# taz.de -- Kabinett beschließt Baugesetz-Upgrade: „Wohnen hat ab jetzt Vorfahrt“
> Mit dem Baugesetz-Upgrade will Bauministerin Hubertz kommunale Planung
> beschleunigen. Kommunen sollen besser gegen „Schrottimmobilien“ vorgehen
> können.
(IMG) Bild: Verena Hubertz will überragendes öffentliches Interesse für den Wohnungsbau
Verena Hubertz (SPD) steht am Mittwoch in ihrem Ministerium und zeigt auf
einen Pappaufsteller. Darauf ist eine Wiese neben ein paar Wohngebäuden zu
sehen. Die Bauministerin sagt: „Wir haben jetzt Vorfahrt für den
Wohnungsbau vereinbart.“ Dieser bekomme jetzt ein „überragendes
öffentliches Interesse“.
Das sei jetzt nicht im Bild erkennbar, erklärt Hubertz, aber man solle sich
eine historische, denkmalgeschützte Mühle vorstellen, bei der man
eigentlich das Blickfeld erhalten müsse. Der Wohnungsbau soll künftig
priorisiert werden – das gilt allerdings nur in angespannten
Wohnungsmärkten. Bei der Konkurrenz um Flächen schlägt Wohnungsbau
Denkmalschutz oder Umweltschutz.
## Kita, Supermarkt und Grün
Am Mittwoch hat das Bundeskabinett grünes Licht für das Gesetz zur
Modernisierung des Städtebau- und Raumordnungsrechts gegeben – eher bekannt
unter dem Namen Baugesetzbuch-Upgrade. Mit der Novelle könne man dann auf
der Fläche „ganz viele Wohnungen in einem schönem Stadtquartier entstehen
lassen“, sagt Hubertz. Mit Kita und Supermarkt, auch vom Grün soll etwas
erhalten bleiben.
Natürlich weiß Hubertz, dass die Herausforderungen für den Wohnungsbau
derzeit enorm sind. 2025 wurden in Deutschland so wenige Wohnungen
fertiggestellt [1][wie seit mehr als zehn Jahren nicht.] „Das sei das
Resultat der letzten Krisenjahre“, sagt Hubertz. Und mit dem Irankrieg
werde es nicht leichter. Dennoch solle man nicht „in eine Schockstarre“
fallen.
Das Baugesetzbuch-Upgrade sei [2][nach dem Bauturbo] ein „umfassendes
Modernisierungspaket, das nahezu alle Bereiche der kommunalen Planung
adressiert“, so Hubertz. Es sollen verschiedene Vorhaben umgesetzt werden,
die das Bauen und Planen beschleunigen sollen. Neben der Priorisierung des
Wohnungsbaus sollen zum Beispiel [3][Umweltprüfungen vereinfacht]
[4][werden – was aber bei Umweltverbänden auf Kritik stößt.] [5][]Kommunen
müssen zudem künftig digitale Instrumente einsetzen, um Planungsverfahren
zu verkürzen und transparenter zu machen.
## Vorkaufsrecht gestärkt
Mit dem Gesetzentwurf sollen auch kommunale Vorkaufsrechte wieder gestärkt
werden – unter anderem, um besser [6][gegen sogenannte Schrottimmobilien
vorgehen zu können]. Damit sind verwahrloste Gebäude gemeint, mit denen
Eigentümer*innen oft [7][trotzdem noch Profit machen]. Wenn diese
trotz mehrfacher Aufforderungen Immobilien nicht instandsetzen, [8][darf
sogar enteignet werden.]
Zudem sollen Kommunen in Milieuschutzgebieten wieder ein Vorkaufsrecht
ausüben können, wenn etwa „eine Verdrängung der ansässigen Wohnbevölkerung“
droht, wie es im Gesetzentwurf heißt. Das kommunale Vorkaufsrecht war lange
ein bewährtes Instrument für Kommunen, um Verdrängungsprozesse aufzuhalten.
[9][2021 wurde es aber vom Bundesverwaltungsgericht in weiten Teilen
gekippt]. Mit Deutsche Mieterbund begrüßt das ausdrücklich. „Städte und
Gemeinden erhalten damit endlich wieder ein Instrument, um Mieterinnen und
Mieter vor Verdrängung zu schützen und bezahlbaren Wohnraum zu sichern“,
[10][erklärt Mieterbund-Präsidentin Melanie Weber-Moritz].
Im ursprünglichen Entwurf des Bauministeriums sollte ein weiteres
Vorkaufrecht geschaffen werden, wenn eine kaufende Person entweder der
organisierten Kriminalität oder extremistischen Kreisen zugeordnet werden
kann. Damit sollte verhindert werden, dass [11][sich Rechtsextreme zum
Beispiel in Dörfer einkaufen.] Doch diese Idee hat es nicht in den
Gesetzentwurf geschafft.
## Grüne: Gesetzentwurf könnte Flächenschutz gefährden
Der baupolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jan-Marco
Luczak, begrüßte, dass der Wohnungsbau nun Priorität bekommen soll.
„Künftig entscheidet nicht mehr die Kreuzkröte, sondern der gesunde
Menschenverstand, wo dringend benötigte Wohnungen gebaut werden“, erklärt
er.
Kassem Taher Saleh, baupolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion,
kritisiert, dass der Gesetzentwurf Kommunen unter Druck setze und [12][den
Klima- und Flächenschutz gefährde]. Es fehle nicht nur eine Vorgabe für
bezahlbaren Wohnraum: „Die neuen Möglichkeiten, von bestehenden Regeln
abzuweichen, verschärfen den Wettbewerb um Bauland und treiben die
Bodenpreise weiter hoch.“
Katalin Gennburg, die baupolitische Sprecherin der
Linken-Bundestagsfraktion, warf der Bundesregierung vor, „Betonpolitik“ zu
betreiben, „die wenig Rücksicht auf Umwelt, Landschaft und Raumordnung
nimmt“. Es entstehe „eine krasse Schieflage zugunsten renditegetriebener
Investoren gegenüber wichtigen demokratischen Mitspracherechten der
Menschen und dem Umweltschutz“. Auch die Wiederherstellung des
Vorkaufsrechts entpuppe „sich bei näherem Hinsehen als ‚faules Ei‘“. Damit
seien kaum soziale Regulierungen zur Sicherung bezahlbarer Wohnungen
möglich.
27 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jasmin Kalarickal
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