# taz.de -- Wahl zum UN-Sicherheitsrat: Tiefschlag für Merz
       
       > Deutschlands Niederlage bei den Vereinten Nationen zeigt: Die
       > Bundesregierung muss daran arbeiten, die eigene Glaubwürdigkeit wieder
       > herzustellen.
       
 (IMG) Bild: Grund zum Jubel: die österreichische Delegation in der Generalversammlung bei den Vereinten Nationen (UN)
       
       Deutschland hat alles gegeben – von Gummibärchen über Picknickdecken bis
       zur diplomatischen Druckbetankung durch Außenminister [1][Johann Wadephul].
       Es hat nicht gereicht. Bei der Abstimmung über einen nichtständigen Sitz im
       Sicherheitsrat entschied sich die Welt gleich im ersten Wahlgang für
       Österreich statt für Deutschland. Die Nummer 3 der Weltrangliste der
       mächtigen Volkswirtschaften muss sich der Nummer 29 geschlagen geben.
       
       Puh, dass muss sich für Kanzler Friedrich Merz, der selbstbewusst eine neue
       deutsche Führungsrolle in der Welt und einiges mehr ankündigte, wie ein
       Foul im Strafraum anfühlen. Selber schuld, kann man sagen. Gerade arabische
       und afrikanische Staaten kritisierten im Vorfeld nicht zu Unrecht
       Deutschlands doppelte Standards mit Blick auf Nahost und die
       Menschenrechtsverbrechen der israelischen Armee im Gazastreifen. Und
       Floskeln wie, die Situation sei eben komplex, als die USA Anfang des Jahres
       Venezuelas [2][Präsidenten Nicolás Maduro] entführten.
       
       Doch Häme oder gar Achselzucken sind unangebracht. Die UN stecken in der
       Krise. Zu oft blockieren ständige Mitglieder, allen voran die USA und
       Russland, den Sicherheitsrat, weil sie ihre Eigeninteressen bedroht sehen.
       Ohnehin halten beide Länder aktuell das Völkerrecht für verzichtbar und den
       Multilateralismus für woken Mist. Gerade jetzt ist es wichtig, dass die auf
       zwei Jahre gewählten nichtständigen Mitglieder ein Gegengewicht bilden und
       den Gründungsgedanken der UN hochhalten: das Selbstbestimmungsrecht der
       Völker, friedliche Konfliktlösungen, internationale Zusammenarbeit.
       
       ## Aus einem Rückschlag kann man lernen
       
       Deutschland ist mit dem Anspruch angetreten, den Werten der UN und dem
       Multilateralismus wieder mehr Geltung zu verschaffen, hat mit dem Motto
       Respekt, Gerechtigkeit und Frieden für sich geworben. Klar kann sich ein
       wirtschaftlich starkes Land wie Deutschland, einer der größten
       Beitragszahler, hier eher Gehör verschaffen als ein kleines Land mit
       weniger Ressourcen.
       
       Die Niederlage ist ein Rückschlag, heißt aber nicht, dass Deutschlands Ruf
       in der Welt nun allein an der DFB-Elf hängt. Der Sicherheitsrat ist die
       wichtigste, aber nur eine von mehreren Institutionen der UN, und
       Deutschland ist in vielen sehr aktiv. Um sein Gewicht und den
       internationalen Einfluss zu stärken, könnte Deutschland etwa stärker die
       Lücken kompensieren, die mit dem Rückzug der USA entstanden sind, etwa aus
       der Entwicklungszusammenarbeit.
       
       Und natürlich kann Deutschland sich in zwei Jahren erneut bewerben. Dann
       wäre es aber wichtig, die eigene Glaubwürdigkeit im Vorfeld zu stärken.
       Wegducken gilt nicht mehr!
       
       3 Jun 2026
       
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