# taz.de -- Artenschutz in Kenia: Mysteriöses Elefantensterben
       
       > In Kenia häufen sich Fälle von verendeten Elefanten. In ihren Mägen wurde
       > Zyanid nachgewiesen – noch unklar ist, wie es dort hingekommen ist.
       
 (IMG) Bild: Dieser Elefant kommt im Amboseli-Nationalpark im August der Dorfgemeinschaft sehr nahe. Die Herden können ganze Ernten zerstören
       
       Eine Elefantenkuh liegt zitternd in der Savanne, windet sich. Ihre
       Hinterbeine sind gelähmt, sie kann sich nicht mehr aufrichten. Dann stirbt
       sie qualvoll. Das Video, aufgezeichnet von Kenias Wildtierschutzbehörde
       (KWS), [1][ging in den letzten Wochen in Ostafrika viral].
       
       Mittlerweile ist die Zahl der verstorbenen Elefanten in und um den
       berühmten Amboseli Nationalpark im Süden Kenias nahe der tansanischen
       Grenze auf 16 gestiegen. Die Ursachen sind bislang noch nicht geklärt, doch
       es zeichnen sich Hinweise einer Vergiftung ab.
       
       Die für Nationalparks und deren Wildtierbestände zuständige Behörde KWS hat
       Ermittlungen aufgenommen. „Wir haben Tests durchgeführt“, so Isaac
       Lekolool, Veterinär bei KWS. „Sie haben Spuren von Zyanid nachgewiesen.“
       Doch es müssen noch weitere Tests durchgeführt werden, um festzustellen,
       welche Menge des Gifts aufgenommen wurden, um die die tonnenschweren
       Dickhäuter in nur wenigen Tagen daran sterben zu lassen.
       
       Erste Untersuchungen des Mageninhalts lassen darauf schließen, dass die
       Elefanten Tomaten und Wassermelonen zu sich genommen haben, bevor sie
       starben. Rund um den 400 Quadratkilometer großen Amboseli Nationalpark am
       Fuße des berühmten Kilimanjaro Berges bauen Bauern und Bäuerinnen Tomaten
       und Wassermelonen an – beides wasserintensive Pflanzen, die mit Pestiziden
       behandelt werden.
       
       ## Elefantenbestand erholt
       
       Im Amboseli Park leben rund 1.600 Elefanten. Insgesamt hat sich die
       Population in Kenia in den vergangenen Jahrzehnten enorm erholt. Laut der
       letzten Zählung von 2025 sind es rund 42.000 landesweit. Zum Vergleich: Im
       Jahr 1990 waren es nur rund 16.000. Kenias Regierung ist [2][in der
       Vergangenheit rigoros gegen die Wilderei vorgegangen]. Doch mittlerweile
       ist die Zahl der Elefanten so stark gestiegen, dass ganze Herden aus den
       Parks, die nur selten eingezäunt sind, ausbrechen und sich auf den Äckern
       der Bauern bedienen.
       
       Die erste tote Elefantenkuh wurde im Juli inmitten der Tomatensträucher
       einer Farm in Kimana entdeckt. Der Ort liegt im Migrationskorridor, wenn
       die Elefanten vom Amboseli Park in den Kilimanjaro Nationalpark in Tansania
       wandern. KWS konfiszierte die Behälter, mit welchen die Farmer in Kimana
       ihre Pflanzen besprühen. „Die Pestizide in den Eimern enthielten kein
       Zyanid. Dann könnte es für etwas ganz anderes verwendet worden sein, nicht
       unbedingt für den Tomatenanbau“, so der KWS- Veterinär: „Wir müssen also
       noch herausfinden, woher dieses Gift genau stammt.“
       
       Zyanid wird meist beim Goldabbau eingesetzt, die Verwendung in
       Pflanzenschutzmitteln ist eher unüblich und unterliegt in Kenia per Gesetz
       strengen Regeln. KWS erwähnt die Option, dass das Zyanid womöglich aus
       Tansania eingeführt worden sein könnte, da die Grenze nahe liegt. Die
       Bauern in der Region geben gegenüber lokalen Medien an, dass sie kein
       Zyanid verwenden und auch ihre Schafe und Ziegen diese Tomaten fressen,
       daran aber nicht zugrunde gehen.
       
       ## Pestizidschmuggel
       
       Bei den 15 verstorbenen Elefanten handelt es sich um Mitglieder einer
       einzigen Großfamilie. 14 der toten Tiere waren Elefantenkühe und deren
       Kälber. Unter den Toten war nur ein Bulle. In Elefantenfamilien sei jedoch
       die älteste Kuh die Anführerin, so KWS-Sprecher Duncan Juma: „Sie findet
       Nahrung und zeigt den Kälbern, wo es Wasser gibt.“ Damit sei es logisch,
       dass die weiblichen Elefanten und die Kälber zuerst das Gift probierten.
       
       Artenschutzorganisationen in Kenia machen nun Kenias Regierung für die
       Tragödie verantwortlich. Paula Kahumba von der Tierschutzorganisation
       Wildlife Direct kritisiert, die Regierung würde den Einsatz und Gebrauch
       von [3][Pestiziden in der Praxis nicht streng genug kontrollieren]. Sie
       verweist auf ähnliche Ereignisse in Amboseli im Januar, als sechs Löwen und
       32 Geier auf bislang ungeklärte Art verstarben „Wir müssen die Frage
       stellen, ob Gemeinschaften, deren Nutztiere sowie Konsumenten ausreichend
       geschützt sind“, so Kahumba.
       
       Sie verlangt eine unabhängige Untersuchung und verweist auf die Tatsache,
       dass eine Woche vor dem Bekanntwerden der toten Elefanten die kenianische
       Kontrollbehörde, zuständig für die Zulassung von Pestiziden, einen Bericht
       veröffentlicht hatte, wonach in den Jahren 2024 und 2025 knapp 30.000
       Kilogramm Pestizide unregistriert ins Land eingeführt worden waren.
       Darunter können auch Zyanid-haltige Substanzen gewesen sein.
       
       18 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://nation.africa/kenya/counties/kajiado/heartbreaking-final-moments-of-elephant-among-15-poisoned-with-cyanide-in-amboseli-5542758
 (DIR) [2] /Militarisierter-Naturschutz-in-Afrika/!5669805
 (DIR) [3] /Hungerkrise-durch-Irankrieg/!6170846
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schlindwein
       
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