacy Framework]“, also etwa
„Datenschutzrahmen“, einfach Daten-Weitergabe-ohne-Schutz-Rahmen nennen
können.
Auch die Bundesregierung könnte profitieren. Angesichts ihrer beharrlichen
Weigerung, die großen Probleme wie Klimakrise, Abhängigkeit von Öl und Gas
oder die wachsende wirtschaftliche Kluft ernsthaft anzugehen, könnte sie
sich einfach umtaufen in Bundesnichtregierung. Und zack wäre Flaute in den
Segeln der Kritiker:innen.
Eine Erdbeer-, Himbeer- oder Johannisbeer-noch-nicht-Marmelade übrigens
enthält [5][manchmal mehr Zucker] als Frucht. Doch auf den Tag, an dem ein
Hersteller ehrlicherweise Zuckermarmelade draufschreibt, werden wir wohl
leider vergeblich warten.
5 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://eur-lex.europa.eu/DE/legal-content/summary/fruit-jams-and-other-products.html
(DIR) [2] /EU-Parlament-zu-Fleischersatzprodukten/!5719776
(DIR) [3] /Schwerpunkt-Kuenstliche-Intelligenz/!t5924174
(DIR) [4] /Neuer-Datenschutzdeal-zwischen-EU-und-USA/!5944628
(DIR) [5] /Foodwatch-ueber-Zuckerwerbung/!6169723
## AUTOREN
(DIR) Svenja Bergt
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