# taz.de -- +++ Nachrichten im Iran-Krieg +++: Trump vertagt „endgültige Entscheidung“
> Der US-Präsident trifft die von ihm angekündigte Entscheidung zu den
> Iran-Verhandlungen nicht. Ein diplomatischer Durchbruch lässt damit
> weiter auf sich warten.
(IMG) Bild: Mann ohne Deal: Trump, hier bei der Abfahrt vom Walter Reed National Military Medical Center in Bethesda, Maryland, am 26. Mai
## Trump ohne Entscheidung – Iran pocht auf eigene Interessen
Im Iran-Krieg und im Konflikt zwischen Israel und der proiranischen
Hisbollah-Miliz im Libanon geht das Ringen um eine Friedenslösung weiter.
Nachdem US-Präsident Donald Trump zuvor eine „endgültige Entscheidung“ zu
den Verhandlungen mit Teheran angekündigt hatte, verließ er eine
Lagebesprechung im Weißen Haus US-Medienberichten zufolge nach zwei Stunden
ohne eine Entscheidung.
Derweil führten Militärdelegationen Israels und des Libanons im Pentagon
„produktive“ Gespräche, die kommende Woche auf politischer Ebene
weitergeführt werden sollen, wie Elbridge Colby, ein ranghoher Vertreter
des US-Verteidigungsministeriums, auf X mitteilte.
Seit Tagen laufen zwischen den USA und dem Iran [1][intensive Verhandlungen
über ein Rahmenabkommen zur Verlängerung der seit dem 8. April geltenden
Waffenruhe] und weitere Verhandlungen. Berichten zufolge soll eine Einigung
kurz bevorstehen. Der Iran warf Trump jedoch vor, zentrale Vereinbarungen
des geplanten Abkommens zu verzerren oder zu ignorieren. Die den iranischen
Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Fars schrieb unter
Berufung auf informierte Kreise, der US-Präsident versuche, einen
vorgetäuschten Erfolg zu inszenieren. (dpa)
## Teheran widerspricht Trump in drei Punkten
Der iranische Außenamtssprecher Ismail Baghai sagte laut der
Nachrichtenagentur Isna, dass der Iran und die USA weiterhin Botschaften
austauschten. [2][Eine endgültige Einigung] sei aber bislang nicht erzielt
worden. Baghai erklärte demnach weiter: „Von dem Begriff „müssen“ haben wir
uns vor 47 Jahren verabschiedet. Wir richten uns nicht nach dem, was andere
von uns verlangen, sondern entscheiden auf der Grundlage unserer Interessen
und Rechte.“ Dieses „müssen“ sollte als „wir bitten Sie“ interpretiert
werden, hieß es weiter.
Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf zeigte sich trotz
positiver Anzeichen für eine Verhandlungslösung misstrauisch. „Wir
vertrauen weder Garantien noch Worten. Maßgeblich sind allein die Taten“,
schrieb er auf X. Der wahre Gewinner einer Vereinbarung sei derjenige, der
am Tag danach besser auf einen Krieg vorbereitet sei, fügte er hinzu.
Ghalibaf schrieb, der Iran erlange Zugeständnisse nicht durch Gespräche,
„sondern durch Raketen“.
Konkret widerspricht der Iran laut Fars Trumps Aussagen in drei Punkten:
- Trump habe ignoriert, dass unmittelbar nach Unterzeichnung zwölf
Milliarden Dollar aus eingefrorenen iranischen Auslandskonten freigegeben
werden müssten. Ohne diese Freigabe werde der Iran in keine weiteren
Verhandlungsphasen eintreten.
- Das Abkommen enthalte keine Bestimmung zur gebührenfreien Öffnung der
Straße von Hormus, hieß es.
- Der Iran weise die Aussage zurück, wonach das bereits angereicherte Uran
abgebaut oder vernichtet werden solle. Die Absichtserklärung enthalte keine
solche Bestimmung.
Die Punkte legen nahe, dass beide Seiten noch weit von einer Einigung
entfernt sein könnten. Die uneingeschränkte Öffnung der Straße von Hormus,
die als Exportroute für Dünger, Öl und Flüssiggas für die Weltwirtschaft
von großer Bedeutung ist, hat aus US-Sicht höchste Priorität.
Zudem weist der Iran auf die Forderung eines vollständigen
Waffenstillstands im Libanon hin – im Sinne der libanesischen
Hisbollah-Miliz. Im Zuge des Iran-Kriegs war es auch wieder zu schweren
Angriffen von Israels Armee im Libanon sowie der Hisbollah gegen den
Erzfeind Israel gekommen. (dpa)
## Hegseth: Sind zu erneuten Angriffen auf Iran bereit
Die USA sind nach den Worten von Verteidigungsminister Pete Hegseth bereit,
die Angriffe auf den Iran wieder aufzunehmen, sollte keine Einigung im
Atomstreit erzielt werden. „Wir sind mehr als fähig, wenn nötig, wieder
anzugreifen“, sagt Hegseth in Singapur. Die USA hätten genug Waffen in den
Lagern, sowohl vor Ort als auch weltweit. „Wir sind also in einer sehr
guten Position.“ (rtr)
## Vorbereitungen für verschobenes Begräbnis für Chamenei gestartet
Drei Monate nach der Tötung von Ayatollah Ali Chamenei am ersten Tag des
Krieges haben die Behörden im Iran mit den Vorbereitungen für das zunächst
verschobene Staatsbegräbnis begonnen. Es solle ein „grandioses“ Ereignis im
Beisein eines „großen Publikums“ werden, kündigte am Freitag im staatlichen
Fernsehen der Chef des für die Organisation zuständigen Islamischen
Koordinierungsrates, Mohsen Mahmoudi, an. Ein Datum für das Staatsbegräbnis
stehe aber noch nicht fest. Nach mehr als 36 Jahren an der Spitze der
Islamischen Republik war Chamenei am 28. Februar, dem ersten Tag des
Iran-Kriegs, getötet worden. Der oberste Führer des Iran starb bei
US-israelischen Angriffen.
Unmittelbar nach der Tötung von Chamenei hatte die Führung in Teheran ein
sofortiges großes Staatsbegräbnis für ihn angekündigt, dieses aber wenige
Tage später auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben. Als Grund wurde
dabei nicht auf den Krieg verwiesen, sondern auf den erwarteten großen
Andrang bei der Trauerfeier in Teheran. Die Behörden rechneten mit „der
Teilnahme von Millionen von Menschen“, sagte Mahmoudi vor drei Monate beim
Aufschub der Veranstaltung. Für eine solche Menschenmenge müsse „die
entsprechende Infrastruktur“ bereitgestellt werden. Zum neuen obersten
Führer des Iran wurde inzwischen Modschtaba Chamenei ernannt, der Sohn des
Getöteten. Im Iran-Krieg gilt derzeit eine Waffenruhe, es laufen
Verhandlungen über deren Verlängerung und ein dauerhaftes Ende der Kämpfe.
(afp)
## IAEA: Kasachstan bereit zur Übernahme von Uran aus dem Iran
Kasachstan hat sich nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde
(IAEA) bereit erklärt, die iranischen Bestände an hoch angereichertem Uran
zu übernehmen. Falls es in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran
zu einer Einigung komme, habe Kasachstan angeboten, das nahezu auf
waffenfähiges Niveau angereicherte Uran zu lagern, sagte IAEA-Chef Rafael
Grossi am Freitag der „Financial Times“. Grossi hatte sich in dieser Woche
in Kasachstan mit Präsident Kassym-Schomart Tokajew getroffen.
Der Iran verfügt über geschätzt 440 Kilogramm Uran, das auf 60 Prozent
angereichert wurde – eine Konzentration, die deutlich über der liegt, die
normalerweise in Atomkraftwerken zum Einsatz kommt. Das Uran ist eines der
strittigen Themen in den laufenden Verhandlungen der USA mit dem Iran über
eine Verlängerung der Waffenruhe und ein dauerhaftes Friedensabkommen.
US-Präsident Donald Trump hatte wiederholt gefordert, dass die iranischen
Uranbestände vernichtet werden müssten. Teheran wiederum beharrt auf seinem
Recht, Uran für zivile Zwecke anreichern zu dürfen. (afp)
## Iran: Noch „keine abschließende Vereinbarung“ mit den USA getroffen
Dem iranischen Außenministerium zufolge gibt es noch „keine abschließende
Vereinbarung“ mit den USA zur Beendigung des Krieges. „Der Austausch von
Nachrichten wird fortgesetzt, aber wir haben noch keine endgültige Einigung
erreicht“, sagte Außenamtssprecher Esmaeil Bakaei am Freitag. Hintergrund
der Äußerungen sind jüngste Angaben von US-Präsident Donald Trump über eine
mögliche Rahmenvereinbarung mit dem Iran. Trump hatte in seinem
Onlinedienst Truth Social am Freitag angekündigt, bald eine „endgültige
Entscheidung“ darüber zu treffen. In US-Kreisen hieß es, es fehle nach
wochenlangen Verhandlungen nur noch Trumps Unterschrift unter dem
Vertragswerk.
Auf Truth Social macht Trump verschiedene Angaben zum Inhalt der
Vereinbarung, die in Teheran aber der Nachrichtenagentur Fars zufolge als
„eine Mischung aus Wahrheit und Lüge“ zurückgewiesen wurden. So erklärte
Trump zum Beispiel, dass der Iran die für die weltweite Schifffahrt
wichtige Straße von Hormus „umgehend“ wieder freigeben werde, und zwar
„ohne Gebühren“. Eine solche Klausel gebe es nicht, berichtete Fars. Zudem
hatte Trump bei Truth Social gefordert, dass das im Iran angereicherte Uran
„zerstört“ werden müsse. Dazu hieß es in Teheran, dass die Atomfrage gar
nicht Gegenstand der derzeitigen Gespräche sei. Stattdessen „konzentrieren
wir uns auf die Beendigung des Krieges“, erklärte Bakaei zu dem Thema.
Mit Verweis auf iranische Quellen berichtete Fars weiter, dass Teheran in
den Verhandlungen die „unverzügliche Freigabe“ von rund zwölf Milliarden
Dollar eingefrorener iranischer Einlagen verlange. „Bis diese Zahlung nicht
geleistet wird, wird sich der Iran auch nicht auf die nächste Phase der
Verhandlungen einlassen“. Die USA und Israel hatten am 28. Februar mit
Luftangriffen den Iran-Krieg begonnen. Teheran reagierte darauf mit
Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf mehrere Golfstaaten und
US-Einrichtungen in der Region. Seit April gilt eine Feuerpause, Gespräche
über ein Ende des Krieges brachten bislang keinen Durchbruch. (afp)
## Bulgarien will den USA keine Stationierung von Tankjets mehr erlauben
Bulgarien will dem Nato-Partner USA im Zuge eines Streits um Visavorgaben
nach Ablauf einer Frist Ende Juni nicht mehr die Stationierung von
militärischen Tankflugzeugen erlauben. Ministerpräsident Rumen Radew sagte
am Freitag, er habe bislang keine „positive Antwort“ erhalten, nachdem er
mit US-Präsident Donald Trump vergangene Woche über die Einreisebedingungen
für Bulgaren gesprochen habe. Bulgarien gehört zu den wenigen EU-Ländern,
deren Bürger für eine touristische Reise in die USA ein Visum benötigen.
Die US-Armee stationierte Mitte Februar kurz vor Beginn der US-israelischen
Angriffe auf den Iran Flugzeuge des Typs KC-135 Stratotanker in Bulgarien.
Das EU-Land gewährte den USA den Schritt im Rahmen der Nato-Kooperation.
Ursprünglich sollte die Erlaubnis Ende Mai auslaufen. Radew verlängerte sie
nach eigenen Angaben bis Ende Juni, damit die Vereinigten Staaten einen
alternativen Standort finden könnten. Im April hatte Sofia erklärt, wegen
der Stationierung der US-Militärflugzeuge eine diplomatische Protestnote
des Iran erhalten zu haben. (afp)
## Medienberichte: Sechs Tote bei israelischen Angriffen im Libanon
Bei israelischen Luftangriffen im Libanon sind staatlichen Medienberichten
zufolge sechs Menschen getötet worden. Israelische Soldaten sollen
inzwischen weiter in den Libanon vorgerückt sein und am Freitagmorgen das
Dorf Dibbine nahe der Stadt Mardschajun im Süden des Landes betreten haben.
Das israelische Militär gab am Freitag mehrere Evakuierungsbefehle für die
Gegend heraus. Hunderte Familien mussten [3][dadurch in sicherere Gebiete
weiter nördlich fliehen].
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu besuchte am Freitag
die nördliche Front und sprach zu Angehörigen des Militärs. „Ich muss Ihnen
sagen, dass es hier sehr beeindruckende Resultate gibt. Unsere Truppen
haben den Litani(-Fluss) überquert“, sagte er. Israel sei in der
libanesischen Hauptstadt Beirut und im Bekaa-Tal „über die gesamte Breite
der Front“ aktiv, sagte er. Dabei versetze Israel „der Hisbollah einen
heftigen Schlag“.
In Washington waren noch am Freitag (Ortszeit) direkte Gespräche auf
Militärebene zwischen einer libanesischen und einer israelischen Delegation
geplant. Das Büro des libanesischen Präsidenten Joseph Aoun berichtete am
Freitag von einem Telefonanruf des US-Außenministers Marco Rubio. Der
Präsident habe darauf verwiesen, dass man sich um die Umsetzung der
Waffenruhe bemühen sollte, da dies „der essenzielle Ausgangspunkt für einen
Übergang zu anderen Themen“ sei, hieß es.
Der jüngste Krieg zwischen Israel und der Hisbollah soll rund 3.200
Menschen im Libanon das Leben gekostet haben. Mehr als eine Million
Menschen wurden vertrieben. Der Krieg begann, als die Hisbollah als
Reaktion auf den Beginn des Kriegs Israels und der USA gegen den Iran
Anfang März den Norden Israels mit Raketen beschoss. (ap)
30 May 2026
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