# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Selenskyj reist zu Gesprächen über Kriegsende nach London
       
       > Die Verhandlungen über ein Ende des Ukrainekrieges liegen auf Eis, das
       > Kampfgeschehen verschärft sich. Jetzt starten die Europäer eine neue
       > diplomatische Initiative.
       
 (IMG) Bild: Wollen sich am Sonntagabend in London treffen: Merz, Starmer, Selenskyj und Macron, hier bei einem Treffen im Dezember 2025
       
       ## Merz, Starmer und Macron treffen Selenskyj zu Ukraine-Gesprächen
       
       Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron
       und der britische Regierungschef Keir Starmer kommen am Sonntagabend in
       London mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zusammen. Bei
       dem Treffen soll es nach Angaben aus Paris um die weitere Unterstützung der
       Ukraine und den verstärkten Druck auf Russland gehen. Zudem solle es eine
       [1][Bestandsaufnahme der Arbeiten der sogenannten Koalition der Willigen
       geben]. Zu dieser Gruppe zählen etwa 35 überwiegend europäische Länder,
       darunter Deutschland.
       
       Moskau und Kyjiw hatten in den vergangenen Monaten ihre gegenseitigen
       Angriffe verstärkt. Bemühungen um eine Beendigung des mittlerweile seit
       mehr als vier Jahren andauernden Kriegs unter Vermittlung der USA stocken.
       [2][Kreml-Chef Wladimir Putin hatte am Freitag ein von Selenskyj
       vorgeschlagenes Gipfeltreffen abgelehnt]. Der ukrainische Präsident warf
       Putin daraufhin vor, er wolle den Krieg „einfach nicht beenden“. (afp)
       
       ## Ukrainekrieg: Europäer drängen an den Verhandlungstisch
       
       [3][Der neue Vorstoß des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für
       Gespräche mit Russland] über ein Ende des Ukrainekrieges ist zunächst ins
       Leere gelaufen. Der russische Staatschef Wladimir Putin hat ihn am Freitag
       abgeblockt. Trotzdem setzt man im Berliner Kanzleramt und anderen
       europäischen Regierungszentralen darauf, dass sich Putin langfristig
       Verhandlungen nicht entziehen kann. Und eins ist für die Europäer klar:
       Wenn es dazu kommt, wollen sie mit am Tisch sitzen.
       
       Wie ist der derzeitige Stand der diplomatischen Bemühungen? 
       
       Die USA bemühen sich seit Anfang vergangenen Jahres um Vermittlung zwischen
       Russland und der Ukraine. US-Präsident Donald Trump hat sich dazu im
       vergangenen August mit Putin in Alaska getroffen, es wurde ein Friedensplan
       ausgearbeitet und es gab intensive Pendeldiplomatie. Inzwischen sind die
       Bemühungen aber weitgehend zum Erliegen gekommen und die Amerikaner
       scheinen das Interesse daran zu verlieren. US-Außenminister Marco Rubio
       sagte vor zwei Wochen, aus US-Sicht könnten gerne auch andere versuchen,
       den Krieg in der Ukraine zu beenden.
       
       Wie waren die Europäer bisher beteiligt? 
       
       Deutschland, Frankreich und Großbritannien waren als sogenannte E3 schon im
       vergangenen Jahr involviert und nahmen die Rolle der europäischen
       Unterhändler ein. Zuletzt waren sie aber nur noch Zuschauer. Angesichts des
       schwindenden Engagements der US-Amerikaner sehen sie nun eine Chance,
       zurück ins Spiel zu kommen. „Langsam öffnet sich ein Fenster für Gespräche
       der europäischen Seite mit Russland“, heißt es aus deutschen
       Regierungskreisen.
       
       Wie sehen Merz und Co ihre Rolle? 
       
       Anders als die USA sehen die Europäer sich nicht als Vermittler, sondern
       als Verbündete der Ukraine. Sie unterstützen das Land massiv mit
       Waffenlieferungen und belegen Russland gleichzeitig mit Sanktionen, um
       Druck auf Moskau aufzubauen, den Krieg zu beenden. Wenn sie in die
       Verhandlungen einsteigen, werden sie an der Seite der Ukraine stehen und
       nicht als Moderator auftreten.
       
       Wie sieht Putin eine Beteiligung Europas? 
       
       Er steht ihr grundsätzlich offen gegenüber, hat aber seine eigenen
       Vorstellungen. So brachte er den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder
       als europäischen Unterhändler ins Spiel und traf sich mit ihm diese Woche
       im Moskauer Kreml. Schröder war nach seiner Kanzlerschaft als Lobbyist bei
       russischen Energieunternehmen eingestiegen. Er hat sich zwar vom russischen
       Angriff auf die Ukraine distanziert, seine freundschaftliche Verbindung zu
       Putin aber weiter aufrecht gehalten.
       
       Kommt Schröder für die Europäer als Unterhändler infrage? 
       
       [4][Auf deutscher Seite wird der Vorstoß Putins als Provokation gesehen und
       nicht ernst genommen]. Auch andere Vorschläge wie Ex-Kanzlerin Angela
       Merkel oder der frühere EZB-Chef Mario Draghi dürften für die
       Bundesregierung nicht infrage kommen. Sie ist der Auffassung, dass
       Regierungen den Prozess steuern sollten. „Es spricht einiges dafür, dass
       die E3 dabei weiter eine wichtige Rolle spielen werden“, heißt es aus
       deutschen Regierungskreisen.
       
       Wie sehen die Europäer die Rolle der Amerikaner? 
       
       Sie sollen aus Sicht der Bundesregierung auf jeden Fall im Boot bleiben.
       Man wolle „Koordinierung statt Konkurrenz“ mit den Amerikanern, heißt es.
       Und mit den anderen Europäern strebe man eine „größtmögliche Abstimmung“
       an.
       
       Worüber wird in London geredet? 
       
       Bevor es darum geht, wer die Unterhändler sind, soll die inhaltliche Linie
       für mögliche Verhandlungen geklärt werden. Aus deutscher Sicht braucht es
       für den weiteren Prozess einen „klaren politischen Kompass“ und ein „klares
       Zielbild“. Darum wird es in London wohl in erster Linie gehen.
       
       Wie ist die zeitliche Perspektive für Verhandlungen? 
       
       Das ist die große Frage. Derzeit nehmen die Kampfhandlungen zwischen
       Russland und der Ukraine zu. Aber gerade die heftigen Kämpfe mit großen
       Verlusten auf beiden Seiten könnten die Bereitschaft zu Verhandlungen
       erhöhen. Auf deutscher Seite erwartet man aber, dass dies „nicht Wochen,
       sondern Monate dauern“ werde. (dpa)
       
       ## Mindestens zwei Tote bei russischen Angriffen auf die Ukraine
       
       Bei erneuten russischen Angriffen auf die Ukraine sind in der Nacht zum
       Sonntag mindestens zwei Menschen getötet worden. Ein 59-jähriger Mann sei
       bei russischen Drohnen- und Raketenangriffen auf die zentralukrainische
       Region Dnipropetrowsk getötet worden, erklärte der örtliche Gouverneur
       Oleksandr Hanscha am Sonntag im Onlinedienst Telegram. Nach Angaben des
       staatlichen Rettungsdiensts wurde zudem ein 56-jähriger Minibusfahrer bei
       einem Drohnenangriff in der südlichen Region Saporischschja getötet.
       
       Bei den Angriffen auf Dnipropetrowsk sei außerdem ein 35-jähriger Mann
       verletzt und Infrastruktur beschädigt worden, erklärte Hanscha weiter.
       
       Moskau und Kyjiw hatten in den vergangenen Monaten die gegenseitigen
       Angriffe verstärkt. Bemühungen um eine Beendigung des mehr als vier Jahren
       andauernden Kriegs unter Vermittlung der USA stocken. (afp)
       
       ## Kyjiw greift Russland mit Drohnen an
       
       Am letzten Tag des internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg
       haben die ukrainischen Streitkräfte die Millionenstadt erneut unter
       Beschuss genommen. Gouverneur Alexander Beglow und auch der Zivilschutz
       informierten die Menschen über einen „großangelegten Angriff durch
       militärische Drohnen“. Die Flugabwehr sei aktiv. [5][Schon am ersten Tag
       des Wirtschaftsforums am Mittwoch bildeten sich nach dem Angriff auf eine
       Ölraffinerie schwarze Rauchwolken am blauen Himmel über der Stadt]. Das
       Wirtschaftsforum lief aber wie gewohnt mit Tausenden Teilnehmern. (dpa)
       
       ## Ukraine: Stromleitung an AKW wiederhergestellt
       
       Eine wichtige Stromleitung am Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine
       funktioniert wieder. Nach 15 Stunden Stromausfall sei die externe
       Versorgung von Europas größtem Kernkraftwerk wiederhergestellt worden,
       teilte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) auf der Plattform X
       mit. Zuvor musste die Anlage laut IAEA zur Kühlung ihrer sechs
       abgeschalteten Reaktoren auf Notstromdieselgeneratoren zurückgreifen.
       
       Es habe sich bereits um den 18. Ausfall der externen Stromversorgung
       während des russischen Angriffskriegs in der Ukraine gehandelt, es sei
       einer der längsten Ausfälle gewesen. Der jüngste Vorfall unterstreiche die
       extreme Anfälligkeit des Stromnetzes und die Dringlichkeit der
       Angelegenheit, teilte IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi mit.
       
       Die Ukraine und Russland hatten sich zuvor erneut auf eine begrenzte
       Waffenruhe geeinigt, um die Reparaturen zu ermöglichen. Die IAEA hatte
       zwischen den Kriegsparteien vermittelt.
       
       AKW immer wieder von Kriegshandlungen betroffen 
       
       Nach Angaben der IAEA sollte die Stromleitung wiederhergestellt werden, um
       das Risiko eines Atomunfalls zu verringern. Das ukrainische AKW, das von
       Russland besetzt ist, benötigt Elektrizität zur Kühlung von radioaktivem
       Material. Die Anlage war vorübergehend nur mehr an eine einzige Leitung
       angeschlossen. Durch die Reparatur ist demnach eine zweite dazukommen. Vor
       Beginn des russischen Angriffskriegs gab es zehn Leitungen.
       
       Das AKW ist immer wieder von Kriegshandlungen betroffen, zuletzt von einem
       Drohnenangriff. Moskau und Kyjiw geben sich gegenseitig die Schuld für die
       Zwischenfälle. (dpa)
       
       7 Jun 2026
       
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