# taz.de -- Wohnungsneubau in Deutschland: Um 18 Prozent gesunken – trotz Wohnungsnot
       
       > 2025 wurden viel zu wenig Wohnungen gebaut. Für Mieter, Wohnungssuchende
       > und Bauherren heißt das nichts Gutes. Das sind die Zahlen.
       
 (IMG) Bild: Es gelingt nicht, die avisierten Ziele im Wohnungsneubau zu erreichen
       
       dpa | Kräftiger Rückschlag im Kampf gegen Wohnungsmangel und steigende
       Mieten: 2025 wurden in Deutschland so wenige Wohnungen fertiggestellt wie
       seit mehr als zehn Jahren nicht. 206.600 gebaute Einheiten bedeuteten einen
       Rückgang um 18 Prozent oder 45.400 Wohnungen gegenüber dem Vorjahr, wie das
       Statistische Bundesamt berichtete. Das ist der niedrigste Wert seit 2012.
       Zudem sank die Zahl fertiggestellter Wohnungen im zweiten Jahr in Folge
       deutlich, nachdem sie von 2021 bis 2023 je bei rund 294.000 gelegen hatte.
       
       Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) sprach von schlechten Zahlen, sie
       seien das „Resultat der vergangenen Krisenjahre“. „Rund 206.000 gebaute
       Wohnungen im letzten Jahr sind zu wenig. Das ist die ehrliche Botschaft an
       alle, die heute eine Wohnung suchen“, sagte sie der Rheinischen Post
       (Samstag). Jedoch zeigten die Baugenehmigungen für 2025 und das erste
       Quartal nach oben. Der neue Bau-Turbo werde bereits in vielen Kommunen
       angewendet und Rekordmittel flössen in den sozialen Wohnungsbau.
       
       ## Bau- und Wohnungswirtschaft sieht Alarmsignal
       
       Besonders stark sank 2025 die Zahl der gebauten Einfamilienhäuser: um knapp
       ein Viertel auf 41.800. Die Zahl neuer Wohnungen in Zweifamilienhäusern
       fiel zudem um gut ein Fünftel.
       
       Ein Bündnis von Verbänden aus Bau- und Wohnungswirtschaft sprach von einem
       Alarmsignal und kritisierte die Politik: „Die Fertigstellungszahlen sind
       kein Schicksal, sondern das Ergebnis jahrelanger unzureichender
       Rahmenbedingungen. Auf verschlechterte Finanzierungsbedingungen wurde mit
       komplexen, kleinteiligen Förderprogrammen, weiter verschärften
       Anforderungen und damit Kostensteigerungen reagiert.“
       
       Das Bündnis, darunter der Zentrale Immobilien Ausschuss und der
       Bauindustrieverband HDB, forderte eine Reihe von Maßnahmen, darunter
       verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten, einen Stopp der Verschärfung bei
       der Mietenregulierung sowie vereinfachte Bauvorschriften. Zudem sollten
       Erstkäufer einer Immobilie von der Grunderwerbsteuer ausgenommen werden.
       
       Schon jetzt wohne weniger als die Hälfte der Bevölkerung in Wohneigentum,
       damit sei Deutschland Schlusslicht in der EU. „Der Mangel an Wohnraum ist
       das größte soziale Problem in Deutschland“, sagte HDB-Präsident Olaf
       Demuth. Kanzler Friedrich Merz müsse das Thema zur Chefsache machen.
       
       ## Mehr als zwei Jahre von der Genehmigung bis zum Bau
       
       Zwar gab es zuletzt [1][Hoffnung auf ein Ende der Krise] im Wohnungsbau. So
       stiegen die Baugenehmigungen 2025 um fast 11 Prozent auf 238.100 Einheiten
       – das erste Plus seit 2021. Doch strukturelle Probleme bleiben: Der
       Bauüberhang aus bereits genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten
       Wohnungen stagnierte bei 760.700 Einheiten. Davon waren 307.200 Wohnungen
       schon im Bau.
       
       Viele Bauprojekte mussten aufgegeben werden, weil die Genehmigungen
       erloschen. Dies war für 35.700 Wohnungen der Fall – der höchste Wert seit
       2002. Zudem stieg die Zeit von der Genehmigung bis zur Fertigstellung im
       Neubau auf 27 Monate. 2020 waren es erst 20 Monate.
       
       ## Irankrieg dämpft Aussichten
       
       Experten fürchten, dass der Wohnungsbau so schnell nicht aus der Krise
       kommt, auch wenn die Baugenehmigungen im ersten Quartal weiter um 15
       Prozent anzogen. Denn mit dem Irankrieg haben sich Baumaterialien sowie
       Transportkosten für Baufirmen verteuert, was diese auf die Preise umlegen –
       etwa für Stahl, Beton, Dämmstoffe und Folien.
       
       Schon im ersten Quartal seien die Baukosten um 6 Prozent gestiegen, sagte
       HDB-Präsident Demuth. Mit Inflationsängsten im Zuge des Ölpreisschocks
       haben zudem die Kreditzinsen angezogen, was Projekte für Investoren und
       Bauherren verteuert.
       
       ## Verfehlte Ziele und neue Impulse der Politik
       
       [2][Der Wohnungsbau steckt] seit Jahren in der Krise, schon mit dem
       Ukrainekrieg waren die Baukosten hochgeschossen. Geschätzt fehlen rund eine
       Million Wohnungen in Deutschland, gerade in Städten. Das treibt die Mieten
       nach oben, viele Menschen finden hier nur schwer Wohnraum. Die frühere
       Ampelregierung aus SPD, Grünen und FDP hatte sich das Ziel von 400.000
       neuen Einheiten pro Jahr gesetzt, dieses aber stets verfehlt.
       
       Die amtierende Bundesregierung will mit dem „Bau-Turbo“ über schnellere
       Genehmigungen den Wohnungsbau voranbringen und hat zudem die Förderung für
       energieeffizientes Bauen mit dem beliebten Standard EH 55 reaktiviert.
       
       „In Kürze stellen wir das Baugesetzbuch-Upgrade vor, das Planungs- und
       Genehmigungsprozesse noch einmal deutlich beschleunigen wird“, kündigte
       Bauministerin Hubertz an. Zudem arbeite die Bundesregierung am Gebäudetyp E
       für günstiges Bauen, der Bündelung von Förderprogrammen und wolle die
       Förderung für energieeffizientes Bauen verlängern. „All das wird helfen,
       auch in einer weiterhin schwierigen Lage die Fertigstellungszahlen wieder
       nach oben zu bringen.“
       
       Kritik kam von der Opposition. Die Bundesregierung habe keinen Plan, um der
       Baubranche aus der Krise zu helfen, sagte Sylvia Rietenberg,
       Berichterstatterin der Grünen-Bundestagsfraktion für
       Stadtentwicklungspolitik. Für das Gesetz zum Gebäudetyp E, der noch auf die
       Ampelregierung zurückgeht, habe die Regierung immer noch keinen Entwurf
       vorgelegt, „obwohl dieser aus der letzten Legislaturperiode bereits in der
       Schublade liegen müsste“.
       
       22 May 2026
       
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