# taz.de -- Ministerin Dorothee Bär zur Bafög-Reform: Autos sind in diesem Land besser dran als Studierende
> Forschungsministerin Dorothee Bär erklärt die Bafög-Erhöhung für
> gescheitert. Statt das zu bedauern, beleidigt sie Studierende.
(IMG) Bild: Dorothee Bär will von der Bafög-Reform plötzlich nichts mehr wissen
Was sagt man bei einer Trauerrede? Man könnte sein Beileid ausdrücken und
freundliche Worte finden über den Verstorbenen. Was man aber unbedingt
vermeiden sollte, ist, nachzutreten.
CSU-Wissenschaftsministerin Dorothee Bär hat sich anders entschieden.
[1][Sie hat in einem Interview lapidar die geplante Bafög-Erhöhung beerdigt
– offenbar ohne Absprache mit dem Koalitionspartner SPD], der an der Reform
festhalten will. Bär dagegen scheint ein mögliches Scheitern aber nicht
einmal zu bedauern. Bafög, das sei schließlich keine
„Vollkasko-Versicherung“. Und ein Nebenjob habe noch keinem geschadet.
Eigentlich plant die Koalition, den Bafög-Anteil für die Unterkunft von 380
auf 440 Euro anzuheben. Das reicht in den meisten Städten nicht für ein
WG-Zimmer, wäre aber ein Fortschritt. Auch der allgemeine Bafög-Satz soll
schrittweise steigen. Die gesamte Reform würde 1 Milliarde in dieser
Legislatur kosten, die Erhöhung der Wohnkostenpauschale aber nur etwa 70
Millionen in diesem Jahr.
Man kann Dorothee Bär entgegnen, dass schon heute drei Viertel der
Studierenden arbeiten. Man kann darauf hinweisen, dass der Bildungserfolg
schon heute in kaum einem Land so von der Herkunft abhängt wie in
Deutschland. Man kann auf ihre Polemik aber auch mit Polemik antworten und
fragen, warum die Bundesregierung drei Milliarden Euro für die Subvention
von E-Autos hat, aber kein Geld für Studierende. Um die
„Vollkasko“-Metapher aufzugreifen: In Deutschland sind Autos besser dran
als Studierende.
Aber selbst wenn man wie Bär die Bafög-Reform für nicht finanzierbar
hielte: Warum tritt die Ministerin auch noch nach? [2][Familienministerin
Karin Prien zeigt gerade bei der Debatte ums Elterngeld, wie man auf
Sparzwänge auch reagieren kann –] mit der Frage: Wie lässt sich mit weniger
Geld mehr erreichen?
Dorothee Bär dagegen ruft den Studierenden zu: Jetzt habt euch mal nicht
so. Statt klug umzuverteilen, begründet diese Bundesregierung ihre Reformen
immer wieder mit Herablassung und Unterstellungen. Wenn sie bei dieser
Haltung bleibt, fährt sie mit Karacho gegen die Wand. Und bei Vorsatz zahlt
keine Vollkasko-Versicherung.
31 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Kersten Augustin
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