# taz.de -- +++Nachrichten im Ukraine-Krieg+++: Ukraine und Moldau hoffen auf EU-Beitritt
       
       > Ungarns Regierungschef Magyar einigt sich mit Kyjiw über
       > Minderheitenrechte. Der Weg für EU-Beitrittsgespräche ist somit frei.
       > Derweil geht der Krieg weiter.
       
 (IMG) Bild: Wird die Ukraine und Moldawien bald unter der großen blauen Flagge der EU laufen?
       
       ## EU bereitet Beitrittsgespräche mit Ukraine und Moldau vor
       
       Die Ukraine und Moldau können nach einer zweijährigen Hängepartie auf den
       offiziellen Beginn der Verhandlungen über einen EU-Beitritt hoffen. Wie die
       derzeitige zyprische EU-Ratspräsidentschaft am Abend mitteilte, wurden die
       Vorbereitungen für die formelle Eröffnung des ersten Verhandlungsabschnitts
       eingeleitet. Im Idealfall sollen die Gespräche bereits am 15. Juni am Rande
       eines EU-Ministertreffens in Luxemburg gestartet werden.
       
       Die [1][EU-Beitrittsverhandlungen] mit der Ukraine und Moldau waren
       eigentlich bereits im Juni 2024 eröffnet worden. Die Eröffnung des ersten
       Verhandlungsabschnitts mit der Ukraine wurde dann allerdings von Ungarn mit
       einem Veto blockiert. Erst nach der Abwahl des langjährigen ungarischen
       Regierungschefs Viktor Orbán im April kam wieder Bewegung in den Prozess.
       
       Der neue ungarische Ministerpräsident Péter Magyar meldete am Mittwochabend
       eine Einigung mit der Ukraine auf ein Abkommen zur Stärkung der
       Minderheitenrechte der ethnischen Ungarn im östlichen Nachbarland. Magyar
       hatte eine solche Einigung zur Bedingung dafür gemacht, den
       EU-Beitrittsgesprächen mit der Ukraine zuzustimmen.
       
       Im ersten Verhandlungsabschnitt, der offiziell erstes Cluster genannt wird,
       müssen die Länder unter anderem zeigen, dass ihr Justizsystem und die
       öffentliche Verwaltung den EU-Standards entsprechen. Der Prozess der
       Beitrittsverhandlungen ist thematisch in insgesamt sechs Abschnitte
       eingeteilt, die aus jeweils mehreren Kapiteln bestehen.
       
       Die Verhandlungen ziehen sich in der Regel über Jahre hin, und es ist auch
       nicht ausgemacht, dass sie erfolgreich abgeschlossen werden können. Die
       EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei wurden beispielsweise bereits 2005
       gestartet – sie liegen allerdings heute nach fortdauernden Rückschritten
       des Landes in den Bereichen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte
       vollständig auf Eis. (dpa)
       
       ## Ungarn einigt sich mit Ukraine in Minderheitenfrage
       
       Ungarn und die Ukraine haben sich nach Angaben der Regierung in Budapest
       auf ein Abkommen zu den Rechten der ungarischen Minderheit in der Ukraine
       geeinigt. Der Schritt ist für Kyjiw auch wichtig für die Bemühungen um
       einen EU-Beitritt. Ungarns Ministerpräsident Péter Magyar, der erst seit 9.
       Mai Regierungschef ist, hatte die Regelung der Minderheitenrechte im
       östlichen Nachbarstaat zur Bedingung dafür gemacht, dass sein Land dem
       Beginn von EU-Beitrittsgesprächen mit der von Russland angegriffenen
       Ukraine zustimmt.
       
       Magyar erklärte auf der Plattform X, nach dreiwöchigen Verhandlungen mit
       der Ukraine habe sein Team erreicht, was sein Vorgänger Viktor Orbán in
       einem Jahrzehnt nicht geschafft habe. Das umfassende Abkommen verbessere
       die Bildungschancen sowie sprachliche, kulturelle und politische Rechte der
       mehr als 100.000 Mitglieder der ungarischen Minderheit in der
       westukrainischen Region Transkarpatien, schrieb er. Die Ukraine habe sich
       verpflichtet, die Änderungen in naher Zukunft rechtlich umzusetzen. Diese
       Zusage werde auch im ukrainischen Aktionsplan für den Weg zu einem
       EU-Beitritt festgehalten.
       
       Magyars Vorgänger Orbán galt als eher russlandfreundlich und blockierte
       immer wieder EU-Vorhaben zugunsten der Ukraine; die Beziehungen Ungarns zum
       Nachbarland erreichten einen Tiefpunkt. (dpa)
       
       ## Magyar offen für Treffen mit Selenskyj
       
       Magyar wiederum zeigte sich erst Anfang der Woche bei seinem Antrittsbesuch
       bei Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in Berlin zuversichtlich, dass sich
       der Streit mit der Ukraine um Minderheitenrechte rasch beilegen lassen
       sollte. Er sei bereit, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj
       schon bald zu treffen. „Wir sind bereit, ein neues Kapitel in den
       ungarisch-ukrainischen Beziehungen aufzuschlagen“, sagte er weiter.
       
       Magyar erklärte nun auf X, Ungarn sei weiter gegen einen beschleunigten
       EU-Beitritt der Ukraine. Falls es Kyjiw in den nächsten 10 bis 15 Jahren
       gelingen sollte, alle Beitrittskapitel mit der EU abzuschließen, werde
       Ungarn den Beitritt unterstützen – abhängig von einem rechtlich
       verbindlichen Referendum. (dpa)
       
       ## Dobrindt für Ende der Sonderregel bei ukrainischen Männern
       
       Bundesinnenminister Alexander Dobrindt ‌hat Zustimmung für ‌ein Ende des
       automatischen Schutzstatus für ukrainische Flüchtlinge im wehrfähigen Alter
       signalisiert. „Wir diskutieren die Frage folgendermaßen, dass wir die
       Massenzustromrichtlinie verlängern wollen, dass wir aber Zweifel haben,
       dass Ukrainer im wehrpflichtigen Alter darunter zu sehen sind“, sagte der
       CSU-Politiker am Donnerstag zum Auftakt eines Treffens der EU-Innenminister
       in Luxemburg.
       
       Männer zwischen 23 und 60 Jahren könnten stattdessen ein reguläres
       Asylverfahren durchlaufen. Dafür zeichnet sich bei ‌der EU eine Mehrheit
       ab. Auf Basis der sogenannten Massenzustromrichtlinie erhalten derzeit
       Flüchtlinge aus der Ukraine vorübergehenden Schutz, ohne ein Asylverfahren
       durchlaufen zu müssen. Eine Entscheidung der EU-Innenminister wird am
       Donnerstag aber noch nicht erwartet.
       
       Die EU-Innenminister beraten über diese Schutzregelung, die am 4. März 2027
       ausläuft. Ein Vorschlag sieht eine Verlängerung vor, schließt davon jedoch
       ukrainische Männer im Alter von 23 bis 60 Jahren aus. Diese Änderung würde
       nur für Männer gelten, die neu in die EU einreisen. Schweden etwa verwies
       darauf, dass die Ukraine mehr wehrfähige Männer im Abwehrkampf gegen
       ‌Russland brauche.
       
       Auch Dobrindt nannte als einen Grund für die Debatte den gestiegenen Zuzug
       von Männern in dieser Altersgruppe: „Wir haben festgestellt, dass genau in
       den vergangenen Monaten auch der Zuzug von Personen im wehrpflichtigen
       ⁠Alter gestiegen ist. Damit muss man umgehen.“ Er betonte, das normale
       Asylverfahren gelte natürlich für alle weiter. Anders als die
       Massenzustromrichtlinie sei hier aber eine individuelle Prüfung vorgesehen.
       
       In der Ukraine unterliegen Männer zwischen 18 und 60 ‌Jahren der
       Wehrpflicht. Ein ‌Ausreiseverbot gilt für Männer im Alter von 23 bis 60
       Jahren, ⁠wobei [2][es Ausnahmen etwa für alleinerziehende Väter gibt].
       Männer zwischen 18 und 22 Jahren dürfen seit August 2025 wieder ausreisen.
       Für den Kriegsdienst ‌werden in der Ukraine aktuell Wehrpflichtige ab 25
       ‌Jahren eingezogen.
       
       Derzeit halten sich rund 1 Million Ukrainer in Deutschland auf, die seit
       Beginn des russischen Angriffskrieges am 24. Februar 2022 eingereist sind.
       (rtr)
       
       ## Vier Tote bei ukrainischen Angriffen auf die Krim
       
       Bei ukrainischen Angriffen auf die von Russland annektierte Halbinsel Krim
       sind nach Angaben der örtlichen Behörden vier Menschen getötet worden. Drei
       Menschen seien bei Angriffen auf nicht bewohnte Gebäude in Simferopol
       getötet worden, teilte Behördenleiter Sergei Aksjonow am Donnerstag im
       Onlinedienst Telegram mit. Sieben weitere Menschen seien verletzt worden.
       Ein weiterer Mensch sei durch einen ukrainischen Drohnenangriff auf einen
       Zug getötet worden.
       
       Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau fing die russische
       Armee in der Nacht 272 ukrainische Drohnen ab und zerstörte sie. Am
       Mittwoch hatte die Ukraine laut Behörden [3][kurz vor dem Start des
       internationalen Sankt Petersburger Wirtschaftsforums (SPIEF) Energie- und
       Militäranlagen in der zweitgrößten russischen Stadt angegriffen]. Dabei
       wurde laut Gouverneur Alexander Beglow niemand getötet. Über der Stadt war
       dunkler Rauch zu sehen.
       
       Bei der mehrtägigen Veranstaltung wurde am Donnerstag Präsident Wladimir
       Putin erwartet. Unter anderem wollte er sich mit führenden Vertretern
       internationaler Nachrichtenagenturen treffen. Am Freitag will Putin bei dem
       Wirtschaftsforum eine Rede halten. UN-Generalsekretär António Guterres soll
       am selben Tag an einer Veranstaltung zu Umweltfragen teilnehmen.
       
       Bei dem bis Samstag andauernden Wirtschaftsforum werden insgesamt rund
       20.000 Besucher aus 130 Ländern erwartet. Das St. Petersburg International
       Economic Forum wird seit 1997 jährlich von der russischen Regierung
       veranstaltet. Nach eigener Darstellung ist es eine Plattform für den
       „Dialog zwischen Geschäftskreisen aus Russland, aufstrebenden Märkten und
       der ganzen Welt“. (afp)
       
       ## Tote und Verletzte bei russischem Angriff auf Gebiet Donezk
       
       Bei russischen Angriffen auf Städte im ukrainisch kontrollierten Teil des
       Gebietes Donezk wurden fünf Menschen getötet und elf weitere verletzt. Wie
       die Ukrainska Pravda meldete, wurden die Städte Dobropillia, Druzhkiwka,
       Kramatorsk, Mykolaiwka und Slowjansk sowie zwei kleinere Orte beschossen.
       Dabei wurden 42 zivile Gebäude beschädigt, darunter auch 16 Wohnhäuser.
       (taz)
       
       ## Russlands Ölproduktion wegen „ungeplanter Wartung“ gesunken
       
       Die russische Ölproduktion ist nach Angaben der Regierung in Moskau seit
       Jahresbeginn gesunken. Dies sei auf ungeplante Wartungsarbeiten in
       Ölraffinerien zurückzuführen, sagt der für Energiefragen zuständige
       stellvertretende Ministerpräsident Alexander Nowak auf dem Wirtschaftsforum
       in Sankt Petersburg.
       
       „Die derzeitige Produktion ist in der Tat etwas niedriger als ‌zu Beginn
       des Jahres.“ Die Exportinfrastruktur werde maximal ausgenutzt. Sobald die
       Raffinerien wieder voll betriebsbereit seien, werde die Produktion wieder
       steigen und das frühere Niveau erreichen. Die Ukraine hat in den
       vergangenen Monaten verstärkt russische Raffinerien angegriffen. (rtr)
       
       4 Jun 2026
       
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