# taz.de -- Ameisen-Schmuggel: Das große Krabbeln
       
       > Ameisen aus Afrika sind stark nachgefragt. Die ökologischen und
       > ökonomischen Folgen des Online-Handels mit den Tieren sind bereits
       > spürbar – auch in Deutschland.
       
 (IMG) Bild: Schaffe, schaffe, Ameisenhäusle baue: Besonders in Baden-Württemberg breitet sich die Große Drüsenameise aus
       
       Grace Nakato spaziert mit ihren achtjährigen Zwillingen durch den
       Botanischen Garten am Ufer des [1][Victoriasees] in Uganda. Am
       Sonntagnachmittag herrscht hier reges Treiben: Familien picknicken, Kinder
       spielen, Affen klettern in den Bäumen.
       
       Es gibt viel zu entdecken. „Mami, was ist das denn?“, fragt eines der
       Mädchen und hält einen morschen Klumpen hoch, der unweit eines Baumes im
       Gras lag. „Das ist ein Stück von einem Ameisenhaufen“, erklärt die
       36-jährige Mutter und zeigt auf einen Baum: Rund um den Stamm türmt sich
       ein gewaltiger Ameisenhügel, größer als Nakato selbst. „Die Ameisen suchen
       sich einen Baum aus, der bald abstirbt, sie können das riechen oder
       spüren“, erläutert Nakato und nähert sich dem gewaltigen löchrigen Haufen:
       „Sie bauen sich darin ihr Nest und leben hier unter der Erde. Ist das nicht
       erstaunlich?“
       
       Die Zwillinge nicken und blicken vorsichtig in die Löcher: Fast zwei
       Zentimeter große Ameisen krabbeln heraus. Sie haben schwarze Körper, rote
       Köpfe und einige rote Flecken am Rücken. Sie sind so groß, dass man selbst
       ihre behaarten Beine und die Kieferwerkzeuge gut erkennt. Zu Hunderten
       durchstreifen sie das Gras auf Nahrungssuche. Nakato dreht sich, zeigt
       ihren Mädchen weitere Ameisenhügel, etwa hundert Meter entfernt. „Manche
       unterirdische Nester sind größer als ein Fußballfeld, darin leben Millionen
       von Ameisen.“
       
       Die Mädchen staunen. In Afrika lernen schon Kleinkinder, die meist draußen
       spielen, zu unterscheiden, welche Ameisen sie meiden müssen, weil sie
       beißen oder bei Berührung brennen, und welche harmlos sind. Denn Ameisen
       sind allgegenwärtig: im Gras, unter Steinen, im Fundament von Gebäuden, in
       Küchen und Kinderzimmern – man wird sie kaum los.
       
       ## Wichtiger als Elefanten
       
       „Ameisen sind hier bei uns in Afrika ein ganz wichtiger Bestandteil des
       Ökosystems“, erklärt Dino Martins. Der kenianische Entomologe und
       ehemaliger Direktor des Turkana-Basin-Instituts in Kenia ist einer der
       führenden Ameisenforscher des Kontinents. „Ich habe schon Ameisen studiert,
       bevor ich richtig laufen konnte“, lacht er im Onlineinterview mit der taz
       in die Kamera.
       
       Im Hintergrund wuchert ein Garten in Nairobi. Martins macht derzeit ein
       Sabbatjahr, erzählt er. Doch auch in seiner Freizeit dreht sich alles um
       die kleinen Tiere. Gerade ist er von einer Safari durch die Nationalparks
       zurückgekehrt – nicht, um Elefanten und Giraffen zu sehen, sondern um
       Ameisen zu erforschen. „Aus ökologischer Sicht sind Ameisen wahrscheinlich
       sogar noch wichtiger als Elefanten, da sie als Ingenieure des Ökosystems
       und als Schlüsselarten fungieren“, so Martins.
       
       Viele Ameisenköniginnen leben bis zu 40 oder gar 50 Jahre und bilden
       Kolonien aus, die ebenso alt werden. „Indem sie den Untergrund aushöhlen,
       bilden sie eine Art Abflusssystem für Regenwasser“, so Martins: „Sie
       sammeln Samen und verteilen diese wieder, dadurch tragen sie maßgeblich zur
       Vielfalt der Pflanzen bei.“
       
       Ameisen aus Afrika sind weltweit begehrt. In den letzten Jahren haben
       Behörden am Flughafen Nairobi mehrfach Schmuggler festgenommen, die
       Tausende Ameisenköniginnen im Handgepäck außer Landes bringen wollten.
       „Ameisengang“ nannte sich eine Bande von vier jungen Männern, die 2025 bei
       der Gepäckkontrolle aufflog.
       
       Unter ihnen waren auch zwei 19-jährige Belgier, die knapp 5.500 Königinnen
       der Gattung Messor Cephalotes, auch Afrikanische Riesenernteameisen
       genannt, in kleinen Kapseln verpackt in ihren Rucksäcken nach Europa
       schmuggeln wollten. Sie gilt als größte Ameisenart der Welt. Der Marktwert
       der Lieferung: über eine Million Euro.
       
       Im März dieses Jahres stoppten die Behörden einen Chinesen, der mehr als
       2.000 Riesenernteameisen in die Heimat bringen wollte. 2023 wurden drei
       Kenianer festgenommen, die afrikanische Ameisen nach Frankreich ausführen
       wollten. Doch die Ausfuhr von Wildtieren ist in Kenia verboten. Die
       Schmuggler erhielten Geld- und Haftstrafen.
       
       „Ich war sehr schockiert“, berichtet Martins von dem Moment, als er im
       Frühjahr in den Nachrichten von den erneuten Verhaftungen hörte. „Denn die
       Fälle häufen sich nun“, so der Insektenforscher. Er wurde mehrfach von den
       Zollbehörden gebeten, die beschlagnahmten Ameisen zu identifizieren: „Die
       Anzahl der geraubten Tiere, insbesondere der Königinnen, ist verheerend“,
       seufzt er und erklärt: Bei den in Kapseln verpackten Ameisen handelte es
       sich um junge Königinnen, die noch Flügel haben und ausfliegen, um neue
       Nester zu gründen: „Wenn man die Königinnen in diesem kritischen Moment
       sammelt, unterbricht man den Zyklus der Entstehung neuer Kolonien.“
       
       In Europa, Asien, den USA und Australien hält vor allem unter jungen Leuten
       ein Trend Einzug: Sie halten Ameisen als Haustiere im Wohnzimmer und
       beobachten ihr Verhalten – in gläsernen Terrarien, in denen die Königin
       nistet und Tausende Nachkommen zeugt, so Michael Meier, ein Ameisenhalter
       aus Süddeutschland, der nicht mit seinem richtigen Namen genannt werden
       will.
       
       „Bei mir hat es mit der Ameisenhaltung während des Studiums angefangen“,
       erzählt der etwa 40-Jährige im Onlineinterview mit der taz. Er wuchs mit
       Haustieren auf, hatte aber im Studium keine Zeit für Hund oder Katze.
       „Irgendwann bin ich zufällig auf einen Artikel gestoßen, dass man auch
       Ameisen zu Hause halten kann“, lacht Meier und nennt den Vorteil: „Bei
       Ameisen ist das Ganze so: ob ich heute oder morgen füttere – ist egal.“ Sie
       bekommen meist Zuckerwasser oder Honig, das kostet pro Kolonie rund 20 Euro
       im Jahr, erklärt er.
       
       Im Internet findet Meier alles für sein Hobby: Terrarien, Pflanzen, sogar
       die Ameisen selbst. Viele Onlineshops bieten mit wenigen Klicks exotische
       Arten aus Afrika, Asien oder Lateinamerika an. „African Ants“ heißt die
       Kategorie, mit der viele Shops Ameisenhalter in Europa locken. Auch
       Afrikanische Riesenernteameisen, wie sie am Flughafen in Kenia
       beschlagnahmt wurden, stehen im Angebot.
       
       Eine solche Königin kostet online oft über 200 Euro. Auch Meier kaufte sich
       während des Studiums eine Art aus Kenia, hielt damals 29 Kolonien in einem
       eigens eingerichteten Zimmer, das auch als Büro diente. Als er mit seiner
       Freundin zusammenzog, reduzierte er das Hobby: Jetzt hält er nur noch vier
       Kolonien.
       
       Die Onlinehändler sind scheu. Die taz schrieb mehr als zehn Händler in
       Deutschland und Europa an. Einige zeigten Interesse an einem Interview,
       wollten aber die Fragen vorher wissen. Selbst Händler, die auf ihrer
       Website „ethischen“ Handel und „Importgenehmigungen“ betonen, winken bei
       der Frage zu Herkunft und dem Handel ab oder antworten nicht mehr.
       
       Denn der Handel bewegt sich im rechtlichen Graubereich. Ameisenhalter Meier
       hat sich informiert und erklärt: „Über 90 Prozent der Ameisen, die man
       online bestellen kann, sind Wildfänge, da man Ameisen an sich nicht züchten
       kann“, stellt er klar. Viele Arten pflanzen sich nur beim Schwarmflug fort.
       Dafür müssen Jungköniginnen und Männchen von ihren Kolonien abfliegen und
       sich in der Luft oder am Boden paaren, erklärt Meier: „Solche Schwarmflüge
       kann man nicht zu Hause nachbilden.“
       
       Ameisen gelten laut Washingtoner Artenschutzabkommen, überwacht von Cites,
       nicht als gefährdet. Ihr Handel ist damit nicht ausdrücklich verboten, aber
       auch nicht reguliert. Länder wie Kenia verbieten zwar die Ausfuhr aller
       Wildtiere, doch im Gepäck geschmuggelt, bleiben die kleinen Tiere von den
       Zollbehörden oft unentdeckt.
       
       Kommen Pakete per Post in Europa beim Zoll an, dann ist das eine Frage der
       Deklarierung. In Onlineforen geben sich Halter und Shopbetreiber Tipps. Da
       Ameisen international nicht unter Artenschutz stehen und auch nicht im
       deutschen Zollbuch oder der EU-Verordnung über invasive Arten gelistet
       sind, gibt es viele Schlupflöcher.
       
       ## Handel nimmt zu
       
       Wenn der Inhalt der Pakete als „lebende Tiere“ deklariert wird, dann müssen
       die Ameisenköniginnen beim Zoll lediglich von einem Veterinär begutachtet
       werden, was mehr als 100 Euro kostet. Aber meist gehen die Pakete einfach
       durch. DHL erlaubt sogar ausdrücklich den Transport wirbelloser Tiere wie
       Bienen oder Spinnen. So lässt sich erklären, dass online vor allem mit
       exotischen Arten aus dem Ausland geworben wird.
       
       Die kenianische Riesenernteameise ist besonders beliebt, erklärt Meier,
       denn sie zählt zu den größten weltweit und hält – anders als heimische
       Arten – keine Winterruhe. „Man hat also das ganze Jahr etwas davon.“ Meier
       gibt zu: Unter Ameisenfans „wecken besonders diese exotischen Gattungen
       Begehrlichkeiten“.
       
       Der Onlinehandel mit Wildtieren aller Art, nicht nur mit Ameisen, habe in
       den vergangenen Jahren enorm zugenommen, so der Datenforscher Russel Grey,
       zugeschaltet aus Florida im Onlineinterview mit der taz. Inzwischen werden
       im Internet mehr Kleintiere wie Chamäleons oder Frösche gehandelt als
       Schimpansen oder Paviane.
       
       Mit einem weltweiten Team hat er im vergangenen Jahr für die Global
       Initiative Against Transnational Organised Crime, einen Thinktank, der
       grenzübergreifend zu organisierter Kriminalität recherchiert, dieses
       Problem untersucht. „Die wichtigste Erkenntnis ist, dass der Onlinehandel
       mit Wildtieren kein Randproblem mehr ist, das sich auf obskuren Webseiten
       oder im Darknet versteckt“, so Grey: „Heute sehen wir, dass er auf gängigen
       Plattformen wie Facebook stattfindet.“ Greys Team erfasste weltweit in über
       einem Jahr mehr als 21.000 Datensätze auf über 60 Plattformen. Darunter
       waren bis zu 266.000 Werbeanzeigen für lebende Tiere mit Preisangaben.
       
       Vor allem für Insekten und Kleintiere, die sich im Handgepäck oder per Post
       verschicken lassen, ist der Onlinehandel lukrativ, stellt Grey fest. Der
       Gesamtwert aller untersuchten Wildtier-Anzeigen lag bei rund 66 Millionen
       US-Dollar. Doch Greys Team untersuchte nur Anzeigen für bestimmte,
       geschützte Arten auf der Cites-Liste. Ameisen waren nicht dabei. Grey
       schlussfolgert: „Würden wir diese Daten auf den gesamten
       Online-Wildtierhandel hochrechnen, der online völlig unreguliert
       stattfindet, wären es Milliarden!“
       
       Doch die Transaktionen dieser Händler online nachzuvollziehen, sei fast
       unmöglich, erklärt der Forscher, der seine Datensätze nun
       Ermittlungsbehörden weltweit übergeben hat, um die Händler ausfindig zu
       machen. Doch dies ist nicht so einfach, sagt er: Die Händler nutzen weder
       den Marketplace auf Facebook noch die offiziellen Zahlungsfunktionen der
       Plattform. Sie würden lediglich die verschlüsselte Verbindung zwischen
       Werbung und Chat-App verwenden. „Anstatt auf Bankensysteme oder leicht
       nachvollziehbare Überweisungen zu nutzen, greifen sie bei der Bezahlung auf
       Drittanbieter zurück.“
       
       ## Ameisenfans treffen sich auf Gaming-Plattform
       
       Auf die Rolle des Internets in der Ameisen-Community angesprochen, nickt
       Ameisenhalter Meier: „Da es ein Nischenhobby ist, organisieren wir
       Ameisen-Fans uns vor allem online“, erklärt er. Früher tauschte sich die
       Community, bestehend aus relativ jungen Leuten, auf Facebook aus, heute auf
       Gaming-Plattformen wie Discord.
       
       „Ameisen an die Macht“ – so heißt ein Discord-Kanal, auf dem sich deutsche
       Ameisenfans Tipps geben. Welche Pflanzen mögen Blattschneiderameisen?
       Welche Temperaturen und Luftfeuchtigkeit brauchen afrikanische Arten? Was
       tun bei Milbenbefall? – auf all diese Fragen gibt es dort Antworten. „Das
       Schöne ist“, so Meier: „In unseren Foren sind auch Biologen und Professoren
       – daraus sind schon ganze wissenschaftliche Karrieren hervorgegangen.“
       
       Der Biologe Chris Shepard vom Center for Biological Diversity in den USA
       zeigt sich über diesen Trend alarmiert. Der Kanadier ist einer der wenigen
       Biologen, die den Ameisenhandel weltweit erforschen. „Im Moment sieht es
       eher nach einer Modeerscheinung unter bestimmten jungen Leuten aus“,
       erklärt er im taz-Interview. Doch die Gewinnmargen seien hoch, sagt
       Shepard: „Generell verdienen die Menschen in den Ländern, aus denen die
       Wildtiere stammen, nur sehr wenig“, stellte er bei seiner Recherche in
       Asien und Afrika fest. Die Schmuggler, auch wenn sie selbst als Kuriere
       tätig werden, erhalten nur geringe Summen.
       
       „Am meisten verdienen die Onlinehändler, die die Tiere an die
       Endverbraucher verkaufen“, so Shepard. Die Fälle in Kenia zeigen: Im
       Vergleich zu anderen Formen der Kriminalität, wie Drogenhandel, ist der
       Gewinn hoch, „aber das Risiko deutlich geringer“. In Kenia kamen die beiden
       19-jährigen Belgier mit einer Geldstrafe von nur 5.000 Dollar davon.
       
       Doch genau hier liegt das Problem, so Shepard. „Denn sobald jemand anfängt,
       diesen Tieren hohe Preise beizumessen, wird die organisierte Kriminalität
       definitiv diesen Handel übernehmen“, warnt er. Dieses Phänomen beobachtete
       er bereits beim [2][Reptilienhandel]: „Was früher nur ein harmloses Hobby
       war, hat sich jetzt zu einem großen kriminellen Unternehmen entwickelt.“
       
       Für Artenschützer wie Shepard ist es deswegen dringend notwendig, diesen
       Handel zu regulieren. Er hat jüngst offene Briefe an Cites geschrieben, der
       Organisation zuständig für die Überwachung des Internationalen
       Artenschutzabkommens. Darin mahnt er an: „Viele der in diesen Handel
       involvierten Ameisenarten weisen ein hohes invasives Potenzial auf.“ Er
       warnt vor den Folgen: „Sobald sie außerhalb ihrer natürlichen
       Verbreitungsgebiete eingeführt sind, können invasive Ameisen tiefgreifende
       negative Auswirkungen auf den Naturschutz haben sowie ökologische Störungen
       und wirtschaftliche Schäden verursachen.“
       
       Diese Folgen sorgen in Süddeutschland bereits für Schlagzeilen. Im Frühjahr
       2024 verursachten Große Drüsenameisen aus Nordafrika im
       [3][baden-württembergischen Kehl] Strom- und Internetausfälle, nachdem sie
       sich in einem Verteilerkasten eingenistet und Kurzschlüsse ausgelöst
       hatten.
       
       In Landau in Rheinland-Pfalz ist die Plage mittlerweile so enorm, dass im
       vergangenen Frühjahr eine Beratungsstelle im Rathaus eingerichtet wurde.
       Die Große Drüsenameise breitet sich unter Pflastersteinen, auf Friedhöfen
       und Spielplätzen aus. Ihre Superkolonien erstrecken sich unterirdisch über
       Flächen größer als ein Fußballfeld und richten enorme Schäden an: Sie
       unterhöhlen Fundamente, fressen sich in Mauern und Dachgebälk. Doch die
       Schädlingsbekämpfung steckt noch in den Kinderschuhen und ist teuer.
       
       Um das Problem anzugehen, trafen sich im Sommer Vertreter von über 30
       Kommunen in Österreich, der Schweiz und Süddeutschland zu einer
       Ameisenkonferenz in Kehl. In diesem Frühjahr melden nun auch norddeutsche
       Kommunen erste Plagen durch Große Drüsenameisen. Wegen des Klimawandels und
       damit einhergehender höherer Temperaturen und weniger Frost fühlt sich
       diese Art nun auch in Mitteleuropa wohl.
       
       ## „Ein wahrer Albtraum“
       
       Biologe Shepard hat weltweit Fälle untersucht, in denen invasive Ameisen
       heimische Tiere verdrängten. Er nennt die Feuerameise, die auf die
       Weihnachtsinsel zwischen Australien und Indonesien eingeschleppt wurde.
       „Sie haben die dortigen Krabbenpopulationen ausgerottet und sind ein wahrer
       Albtraum“, so Shepard: „Sie wieder loszuwerden, ist schier unmöglich.“
       
       Er schränkt ein: Die meisten exotischen Ameisen gelangen zwar nicht über
       den Onlinehandel nach Europa, sondern durch Pflanzenimporte oder
       Warencontainer – doch der Handel bleibt ein Risiko, denn niemand weiß, wann
       ein Halter das Hobby aufgibt und die invasiven Tiere einfach im Garten
       aussetzt.
       
       Ameisenhalter Meier weiß um das Risiko und gibt zu: „In der Community wird
       dies diskutiert.“ Dort herrsche aber die Meinung vor, dass die meisten
       exotischen Kolonien in Europa eingehen, weil sie den Winter nicht
       überstehen oder von heimischen Arten bekämpft werden. Er selbst rät stets
       dazu, die Kolonien an andere Ameisenhalter abzugeben oder sie in der
       Gefriertruhe einem langsamen und sanften Tod auszusetzen.
       
       Biologe Shepard hingegen fordert, dass weltweit zügig Maßnahmen getroffen
       werden, um den Handel zu regulieren oder gar zu verbieten. Um dies zu
       erwirken, nimmt er nun Cites in die Pflicht, denn dort seien keine
       Ameisenarten gelistet. Auf taz-Anfrage reagiert Cites zurückhaltend und
       erklärt, die Mitgliedsstaaten müssten gemeinsam entscheiden, ob Ameisen auf
       die Liste der zu schützenden Arten kommen.
       
       Shepard sieht darin ein Problem: „Es ist schon schwierig genug, Regierungen
       für den Handel mit Tigern oder Primaten zu sensibilisieren“, lenkt der
       Artenschützer ein: „Es wird demnach noch viel schwieriger sein, Regierungen
       dazu zu bewegen, Ameisen zu einer Priorität zu machen.“
       
       Jetzt hofft er, dass Behörden in Europa angesichts der teuren Schäden an
       der Infrastruktur das Problem erkennen – „und dann globale Maßnahmen
       fordern“. Shepard mahnt: „Denn wenn die Biester sich einmal eingenistet
       haben, wird man sie nicht mehr los.“
       
       9 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Victoriasee/!t5399488
 (DIR) [2] /Wildtierhandel-im-Netz/!5027832
 (DIR) [3] https://www.kehl.de/ameisenplage
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schlindwein
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schmuggel
 (DIR) Wildtiere
 (DIR) Ameisen
 (DIR) Ökosysteme
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Lesestück Recherche und Reportage
 (DIR) GNS
 (DIR) Kolumne übrigens
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) invasive Arten
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Ameisenplage: Die kleinen Tiere, ihre Angriffslust und ich
       
       Ameisen sind klein, aber oho. Sie denken, sie seien stärker als der Mensch.
       Aber da haben sie sich geschnitten. Schließlich ist der Mensch viel größer.
       
 (DIR) Folgen der Erderhitzung: Tropische Krankheiten sind in der EU angekommen
       
       Gegen das von Tigermücken übertragene West-Nil-Virus gibt es keine Impfung.
       In diesem Jahr starben schon 19 Menschen in der EU nach Infektionen.
       
 (DIR) Neue invasive Art: Ameisen im Anmarsch
       
       Die eingeschleppte Art Tapinoma magnum wird an immer mehr Orten
       Deutschlands entdeckt und sorgt für Probleme – etwa bei der
       Stromversorgung.