# taz.de -- Kulturförderung in Berlin: Die Kunst des fairen Verfahrens
> Mit einem Gutachten zum Kulturfördergesetz wollen die Grünen die Freiheit
> der Kunst stärken. Es geht um transparente Verfahren und gleiche Chancen.
(IMG) Bild: Kulturförderung als Richtungsfrage: Demo gegen Kürzungen im Februar 2025
Ein Künstler in Neukölln sitzt vor einer Tabelle und überschlägt wieder und
wieder, ob er sich die Miete seines Ateliers nach der angekündigten
Sanierung noch leisten kann. Eine Theatermacherin wartet im Dezember noch
immer auf einen Bescheid, ob es an ihrer Bühne im Januar weitergeht. Eine
Band sucht verzweifelt nach bezahlbaren Übungsräumen. Berlin lebt weiterhin
von seinem Ruf als Kulturmetropole. Doch für viele, die diese Kultur
machen, wird es in dieser Stadt immer enger.
Vor diesem Hintergrund richten sich die Blicke am Montagvormittag auf ein
Gutachten der Grünen, das im Berliner Abgeordnetenhaus vorgestellt wurde.
Im Zentrum steht die [1][Debatte um das Berliner Kulturfördergesetz], das
die Berliner Kulturkonferenz im Februar vorgeschlagen hat. Es soll
Kulturförderung auf eine verlässlichere Grundlage stellen und zugleich die
Verfahren transparenter machen, nach denen öffentliche Mittel vergeben
werden.
Dass die Diskussion gerade jetzt Fahrt aufnimmt, ist kein Zufall. Der
[2][Spitzenkandidat der Grünen Werner Graf] begründet die Initiative mit
einem zunehmenden Druck auf die Freiheit von Kunst und Kultur. Er verweist
auf das [3][Drama um die Berlinale] und die [4][Debatte um den Deutschen
Buchhandlungspreis] auf Bundesebene in diesem Jahr – und natürlich auch auf
die [5][Berliner Fördergeldaffäre]. Die hat zur Folge, dass sich drei
Monate vor der Abgeordnetenhauswahl mit [6][Stefan Evers (CDU) der dritte
Senator für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt in einer Legislatur]
einarbeitet.
Es könne, so Graf, bei dieser Initiative nicht darum gehen, die Politik zu
mehr Kulturförderung zu verpflichten. Ziel seien vielmehr eine
Vereinheitlichung der Verfahren, nachvollziehbare Entscheidungswege,
unabhängige Jurys, mehr Planungssicherheit für die freie Szene.
## Eine politische Entscheidung
Das von dem Juristen Justus Duhnkrack verfasste Gutachten setzt genau an
diesem Punkt an. Kulturfördergesetze seien keineswegs Neuland, betont
Duhnkrack. Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt verfügten bereits über
entsprechende gesetzliche Regelungen. Die zentrale Frage sei daher nicht,
ob ein solches Gesetz möglich sei, sondern wie es ausgestaltet werde.
Laut dem Gutachten bleibt Kulturförderung also eine politische
Entscheidung, die auch künftig von Haushalten abhängt. Ein Gesetz kann den
Staat deshalb nicht dazu zwingen, mehr Geld für Kultur auszugeben.
Sehr wohl könne es aber festlegen, nach welchen Regeln vorhandene Mittel
verteilt werden, sagt Duhnkrack. Er verweist dabei auf den
Gleichbehandlungsgrundsatz des Grundgesetzes. Man könne zum Beispiel
durchaus auf Honoraruntergrenzen achten. Und auf nachvollziehbare und
diskriminierungsfreie Verfahren. Das gelte längst in anderen Bereichen wie
etwa der [7][Vergabe der knappen Frequenzen für Radiosender].
## Kulturförderung als Richtungsfrage
Politisch kommt die Veröffentlichung des Gutachtens zu einem spannenden
Zeitpunkt. Denn nach Jahren voller Kürzungen, Personalwechsel und
wachsender Verunsicherung entwickelt sich Kulturförderung gerade zu einer
Art Richtungsfrage für die Zeit nach den nächsten Wahlen. Das Gutachten
formuliert den Anspruch, Kulturpolitik wieder als gestaltende Politik zu
begreifen statt als Verwaltung von Mangel.
Denn Berlin braucht seine Kultur. Sie gehört zu den wenigen Ressourcen der
Stadt, die sich wirtschaftlich und gesellschaftlich zugleich auszahlen:
Jeder investierte Euro fließt vielfach zurück, und weder Tourist*innen
noch Unternehmer*innen entscheiden sich für Berlin wegen der schönen,
langen Winter. Sie kommen wegen der kulturellen Anziehungskraft, die die
Stadt weltberühmt gemacht hat. Und vielleicht noch wichtiger: An wenigen
Orten [8][kommen die Berliner*innen so zuverlässig ins Gespräch] wie in
seinen Theatern, Clubs, Museen oder Literaturhäusern.
1 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Berliner-Kulturfoerderung/!6153274
(DIR) [2] /Landesparteitag-der-Gruenen-vor-der-Wahl/!6172101
(DIR) [3] /Wolfram-Weimer-und-die-Berlinale/!6152861
(DIR) [4] /Debatte-um-Buchhandelspreis/!6161245
(DIR) [5] /U-Ausschuss-CDU-Foerdergeldaffaere/!6182785
(DIR) [6] /Finanzsenator-wird-auch-Kultursenator/!6175078
(DIR) [7] /Die-Zukunft-der-Freien-Radios/!6092802
(DIR) [8] /Kulturpolitik-in-Berlin/!6167014
## AUTOREN
(DIR) Susanne Messmer
## TAGS
(DIR) CDU-Fördergeldaffäre
(DIR) Kulturförderung
(DIR) Kulturpolitik
(DIR) CDU-Fördergeldaffäre
(DIR) Wolfram Weimer
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) U-Ausschuss CDU-Fördergeldaffäre: Wedl-Wilson will nicht reden
Die Ex-Kultursenatorin verweigert nach einem Statement weitere Aussagen.
Der geschasste Staatssekretär Friederici betont das rechtsstaatliche
Handeln der Verwaltung.
(DIR) Ein Jahr Kulturstaatsminister Weimer: Das Unbehagen in der Kultur
Ein Jahr ist Wolfram Weimer nun Kulturstaatsminister. Er sieht sich als
„geistige Brandmauer“ gegen rechts. Die Bilanz seiner Amtszeit: verheerend.
(DIR) Berliner Kulturförderung: Kein Luxus, sondern ein Muss
Breitenkultur statt Brotkrumen. Der Entwurf für ein Kulturfördergesetz
schlägt Mindesthonorare, mehr vom Haushalt und zwei neue Kulturhäuser vor.