# taz.de -- Trotz Waffenruhe: US-Militär greift Minenleger-Boote in Iran an
       
       > Die USA haben trotz Waffenruhe Ziele in Iran angegriffen. Teherans
       > Verhandlungsführer ist zu Gesprächen in Katar.
       
 (IMG) Bild: USA fliegen Angriffe auf Iran
       
       dpa | Trotz Waffenruhe und laufenden Verhandlungen zur Beilegung des Kriegs
       hat das US-Militär Ziele in Iran angegriffen. Im Süden des Landes wurden
       Raketenstellungen getroffen und im Bereich der Straße von Hormus Boote
       attackiert, die Minen in der Meerenge verlegen sollten, wie das US-Militär
       mitteilte. Unterdessen brachte US-Präsident Donald Trump mit Blick auf die
       Verhandlungen eine mögliche Kompromisslösung für den Umgang mit Irans
       angereichertem Uran ins Spiel. US-Außenminister Marco Rubio sagte bei einem
       Besuch in Indien, das Festzurren der genauen Formulierungen in dem Abkommen
       mit Iran werde wohl noch ein paar Tage in Anspruch nehmen.
       
       Ein Sprecher des Regionalkommandos der US-Streitkräfte für den Nahen Osten
       (Centcom) erklärte, die jüngsten „Angriffe zur Selbstverteidigung“ dienten
       dem Schutz der Truppen vor Bedrohungen durch das iranische Militär. Die
       US-Armee übe sich im Rahmen der aktuellen Waffenruhe in Zurückhaltung,
       verteidige aber ihre eigenen Verbände.
       
       [1][Iranische Medien berichteten], es habe nach einem US-Angriff im Bereich
       der Insel Larak in der Straße von Hormus mehrere Tote gegeben. Das
       US-Militär machte zunächst keine Angaben zu möglichen Opfern und nannte
       keine weiteren Details zu den Angriffen auf iranische Ziele.
       
       ## Meerenge als Zankapfel
       
       Obwohl die Waffenruhe im Irankrieg weitestgehend hält, hat es rund um die
       Straße von Hormus schon mehrere gegenseitige Angriffe gegeben. Anfang Mai
       etwa attackierte Iran US-[2][Militärschiffe in der Meerenge] mit Raketen
       und Schnellbooten, die USA griffen Ziele auf dem iranischen Festland an.
       
       Nach dem Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran Ende
       Februar brachte Teheran die Schifffahrt in der Straße von Hormus mit
       Angriffen und Drohungen praktisch zum Erliegen. Die Iraner sollen die
       Meerenge auch vermint haben. Die Passage ist entscheidend für den Export
       von Dünger, Öl und Flüssiggas aus den Staaten des Persischen Golfs. Infolge
       der Blockade stiegen die Weltmarktpreise rasant an. Das US-Militär
       reagierte mit einer Blockade iranischer Häfen – vor allem, um Iran am
       Export von Öl zu hindern.
       
       Die US-Regierung fordert in den Verhandlungen mit Iran eine bedingungslose
       Öffnung der Meerenge für die Schifffahrt. Iran hingegen beansprucht die
       Kontrolle über die Passage für sich und will für die Durchfahrt künftig
       Gebühren erheben.
       
       ## Katar und Trump
       
       Am Wochenende hatte Trump angekündigt, dass ein Rahmenabkommen mit Iran
       „weitgehend“ ausgehandelt worden sei. Später trat er aber wieder auf die
       Bremse. Eine iranische Delegation reiste für Gespräche in die katarische
       Hauptstadt Doha. Wie die iranische Nachrichtenagentur Irib berichtete,
       wollen Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas
       Araghtschi die Führung Katars über die Verhandlungen informieren.
       
       Bis zum Inkrafttreten der Waffenruhe Anfang April hatte Iran als Vergeltung
       für die US-Angriffe auch immer wieder Ziele in Katar angegriffen.
       
       ## Rubio: Trump macht „entweder einen guten Deal oder keinen Deal“
       
       Am Montag erklärte Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai, im Gespräch sei
       ein sogenanntes Memorandum of Understanding mit 14 Punkten. Er bestätigte
       Medienberichte, dass es dabei um eine 60-tägige Rahmenvereinbarung zur
       Beendigung des Kriegs gehe. Aktuell gebe es keine Diskussionen über das
       Atomprogramm, sagte Baghai. Erst innerhalb der 60-Tages-Frist könne es
       Gespräche dazu geben. Mit dem ersten Rahmenabkommen soll dem Vernehmen nach
       auch die Öffnung der Straße von Hormus geregelt werden.
       
       US-Außenminister Rubio äußerte sich am Dienstag am Rande seines
       Indien-Besuchs zu den Gesprächen in Katar. Es werde sich zeigen, ob dabei
       Fortschritte gemacht würden, sagte er übereinstimmenden Medienberichten
       zufolge. „Es gibt momentan viel Hin und Her über bestimmte Formulierungen
       im ursprünglichen Dokument, das wird also ein paar Tage dauern“, zitierte
       ihn etwa die New York Times. Präsident Trump werde „entweder einen guten
       Deal oder keinen Deal machen.“ Rubio ist in Personalunion auch Trumps
       Nationaler Sicherheitsberater.
       
       ## Milliarden-Zahlung an Iran für Unterschrift?
       
       Ebenfalls in Doha zugegen war demnach der iranische Zentralbankchef
       Abdolnasser Hemmati, um dort die Freigabe von iranischen Auslandsvermögen
       zu prüfen. In katarischen Finanzinstituten sind seit Jahren Vermögenswerte
       aus dem iranischen Ölgeschäft eingefroren. Eine Freigabe dieser Mittel
       könnte ein erster Schritt in Richtung der Aufhebung von Sanktionen gegen
       Teheran bedeuten und womöglich Teil eines Abkommens für ein Kriegsende
       sein.
       
       Der Sprecher des Außenministeriums in Doha widersprach unterdessen
       Berichten, wonach der Golfstaat Iran für die Unterzeichnung eines Abkommens
       12 Milliarden US-Dollar geboten haben soll. Solche Gerüchte würden von
       jenen verbreitet, die die diplomatischen Bemühungen untergraben wollten,
       hieß es aus Katar.
       
       26 May 2026
       
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