# taz.de -- Friedensforscher über UN-Sicherheitsrat: „Deutschland könnte einen Unterschied machen“
       
       > Deutschland bewirbt sich um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Der
       > Friedensforscher Holger Niemann erklärt, warum solche Kandidaturen
       > wichtig sind.
       
 (IMG) Bild: New York, 1. April: Deutschlands Außenminister Johann Wadephul (CDU) spricht auf einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates
       
       taz: Herr Niemann, würde Deutschlands Mitgliedschaft im
       [1][UN-Sicherheitsrat] die Welt sicherer und friedlicher machen?
       
       Holger Niemann: Der Sicherheitsrat ist das wichtigste Gremium für Frieden
       und Sicherheit. Aber auch seit Jahren in der Krise. Der Rat wird immer
       wieder durch ständige Mitglieder wie Russland und die USA blockiert. In
       dieser Situation sind starke gewählte Mitglieder wichtig, um ein
       Gegengewicht zu bilden. Deutschland könnte da einen Unterschied machen.
       
       taz: Welchen denn? 
       
       Niemann: Natürlich sind die Möglichkeiten der gewählten Mitglieder
       begrenzt. Das Vetorecht etwa, von dem die ständigen Mitglieder immer dann
       Gebrauch machen, wenn es um ihre Kerninteressen geht, lässt sich nicht
       einfach abschaffen. Aber ein wichtiges Instrument der gewählten Mitglieder
       ist es, Themen auf die Agenda zu setzen, zu denen sich alle verhalten
       müssen. Bei seiner letzten Mitgliedschaft vor sieben Jahren wollte
       Deutschland eine Resolution einbringen, um den Klimawandel als
       Sicherheitsrisiko anzuerkennen. Das hat leider nicht geklappt, aber es war
       wichtig, die ständigen Mitglieder bei diesem Thema in die Pflicht zu
       nehmen.
       
       taz: [2][Der Klimaschutz hat für die jetzige Bundesregierung auch gerade
       nicht oberste Priorität]. Welche Chancen sehen Sie, das Thema noch einmal
       ganz oben auf die Agenda zu setzen? 
       
       Niemann: Auch diesmal nennt Deutschland bei seiner Bewerbung den
       Klimaschutz als zentrales Thema. Aber es stimmt, die nationale und
       internationale Dynamik ist heute eine andere. Insofern gehe ich hier eher
       nicht von großen programmatischen Entwicklungen aus. Ein weiteres Thema,
       mit dem Deutschland wirbt, ist die Stärkung von Frauen und jungen Menschen
       und die Hoffnung ist schon, dass es diese Themen pusht.
       
       taz: [3][Deutschland rüstet gerade massiv auf]. Österreich, das sich
       ebenfalls um einen nicht ständigen Sitz bewirbt, gibt sich neutral. Wäre
       ein kleines, vermittelndes Land nicht die bessere Wahl? 
       
       Niemann: Deutschland ist ein starkes und aktives Mitglied der UNO und eine
       Mitgliedschaft im Sicherheitsrat hat ihren Wert. Andererseits besteht die
       Mehrheit der UNO aus kleinen Staaten mit wenig Einfluss und Ressourcen und
       es ist legitim, dass diese sich ebenfalls eine Vertretung in New York
       wünschen. Aber die eigentliche Frage ist nicht, ob Deutschland oder
       Österreich das bessere Mitglied im Sicherheitsrat wäre, sondern wieso es im
       Vorfeld keine vernünftige Absprache gab.
       
       taz: Damit es nicht zur Kampfkandidatur kommt? 
       
       Niemann: Kampfkandidaturen sind in der UNO durchaus üblich, aber in der
       Regel versucht man sie zu vermeiden. Es ist schon eine diplomatische
       Ansage, auf einer Kandidatur zu bestehen.
       
       taz: Österreich könnte ja auch zurückziehen? 
       
       Genau. Aber es wirbt wie gesagt mit dem Argument, dass auch die kleineren,
       neutralen Staaten repräsentiert sein sollten. Und es führt die stark
       steigenden Rüstungsausgaben in Deutschland ins Feld.
       
       taz: Und wenn dieser Ansatz erfolgreicher ist? 
       
       Niemann: Wenn Deutschland nicht gewählt wird, dann wäre das durchaus eine
       außenpolitische Schlappe.
       
       taz: Wäre das nur ein Gesichts- oder auch ein Gewichtsverlust? 
       
       Niemann: Deutschland möchte den Multilateralismus und die UNO stärken und
       tritt dafür sehr selbstbewusst ein. Eine Mitgliedschaft im Sicherheitsrat
       bietet dafür Einfluss und Sichtbarkeit, insofern wäre es durchaus ein
       Gesichts- und Gewichtsverlust für die deutsche Außenpolitik. Andererseits
       ist ja immer nur ein kleiner Teil der UN-Mitglieder Teil des
       Sicherheitsrates, es gibt Staaten, die erst einmal oder nie einen Sitz
       hatten und trotzdem eine wichtige Rolle in der UNO spielen wie die Schweiz
       oder Liechtenstein. Außerdem besteht das UN-System aus zahlreichen
       Institutionen und in vielen nimmt Deutschland auch so eine wichtige Rolle
       ein. Nicht zuletzt gibt es ja auch noch die Generalversammlung, die als
       eine Art Gegengewicht zum Rat fungiert. Man kann also durchaus auch anders
       in der UNO Einfluss nehmen. Und natürlich könnte sich Deutschland in einer
       der nächsten Runden erneut bewerben.
       
       3 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /UN-Sicherheitsrat/!t5010579
 (DIR) [2] /Klimaschutz-in-Deutschland/!6179721
 (DIR) [3] /Verteidigungshaushalt/!6132766
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anna Lehmann
       
       ## TAGS
       
 (DIR) UN-Sicherheitsrat
 (DIR) Bundesrepublik Deutschland
 (DIR) Österreich
 (DIR) Russland
 (DIR) Klimaschutz
 (DIR) Vereinte Nationen
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) UN-Sicherheitsrat
 (DIR) Vereinte Nationen
 (DIR) Vereinte Nationen
 (DIR) Vereinte Nationen
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Kein Sitz im UN-Sicherheitsrat: Deutschland gibt sich nach verlorener Wahl beleidigt
       
       Beim Rennen um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat geht Deutschland leer aus.
       Der Außenminister ist zerknirscht, andere Teile der Union drehen frei.
       
 (DIR) Wahl zum UN-Sicherheitsrat: Tiefschlag für Merz
       
       Deutschlands Niederlage bei den Vereinten Nationen zeigt: Die
       Bundesregierung muss daran arbeiten, die eigene Glaubwürdigkeit wieder
       herzustellen.
       
 (DIR) Wahl um Sitz im UN-Sicherheitsrat: Kein Platz für Deutschland
       
       Zum ersten Mal überhaupt scheitert Deutschland mit einer Bewerbung um einen
       der nichtständigen Sitze im UN-Sicherheitsrat. Ein Rückschlag für Kanzler
       Merz.
       
 (DIR) Berlin will in den UN-Sicherheitsrat: Bewerbung vor der Welt
       
       Deutschland will unbedingt einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat
       haben. Doch die Konkurrenz ist stark und ein Erfolg keineswegs ausgemacht.
       
 (DIR) Jüdische Siedler zu Einmarsch in Libanon: „Das Land wurde uns verheißen“
       
       Während Israels Armee in Libanon vorrückt, träumen radikale jüdische
       Siedler davon, sich dort niederzulassen. Aus der Politik spüren sie
       Rückenwind.
       
 (DIR) Lichtblicke bei der Klimapolitik: Erneuerbare machen Worst Case unrealistisch
       
       Die UNO beschließt eine bahnbrechende Resolution. Gleichzeitig halten
       Experten das Szenario bei den Emissionen für nicht mehr plausibel.