# taz.de -- Berlin und Olympia: Banger Blick nach Nordwesten
> Am Sonntag stimmt Hamburg nach München und NRW über eine Olympiabewerbung
> ab. Egal wie es ausgeht: Berlin wird nicht vom Ergebnis profitieren.
(IMG) Bild: Bleibt Hamburg im Olympiarennen und somit Konkurrent von Berlin? Das entscheidet sich bei einem Volksentscheid am Sonntag
Im Oktober ging der Blick nach Süden, [1][als München über eine
Olympiabewerbung abstimmte], im April nach Westen, als dieses Votum in
nordrhein-westfälischen Städten anstand. Nun gucken Berlins
Olympiainteressierte – Anhänger wie Gegner – zumindest gefühlt nach
Nordwesten: In Hamburg wird Sonntagabend klar sein, ob auch dort und dann
bei allen Bewerbern außer Berlin die Einwohnschaft gesichert hinter einer
Olympiabewerbung für 2036, 2040 oder 2040 steht.
In Berlin hingegen sammelt in einer ersten Stufe [2][die Gegenbewegung
„NOlympia“] mit Unterstützung von Linkspartei und Grünen Stimmen für einen
Volksentscheid gegen Olympia. Der aber wäre aufgrund der gesetzlichen
festgeschriebenen Fristen erst in einem Jahr möglich. Der Deutsche
Olympische Sportbund (DOSB) will jedoch bereits in vier Monaten, am 26.
September, darüber entscheiden, mit welcher Stadt oder Region sich
Deutschland für die Olympischen Spiele bewirbt. Über einer Entscheidung pro
Berlin hinge das Damoklesschwert einer nachträglichen Ablehnung bei einem
Volksentscheid 2027.
Während es in München und in NRW großen Rückhalt mit jeweils gut zwei
Drittel Ja-Stimmen gab, scheint die Lage in Hamburg offener. In den
vergangenen Wochen und Monaten lagen [3][widersprüchliche Zahlen von zwei
Umfragen] vor. Bei einer gab es eine Mehrheit von rund 60 zu 40 Prozent für
die Spiele. In der anderen stuften gerade mal 41 Prozent eine Bewerbung als
„eher gut“ ein, während 50 Prozent urteilten: „eher schlecht“.
Schon einmal entschied sich die Einwohnerschaft in Hamburg gegen eine
Olympiabewerbung. Das war im Ende 2015, als es um die Olympischen Spiele
2024 ging, die letztlich in Paris stattfanden. 51,6 Prozent stimmten damals
mit Nein, 48,4 Prozent mit Ja. Der DOSB hatte sich [4][acht Monate zuvor in
einer Vorentscheidung bereits für Hamburg und gegen Berlin] entschieden, wo
der damals rot-schwarze Senat gleichfalls an einer Bewerbung interessiert
war.
## Schon mal Olympiaablehnung in Hamburg
Die Bürgerschaft, das Hamburger Landesparlament, hatte einen solchen
zeitnahen Volksentscheid darüber erst im Sommer 2015 [5][mit einer
Verfassungsänderung] möglich gemacht. In Berlin hat zuletzt unter anderem
[6][Regierungschef Wegner auf diese Möglichkeit gedrängt]. Bei Grünen oder
Linkspartei, die er im Abgeordnetenhaus für eine Verfassungsänderung
bräuchte, wird das aber weithin als „Volksentscheid von oben“ abgelehnt.
Dabei stellt in der Hamburger Variante eine besondere Regelung sicher, dass
die Abstimmungsfrage nicht allein im Sinne der jeweils regierenden
Koalition formuliert, sondern auch die Opposition beteiligt ist: Ein
Volksentscheid kommt nur zustande, wenn in der Bürgerschaft [7][mindestens
zwei Drittel der Abgeordneten dafür] sind. Eine solche Mehrheit gibt es
aktuell nur in drei der sechzehn deutschen Landesparlamente und in Hamburg
genauso wenig wie in Berlin.
Berlins führende Olympiawerber – Regierungschef Kai Wegner von der CDU und
der erfolgreiche Sportmanager Kaweh Niroomand – versuchen dieses Manko
kleinzureden und mit der internationalen Strahlkraft ihrer Stadt zu
kontern. Ja, räumte Wegner jüngst beim Jahresempfang seiner CDU-Fraktion
vor rund 1.300 Menschen ein, auch Köln habe so eine Strahlkraft, und
München auch – aber nur jeweils einmal im Jahr beim Karneval und beim
Oktoberfest. Berlin hingegen strahlt aus Wegners Sicht mehr oder minder 365
Tage im Jahr und das rund um die Uhr.
Im [8][taz-Interview verwies Niroomand], sonst Manager beim Deutschen
Volleyballmeister BR Volleys, auf das mit großen Erwartungen gestartete und
inzwischen gescheiterte Volksbegehren für eine autofreie Innenstadt. Das
hatte weit weniger Zugkraft als erwartet. „Das erkläre ich auch den Leuten
beim DOSB so“, sagte Niroomand, „und dann merken die, dass das Risiko
wirklich sehr gering ist, die Bewerbung nachher wieder absagen zu müssen“.
## Offizielle Zustimmung nur im Abgeordnetenhaus
Das Ergebnis der Hamburger Abstimmung am Sonntag wird der Berliner
Bewerbung absehbar in keinem Fall weiterhelfen. Gibt es eine überwältigende
Mehrheit wie in München und den beteiligten NRW-Städten, so drängt sich
beim DOSB mehr denn je die Frage auf, wie man eine solche Unterstützung
brüskieren und Berlin auswählen könnte. Hier hat am 21. Mai allein das
Abgeordnetenhaus mit Stimmen von CDU, SPD, AfD und einem
Linkspartei-Abgeordneten einer Bewerbung zugestimmt.
Scheitern die Hamburger Ambitionen, bringt das Berlin genauso wenig. Denn
dann könnten sich die führenden Sportfunktionäre trotz aller Versicherungen
Niroomands erst recht fragen, wie eine nachträgliche Abstimmung im links
geprägten Berlin ausgeht, wenn sich noch nicht mal im zumindest dem
Klischee nach bürgerlichen Hamburg eine Mehrheit für Olympia findet.
Wobei starken Einfluss auf die DOSB-Entscheidung am 26. September der
Ausgang der Berliner Abgeordnetenhauswahl sechs Tage zuvor haben dürfte.
Falls sich am Wahlabend eine linksgrüne Koalition abzeichnet, in der nur
einer von drei Partnern – die SPD – Olympia unterstützt, dürfte der DOSB
kaum für Berlin stimmen. Das gilt umso mehr, falls dieses Bündnis von
Linkspartei oder Grünen angeführt würde – schließlich ist es die
Senatskanzlei im Roten Rathaus, die Olympiawerbung für Berlin machen
müsste.
30 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Olympische-Sommerspiele-2036-2044/!6118222
(DIR) [2] /Volksbegehren-gegen-Olympia/!6169423
(DIR) [3] /Handelskammer-veroeffentlicht-Umfrage/!6173040
(DIR) [4] /Nolympia-in-Berlin/!5016234
(DIR) [5] https://www.rettetdenvolksentscheid.de/wordpress/wp-content/uploads/2015/05/Artikel-50-nach-Verfassungsaenderung.pdf
(DIR) [6] /Direkte-Demokratie-in-Berlin/!6130721
(DIR) [7] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/behoerde-fuer-inneres-und-sport/themen/wahlen/initiative-begehren-entscheid-und-buergerschaftsreferendum-890734
(DIR) [8] /Berlins-Olympia-Bewerbung/!6175066
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Olympische Spiele 2024
(DIR) DOSB
(DIR) Hamburg
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Schwerpunkt Olympische Spiele 2024
(DIR) Hamburg
(DIR) Olympiabewerbung
(DIR) Schwerpunkt Stadtland
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Schwerpunkt Olympische Spiele 2024
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Olympia-Abstimmung in Hamburg: Auch eine Niederlage für Berlin
In Hamburg gibt es keine Mehrheit für eine Olympia-Bewerbung. Das
beschädigt auch die Berliner Ambitionen auf die Sommerspiele 2036, 2040
oder 2044.
(DIR) Olympiareferendum: Hamburg sagt die Spiele ab
Bei einer Volksbefragung zur Bewerbung für Olympische Spiele stimmt eine
deutliche Mehrheit mit Nein. Dafür sind nur die eher wohlhabenden
Stadtteile.
(DIR) Volksabstimmung gegen Oympia-Bewerbung: Hamburg versenkt Olympia
Ein klare Mehrheit der Hamburger:innen stimmt gegen eine
Olympiabewerbung der Hansestadt. Das Votum ist ein Debakel für den Senat.
(DIR) Olympia-Referendum in Hamburg: Ringen um die Spiele
Kommende Woche sollen die Hamburger:innen über eine Olympiabewerbung
abstimmen. Die rot-grüne Wahlkampfkampagne ist in der Stadt nicht zu
übersehen.
(DIR) Olympische Spiele in Hamburg: Olympia-Bewerbung ist noch kein Schreckensprojekt
Wer sich bei der Frage, ob Hamburg sich für Olympia bewerben soll, nicht
entscheiden kann, dem bleibt nur Würfeln – oder die Sache mit dem
Altpapier.
(DIR) Senat beschließt Konzept: Olympia goes Tempelhofer Feld
Nach den Vorstellungen der Landesregierung würden die Olympischen Spiele
auf dem Ex-Flughafengelände eröffnet. In der Waldbühne gäbe es Boxen.