# taz.de -- Mieterbund warnt: Millionen Mieter von Wohnkosten überlastet
> Unter Mietern ist der Anteil an Geringverdienern groß, zeigt eine Studie
> im Auftrag des Mieterbunds. Vor allem für Großstädter ist Wohnen teuer.
(IMG) Bild: Besonders betroffen von steigenden Mieten sind Großstädte, wie zum Beispiel Berlin
dpa | Millionen Mieter in Deutschland sind von ihren Wohnkosten überlastet.
Rund 3,2 Millionen Mieterhaushalte wenden mehr als 40 Prozent ihres
Nettoeinkommens für das Wohnen auf, zeigt [1][eine Studie des Instituts
Wohnen und Umwelt (IWU)] im Auftrag des Deutschen Mieterbunds. Weitere 3,4
Millionen Mieterhaushalte geben demnach 30 bis 40 Prozent ihres
Nettoeinkommens für Kaltmiete und Heizkosten aus.
Insgesamt ist aus Sicht von IWU [2][und Mieterbund jeder dritte
Mieterhaushalt] – rund 6,6 Millionen – überlastet. Die Präsidentin des
Deutschen Mieterbunds, Melanie Weber-Moritz, sprach von alarmierenden
Zahlen. „Die Bundesregierung muss jetzt Mieterinnen und Mieter vor weiteren
Belastungen schützen.“
Der Studie zufolge gehören von den fast 20 Millionen Mieterhaushalten in
Deutschland 42 Prozent oder 8,3 Millionen zum unteren Einkommensdrittel:
Sie haben ein Haushaltsnettoeinkommen von im Schnitt 1.417 Euro pro Monat.
Diese Gruppe sei mit ihren Wohnkosten am „finanziellen Limit“.
„Besonders betroffen sind die untersten 10 Prozent der
Einkommensverteilung, sie haben eine durchschnittliche Wohnkostenbelastung
von 60 Prozent“, heißt es in der Studie, die auf Daten [3][aus dem jüngsten
Mikrozensus 2022] zu Einkommen und Mieten basiert. Die Zahl wurden anhand
von Angaben des Statistisches Bundesamts auf den neusten verfügbaren Stand
von 2024 fortgeschrieben.
Anders als der Mieterbund sieht das Statistische Bundesamt nur eine relativ
kleine Minderheit der Bevölkerung von ihren Wohnkosten überlastet. 2025
waren davon 11,2 Prozent der Menschen in Deutschland oder rund jeder Neunte
betroffen, hat die Behörde auf Basis früherer europäischer Statistikdaten
errechnet. Das Statistische Bundesamt zieht die Grenze strenger und
bezeichnet Haushalte erst als überbelastet, wenn sie über 40 Prozent ihres
Einkommens für Wohnen aufwenden.
## Neue Mieter zahlen deutlich mehr
Der Mieterbund schreibt, der Anstieg der Mieten treibe die
Wohnkostenbelastung vieler Haushalte nach oben, besonders für jene, die
kürzlich umgezogen sind. So seien die Mieten in Verträgen ab 2020 im
Schnitt gut ein Fünftel höher und Mieterhaushalte hätten mit 33 Prozent
eine deutlich höhere Wohnkostenbelastung als Haushalte, die vor 2020
eingezogen sind.
Besonders betroffen seien Großstädte: In Berlin lägen die Mieten von
Haushalten, die nach 2020 eingezogen sind, durchschnittlich 29 Prozent über
dem Schnitt aller Mietverträge. In München seien es 26 und in Frankfurt 25
Prozent. Dahinter steckt, dass viele Menschen, die einen bezahlbaren
Mietvertrag haben, einen Umzug scheuen – das friert die Mietmärkte förmlich
ein. Die Wohnkostenbelastung in Metropolen liege bei über 30 Prozent und
bei neuen Mietverträgen über 35 Prozent, so der Mieterbund.
„Die Spirale immer stärker steigender Mieten muss gestoppt werden. Dazu
muss die Bundesregierung die geplante strengere Ahndung von Mietwucher
durchsetzen, die Mietpreisbremse verschärfen und Verstöße mit empfindlichen
Bußgeldern ahnden, damit Mieterinnen und Mieter endlich vor illegaler
Mietüberhöhung geschützt sind“, fordert Weber-Moritz. Die Mietpreisbremse,
die in angespannten Wohnungsmärkten und bis 2029 gilt, müsse entfristet
werden und bundesweit wirken.
Der Mieterbund fordert ferner, dass der Bestand an Sozialwohnungen bis 2030
von zuletzt 1,1 Millionen auf mindestens 2 Millionen Wohnungen steigen
soll. Auch müsse es mehr öffentliche Wohnungen geben, um im
Mietwohnungsmarkt „ein dauerhaft preisgebundenes und bezahlbares Segment zu
etablieren“.
3 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.iwu.de/aktuell/
(DIR) [2] https://mieterbund.de/themen-und-positionen/studien/mietenreport-2025/
(DIR) [3] https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Haushalte-Familien/Publikationen/Downloads-Haushalte/statistischer-bericht-mikrozensus-haushalte-familien-2010300227005-endergebnisse.html
## TAGS
(DIR) Deutscher Mieterbund
(DIR) Zensus
(DIR) Mieten
(DIR) Wohnen
(DIR) Bauen
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Heizungsgesetz
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Kabinett beschließt Baugesetz-Upgrade: „Wohnen hat ab jetzt Vorfahrt“
Mit dem Baugesetz-Upgrade will Bauministerin Hubertz kommunale Planung
beschleunigen. Kommunen sollen besser gegen „Schrottimmobilien“ vorgehen
können.
(DIR) Beschluss des Kabinetts: Schwarz-Rot bringt klimaschädliche Heizungsreform auf den Weg
Die Ampel-Regierung hatte die klimafreundliche Wärmewende angestoßen. Ihre
Nachfolgerin, die schwarz-rote Koalition, will sie zurückdrehen. Dafür
hagelt es Kritik.
(DIR) Kompromiss im Heizungsgesetz: Neue Gasrechnung für Vermieter:innen
Bestimmte Verbrauchskosten neuer Gasheizungen werden zwischen Vermietern
und Mietern geteilt. Das hat die schwarz-rote Koalition nun vereinbart.