# taz.de -- +++Nachrichten im Ukrainekrieg+++: Selenskyj bietet Putin Treffen an
> Ukrainischer Präsident fordert Wladimir Putin zu direkten
> Friedensverhandlungen auf. Der gibt sich beim Wirtschaftsforum in St.
> Petersburg weiter siegesgewiss.
(IMG) Bild: Könnten sich bald zu Gesprächen treffen: der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Russlands Präsident Wladimir Putin
## Putin gibt sich siegesgewiss – Selenskyj bietet Treffen an
Vor dem Hintergrund stockender US-Vermittlungsbemühungen hat der
ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dem russischen Staatschef
Wladimir Putin in einem offenen Brief direkte Friedensgespräche angeboten.
Er schlage ein Treffen in einem Drittstaat vor, um „Schlüsselfragen“
persönlich mit dem Kremlchef zu klären, hieß es in dem vom Präsidentenbüro
in Kiew veröffentlichten Schreiben. Als Antwort erneuerte der Kreml nur
sein – von Selenskyj schon mehrfach abgelehntes – Angebot für Verhandlungen
in Moskau und die Forderung nach einer vollständigen Kontrolle der
ukrainischen Donbass-Region als Voraussetzung für einen Frieden.
Beim [1][Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg] gab sich Putin
siegesgewiss. Probleme habe vor allem die ukrainische Gegenseite, sagte er
in einer Pressekonferenz für ausländische Nachrichtenagenturen.
Von seiner heutigen Rede vor großem Publikum erwarten viele Russen jedoch,
dass Putin Lösungen aufzeigt für die aufgestauten Probleme im eigenen Land.
Bei der Veranstaltung beantwortet er traditionell Fragen, die sich auch um
den Ukrainekrieg drehen dürften. Im fünften Kriegsjahr [2][sieht sich
Russland mit einem Wachstumseinbruch] und andauernden westlichen Sanktionen
konfrontiert. Dennoch will der Kreml auf dem Forum ökonomische Kraft
demonstrieren. (dpa)
## Selenskyj pocht auf direkte Verhandlungen mit Putin
Klar ist, dass Putin für Friedensgespräche – wenn überhaupt – genauso wenig
nach Kyjiw reisen wird wie Selenskyj nach Moskau. Deshalb nannte der
Ukrainer als Alternativen die Schweiz, die Türkei oder einen der arabischen
Staaten.
US-Präsident Donald Trump sagte vor Journalisten im Weißen Haus auf den
Brief angesprochen, dass er es gut fände, wenn es zu einem Treffen zwischen
Putin und Selenskyj käme.
Als ersten Schritt schlug der ukrainische Staatschef eine Waffenruhe
entlang der jetzigen Frontlinie vor, die von den Vereinigten Staaten
überwacht werden soll. Dem könne ein Gefangenenaustausch „aller gegen alle“
und eine Rückkehr von Zivilisten und [3][„während des Krieges
verschleppten“ Kindern] folgen. An den Gesprächen sollten nach Ansicht
Selenskyjs zudem Vertreter Europas und der USA auch als mögliche Garanten
beteiligt werden.
Inhaltlich ging die russische Seite nicht auf den Brief ein. Putin hatte
kurz vor der Veröffentlichung des Schreibens gesagt: „Wir sind zweifellos
dazu bereit, mit der Ukraine eine Vereinbarung zu treffen.“ Basis dafür
seien jedoch [4][die Abmachungen von Anchorage], betonte der Kremlchef. In
der Stadt in Alaska hatte ihn US-Präsident Trump im vergangenen Sommer
getroffen. Konkrete Ergebnisse oder Abmachungen wurden danach allerdings
nicht bekannt. (dpa)
## Russland beharrt auf voller Kontrolle über Donbass
Putin sagte, seine Forderung nach einer vollständigen russischen Kontrolle
der Gebiete Donezk und Luhansk widerspreche als Friedensbedingung nicht der
postulierten Dialogbereitschaft. Seiner Darstellung zufolge greift die
russische Armee auf ganzer Front an, während der Ukraine Soldaten fehlten.
Auf dem Schlachtfeld habe Russlands Militär die Oberhand und verbuche
ständig Gebietsgewinne, meinte er weiter.
Die dafür von ihm angegebene Zahl von 2.440 hinzugewonnen Quadratkilometern
liegt indes deutlich über Kyjiws Angaben. Nach Berechnungen regierungsnaher
ukrainischer Militärbeobachter hat die russische Armee mit abnehmendem
Tempo seit Jahresbeginn knapp 700 Quadratkilometer erobert. (dpa)
## Wadephul an Putin: Über Ukraine mit Europäern verhandeln
Außenminister Johann Wadephul ruft den russischen Präsidenten Wladimir
Putin mit eindringlichen Worten zu Verhandlungen über eine Friedenslösung
in der Ukraine auf – unter Beteiligung der Europäer. „Es ist jetzt an der
Zeit, an den Verhandlungstisch zu kommen“, appellierte der CDU-Politiker
beim Treffen mit seinem Kollegen Roberto Velasco Álvarez in Mexiko-Stadt an
Putin. „Ich glaube, alle sehen, dass der Konflikt in einer Phase ist, die
dringend danach schreit, beendet zu werden.“
Vor dem Hintergrund stockender US-Vermittlungsbemühungen hatte sich der
ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zuvor in einem offenen Brief an
Putin gewandt und direkte Friedensgespräche angeboten.
Wadephul pochte auf die Einbeziehung Deutschlands und der EU in eine
Verhandlungslösung. Es gehe um den europäischen Kontinent, mögliche
Sicherheitsgarantien für die Ukraine und den Beitrittsprozess zur EU –
diese Dinge könnten nur mit und durch die Europäer besprochen und
verhandelt werden. „Deswegen werden die Europäer an diesen Verhandlungen zu
beteiligen sein.“ Er fügte hinzu: „In welchem Format und wann das genau
geschieht, das können wir jederzeit entscheiden.“ (dpa)
## Tote und Verletzte bei russischem Gleitbombenangriff auf Saporischschja
Bei einem russischen Angriff auf die südostukrainische Region
Saporischschja kommt nach Angaben des Gouverneurs eine Frau ums Leben. Elf
weitere Menschen werden bei dem Angriff mit Gleitbomben verletzt, teilt
Gouverneur Iwan Fedorow auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Am
Abend herrscht dort immer wieder Luftalarm. (rtr)
## US-Repräsentantenhaus trotzt Trump und stimmt für Ukraine-Hilfen
Das [5][US-Repräsentantenhaus ]hat am Donnerstag (Ortszeit) für neue
Hilfen für die Ukraine und Sanktionen gegen Russland gestimmt. Der
sogenannte „Ukraine Support Act“ passierte die Kammer mit 226 zu 195
Stimmen. Dabei schlossen sich 18 Republikaner und ein Unabhängiger den
Demokraten an. Dies gilt als Zeichen dafür, dass einige Parteikollegen von
US-Präsident Donald Trump bereit sind, sich gegen ihn und die Führung der
Republikaner zu stellen. Der Gesetzentwurf sieht unter anderem Hilfen in
Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar sowie direkte Kredite von bis zu
acht Milliarden Dollar für die Regierung in Kyjiw vor. Zudem sollen strenge
Sanktionen und Exportkontrollen gegen russische Finanzinstitute, den Öl-
und Bergbausektor sowie Regierungsvertreter verhängt werden.
Die ukrainische Botschafterin in den USA, Olha Stefanischyna, bezeichnete
die Entscheidung auf der Plattform X als wichtigen Schritt nach vorn, der
die anhaltende überparteiliche Unterstützung für ihr Land zeige. Die
Zukunft des Gesetzes ist jedoch ungewiss. Es muss noch den Senat
passieren, wo die republikanische Führung Abstimmungen über
Russland-Sanktionen bislang mit Verweis auf Trumps Vorgaben blockiert hat.
Sollte die Kammer dennoch zustimmen, würde Trump voraussichtlich sein
Veto einlegen. Seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 hat sich die
US-Unterstützung für die Ukraine deutlich verlangsamt. Trump behält sich
zudem Entscheidungen über Sanktionen selbst vor und überlässt diese nicht
dem Kongress. (rtr)
5 Jun 2026
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