# taz.de -- Krieg trotz Waffenruhe: Trump fürchtet sich und Iran triumphiert – noch
       
       > Drohnen explodieren und Raketen fliegen – wie Medien beider Seiten
       > vermelden. Wie die Lage in Iran ist und was Trump Sorgen bereitet.
       
 (IMG) Bild: Eleganter als seine Profiteure: ein in Rauch gehüllter Kampfjet
       
       Drei Explosionen in Bandar Abbas melden iranische Medien am späten
       Mittwochabend. Nach Angabe des US-Militärs wurde dort der Abschuss einer
       Drohne seitens Irans verhindert, nachdem bereits fünf Drohnen und eine
       ballistische Rakete in Richtung Kuwait geschickt worden waren. Diese wurden
       nach Angabe der „Kuwait News Agency“ abgefangen.
       
       So sieht also die sogenannte Waffenruhe aus, die seit dem 8. April zwischen
       der Islamischen Republik Iran und den USA gilt. Nach iranischen Angaben
       beschoss Teheran außerdem Schiffe mit US-Bezug, die die Straße von Hormus
       durchqueren wollten.
       
       Wie das Medium Gulf News berichtet, könnte bei dem Angriff in Bandar Abbas
       auch auf Ali Azmaei gezielt worden sein. Der ist ein wichtiger Befehlshaber
       der Marine der iranischen Revolutionsgarden und laut Gulf News für
       Operationen am Arabischen Golf und der Straße von Hormus zuständig. Ob der
       Angriff tatsächlich auch ihm galt und ob er dabei umgekommen sein könnte,
       ist bislang unklar. Sollte dem so sein, wäre das eine weitere Eskalation in
       dieser sowieso kaum so nennbaren Waffenruhe.
       
       Der Iran-Experte Danny Citrinowicz schreibt dazu auf X: Iran halte
       weiterhin „strikt an seiner Abschreckungsstrategie fest“. Aus Teherans
       Sicht erfordere jede militärische Aktion der USA eine direkte iranische
       Reaktion, „um die Glaubwürdigkeit zu wahren und das regionale Gleichgewicht
       der Abschreckung aufrechtzuerhalten“.
       
       ## Staaten weiterhin im Krieg miteinander
       
       Denn obwohl offiziell Waffenruhe gilt, befinden sich die beiden Staaten
       weiterhin im Krieg miteinander. Die derzeitigen [1][Verhandlungen über
       dessen Ende] scheinen ähnlich erfolgreich zu laufen wie die Waffenruhe
       selbst. US-Präsident Donald Trump verkündete in den vergangenen Tagen
       mehrmals, man sei kurz vor dem Ziel. Nur um dann doch wieder
       zurückzurudern: Man könnte einen guten Deal machen, aber keinen großartigen
       – was genau gemeint ist, bleibt wohl dem Präsidenten selbst vorbehalten.
       
       Am Donnerstagnachmittag meldete das Portal Axios: Die Verhandlungsführer
       von USA und Iran hätten sich auf eine Absichtserklärung geeinigt, um den
       Waffenstillstand über 60 Tage zu verlängern. In diesem Zeitraum wolle man
       dann weiter um ein Kriegsende verhandeln. Trump habe aber noch nicht
       zugestimmt – ob er das tun wird, ist unklar.
       
       ## Was bereits klar ist
       
       Ein paar Sachen aber stehen fest: Die Kluft zwischen den Positionen der USA
       und der Islamischen Republik ist gigantisch. Wie könnte es anders sein:
       Donald Trump fordert eine Kapitulation des Regimes, zumindest aus dessen
       Sicht. Es soll seinen „Nuklearstaub“, wie Trump das nach den
       US-israelischen Angriffen 2025 in Iran verbliebene angereicherte Uran
       nennt, hergeben. Es soll auf eine weitere Anreicherung von Uran verzichten.
       Außerdem die Unterstützung seiner sogenannten Achse des Widerstands –
       Milizen von Irak über Libanon bis Jemen – aufgeben. Und seine
       seerechtswidrige Kontrolle der Straße von Hormus beenden.
       
       Warum sollte die Islamische Republik dem nachgeben? Zwar leidet das Land
       unter diversen Konsequenzen des Kriegs: So haben sich die Beziehungen zu
       den arabischen Golfstaaten deutlich verschlechtert. Die Vereinigten
       Arabischen Emirate etwa gingen jüngst gegen mit Iran verbundene
       Geldwechsler vor – nach Experteneinschätzung ein direkter Angriff auf die
       Fähigkeit des Regimes, ausländische Devisen ins Land zu bekommen. Und die
       braucht Iran dringend: Dass die Währung zuvor deutlich an Wert verloren
       hatte, führte unter anderem zu den Protesten im Januar, die das Regime
       brutal niederschlug.
       
       Generell ist die ökonomische Situation äußerst angespannt, Augenzeugen in
       Iran berichten von weiter steigenden Preisen für einfachste Güter. Die
       teilweise anhaltende US-Blockade von Schiffen mit Iranbezug bei der
       Ausfahrt aus der Straße von Hormus in den Golf von Oman hat außerdem das
       Einkommen aus Exporten sinken lassen. Über 110 Schiffe habe man
       „umgelenkt“, erklärte das US-Militär dazu am Donnerstag.
       
       ## USA setzen auf Wirtschaftskrieg
       
       Die USA setzten, eigenen Angaben zufolge, außerdem auf einen „economic
       war“. Finanzminister Scott Bessent schrieb auf X: „Ihre Truppen werden
       nicht bezahlt, die Polizei erscheint nicht zum Dienst, und die Insel Kharg
       ist lahmgelegt. Die iranische Wirtschaft und Währung befinden sich im
       freien Fall. Die iranische Behörde für die Meerenge am Persischen Golf
       (PGSA) ist ein Witz, und das US-Finanzministerium hat sie heute mit
       Sanktionen belegt.“ Die PGSA hatte Iran ins Leben gerufen, um den Transit
       der Meerenge von Schiffen gegen eine Gebühr – quasi Schutzgeld – zu
       verwalten.
       
       Doch mit seiner anhaltenden Blockade des kommerziellen Schiffverkehrs durch
       die Straße von Hormus zeigt Teheran bislang, dass es eben doch mindestens
       einen Trumpf in der Hand hält. Eine US-Mission zur Unterstützung des
       Schiffsverkehrs dort wurde schon nach kürzester Zeit wieder beigelegt.
       
       Trump ist, so bewertet das etwa der in den Emiraten ansässige
       Sicherheitsexperte Aimen Dean, verschreckt. Etwa über den iranischen
       Angriff auf ein US-Kampfflugzeug, der zwei Soldaten über Iran abstürzen
       ließ – die in einer lange dauernden, komplizierten Operation gerettet
       wurden. Die Bilder eines US-Soldaten in den Händen des Regimes hätte die
       US-Öffentlichkeit kaum wohlwollend aufgenommen.
       
       Trump fürchtet die Fähigkeit des Regimes, seinem Ruf zu schaden. [2][Im
       Herbst stehen Vorwahlen in den USA an.] Und die globalen Märkte bleiben
       angespannt, die Menge der am Weltmarkt verfügbaren fossilen Rohstoffe aus
       den öl- und gasreichen Ländern am Arabischen Golf ist vermindert. Die
       Spritpreise bleiben hoch, Besserung ist nicht in Sicht.
       
       ## Aus Teheran kommt nichts
       
       Auch rhetorisch kommen aus Iran keine Signale in Richtung eines Deals. Die
       den Garden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim zitiert den Obersten
       Führer Mojtaba Chamenei – der seit seiner Wahl noch immer nicht öffentlich
       aufgetreten ist – so: In den vergangenen drei Monaten habe sich „der wahre
       Charakter und das Wesen des iranischen Volkes in Glauben und Tat bewährt“.
       
       Laut Tasnim erklärte Chamenei aber auch: Man brauche „konkrete Anzeichen
       der Hoffnung, einen stabilen Weg und klare Zukunftsperspektiven“. [3][Rein
       ökonomisch betrachtet] befindet sich Teheran mit seiner derzeitigen Taktik
       auf einem anderen Pfad.
       
       28 May 2026
       
       ## LINKS
       
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