# taz.de -- Größe von TV-Bildschirmen: Das schwarze Loch im Wohnzimmer
> Fernseher werden immer größer und hochauflösender. Das schafft Probleme –
> nicht nur für die Wohnungseinrichtung.
(IMG) Bild: Kann auch Kunst: Ein LED-Bildschirm wird am 6. September 2019 auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin präsentiert
Zugegeben – die Formel für Glück ist immer noch in der Entwicklung. Aber
auf dem Weg dahin gibt es zumindest schon mal etwas, das bei vielen
Menschen zu Glücksgefühlen führen könnte: die Formel für den optimalen
[1][Fernseher]. Und nicht nur eine: optimale Größe in Abhängigkeit zu den
Dimensionen der Wand, optimale Anbringhöhe und natürlich die optimale
Entfernung des Geräts zu Couch oder Sofa in Abhängigkeit von der Auflösung
in Megapixel – das lässt sich berechnen.
Wer einen Fernseher kaufen will, möge also bitte vorher ein Fernstudium in
SmartTVologie ablegen. Sonst kann es passieren, dass man sich beim
Bingewatching der Lieblingsserie ärgern muss, weil die Inschrift auf dem
entscheidenden Schlüssel nicht erkennbar ist, da der Abstand zwischen Sofa
und Fernseher zu groß ist für dessen Auflösung, aber das Sitzmöbel bei
kleinerem Abstand quasi mitten im Raum stehen würde, was auch nicht geht,
weil sonst der Esstisch und die Stehlampe … Na ja, die normalen
Wohlstandssorgen eben.
Was die Formel leider nicht abbildet: Was in den 1.269 Minuten passiert, in
denen der und die Durchschnittsdeutsche am Tag nicht fernsieht. Gut, ein
Teil der Zeit geht fürs Arbeiten drauf, ein weiterer fürs Schlafen, aber
vielleicht bleibt noch ein Rest, in dem ausgeschalteter Fernseher und
Mensch sich im selben Raum aufhalten. Und letzterer sieht dann dort: ein
schwarzes Loch.
Die erste Lösung für dieses Problem war eine klassische: Feuer machen. Wie
plausibel ein Lagerfeuer in 1,40 Meter Höhe ist – egal, es geht schließlich
ums Ambiente. An einem warmen Sommertag kann Anblick und Sound des
Lagerfeuers aber schon mal für Irritationen sorgen.
## Fernseher als Bilderrahmen
Die Industrie hat also gemacht, was sie am besten kann: aus einem
Luxusproblem ein Geschäftsmodell. Fernsehgeräte, die gleichzeitig als
unauffällig-neutraler Bilderrahmen funktionieren. Dazu buchbar das
Kunst-Abo, Zugang zu einer fast unerschöpflichen Auswahl an Fotos und
Gemälden. Heute Kandinsky, übermorgen van Gogh, dazwischen eine
Burri-Fotografie, warum nicht? Ja, natürlich erreicht etwas wie 4K Ultra HD
nicht annähernd so eine Aura wie Öl auf Leinwand, ein paar hundert Jahre
alt. Aber dafür darf man ganz nah rangehen, ohne dass ein Alarm startet und
streng aussehende Menschen in Uniform auf einen zurennen.
Fernseher als Bilderrahmen also, wenn auch ziemlich teurer: check. Aber was
ist mit Fernseher als Fernseher? Hochgerüstet und überdimensioniert. Das
sagt niemand Geringeres als Forscher:innen der Universität Cambridge.
Sie kommen in einer [2][Studie] zu dem Ergebnis, dass eine marktübliche 4K-
oder 8K-Auflösung bei den üblichen Abständen zum Sitzmöbel außerhalb der
Wahrnehmungsfähigkeit fast aller Menschen liegt. Das Bild wird durch mehr
Pixel dann nicht mehr schärfer. Einen Unterschied macht es trotzdem: Der
Bildschirm verbraucht mehr Strom und benötigt mehr Rechenleistung und ist
in der Regel teurer. Doch ohne ständig neue höhere Auflösungen würde die
Industrie eines ihrer wichtigsten Verkaufsargumente für neue Geräte
verlieren. Aus diesem Wissen ließe sich glatt eine neue Glücksformel
basteln.
30 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Fernseher/!t5020244
(DIR) [2] https://www.cl.cam.ac.uk/research/rainbow/projects/display_calc/
## AUTOREN
(DIR) Svenja Bergt
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