# taz.de -- US-iranische Verhandlungen: Trumps Fantasien und die iranische Wirklichkeit
       
       > Im besten Fall kann Trump eine Rückkehr zum Vorkriegsstatus erreichen.
       > Also versucht er, sein Versagen mit einem neuen Projekt zu übertünchen.
       
 (IMG) Bild: Trumps „Neuer Naher Osten“ bleibt wahrscheinlich eine Fantasie
       
       Seit Tagen erreicht die Öffentlichkeit ein Wirrwarr an widersprüchlichen
       Meldungen rund um Iran. Mehrfach kam es zu [1][US-Militärschlägen in Iran],
       laut US-Angaben auf iranische [2][Raketenstellungen und Schnellboote] sowie
       am Freitag auf iranische Drohnenabschussvorrichtungen. Die iranischen
       Revolutionsgarden antworteten nach eigenen Angaben mit einer Attacke auf
       einen US-Stützpunkt in der Region. Und all das, nachdem US-Präsident Donald
       Trump noch letztes Wochenende noch verkündet hatte, dass ein Deal mit Iran
       [3][so gut wie fertig sei].
       
       Eine merkwürdige militärische Begleitmusik, bei einem Deal mit Iran, der
       angeblich kurz vor der Vollendung gestanden haben soll. Die USA
       rechtfertigen ihre Angriffe in Iran als Selbstverteidigung – mehr als
       11.000 Kilometer von Washington entfernt. Aber eigentlich sind die
       begrenzten Schläge darauf angelegt, den Druck auf die Iraner zu erhöhen,
       einem Deal im Sinne Trumps zuzustimmen.
       
       Doch das funktioniert bisher nicht. Die Iraner sprechen von einem Deal, der
       zunächst ein Ende des Krieges, eine Öffnung der Straße von Hormus
       beinhaltet und im Gegenzug ein Ende der US-Seeblockaden gegen Iran und
       einer Freisetzung eingefrorener iranischer Gelder. Erst dann sollen
       Atomverhandlungen beginnen. Das wäre zunächst also weder ein endgültiger
       Friedensvertrag noch ein Atom- oder Raketen-Deal. Trump hätte dadurch wenig
       erreicht – außer den Vorkriegszustand wiederherzustellen. Ein Sieg sieht
       anders aus.
       
       Daher hat Trump nun die Idee geboren, dass dieser Deal den sogenannten
       „Neuen Nahen Osten“ einläuten soll. Die Golfstaaten, allen voran
       Saudi-Arabien und Katar, sollen [4][weitere sogenannte Abraham-Abkommen]
       unterzeichnen. Mit anderen Worten: ihre Beziehungen zu Israel
       normalisieren. Dann hätte Trump zwar wenig mit Iran erreicht, könnte sich
       aber erneut als friedensstiftender US-Präsident vermarkten.
       
       ## Die Palästina-Frage bleibt ungelöst
       
       Der Haken dabei: Als Trump das letzten Samstag in einer Konferenzschaltung
       mit den Golfstaaten vorgeschlagen hatte, herrschte auf der anderen Seite
       der Leitungen eisiges Schweigen. Kein weiteres arabisches Land ist derzeit
       willens, seine Beziehungen mit Israel zu normalisieren, solange die
       Palästina-Frage vollkommen ungelöst bleibt.
       
       Als die letzten arabischen Staaten, die Emirate, Marokko und Bahrain, ihre
       Abraham-Abkommen vor mehr als fünf Jahren mit Israel geschlossen hatten,
       war die Rede davon, dass im Gegenzug zumindest der israelische Siedlungsbau
       im Westjordanland eingestellt wird. Nicht einmal das ist geschehen. Im
       Gegenteil: Der Siedlungsbau wurde seitdem forciert.
       
       Trumps „Neuer Naher Osten“ bleibt wahrscheinlich genauso eine Fantasie wie
       seine verzweifelten Versuche, seinen Krieg, den er zusammen mit Netanjahu
       gegen Iran begonnen hat, in einen Sieg umzudeuten.
       
       28 May 2026
       
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