# taz.de -- Nius-Werbung in Berliner U-Bahn: Kleistern gegen die Bedeutungslosigkeit
> In der Berliner U-Bahn hängt Werbung für Nius. Das rechtspopulistische
> Medienportal kämpft mit schlechten Klickzahlen und schreibt rote Zahlen.
(IMG) Bild: Sieht sich nicht verantwortlich: Eigenwerbung der BVG in einem Berliner U-Bahnhof
Eine Werbekampagne des rechtspopulistischen Medienportals Nius in der
Berliner U-Bahn sorgt für Empörung in den sozialen Netzwerken. „Falsche und
hetzerische Behauptungen haben in den Berliner U-Bahnen nichts verloren!“,
heißt es etwa in einer [1][Onlinepetition], an der sich zum
Dienstagnachmittag rund 5.000 Personen beteiligt haben. Und die Initiative
„Springer raus aus der BVG“ [2][sinniert auf Instagram] darüber, die
„Propaganda“ an den „Absender“ zurückzubringen. Nius sitzt [3][in der
Ritterstraße in Berlin-Kreuzberg].
Die Plakate hängen seit rund einer Woche in den Waggons. „Morgens um 6
schon wissen, was einem abends um 8 verschwiegen wird“, raunt einer der
Slogans. Wenn man den Worten von Nius-Geschäftsführer [4][Julian Reichelt]
glauben mag, ist die U-Bahn-Werbung erst der Anfang. Die Motive seien
demnächst außerdem in „zahlreichen“ Bahnhöfen sowie auf sogenannten
Citylights – hinterleuchteten Werbeflächen – in Berlin und Magdeburg zu
sehen, behauptete Reichelt auf X.
Auf taz-Nachfrage schickte die BVG am Dienstag ein vorgefertigtes
Statement, mit dem die Verkehrsbetriebe bereits in den vergangenen Tagen
auf Kritik von Fahrgästen reagiert hatten. „Werbung ist nicht
gleichzusetzen mit der Haltung der BVG“, heißt es darin. „Wir stellen
Flächen zur Verfügung – wir sind nicht Absender der dort beworbenen
Inhalte.“ Die Werbeflächen würden durch vertraglich gebundene Partner
vermarktet.
Das ist unter anderem die Wall GmbH. Das Unternehmen erklärte am Dienstag
gegenüber der taz, man habe die Motive intensiv darauf hin geprüft, ob sie
gegen geltende Gesetze und Regeln verstoßen. „Ein solcher Verstoß konnte
nicht festgestellt werden“, hieß es. Weil man der Presse- und
Meinungsfreiheit verpflichtet sei, habe man den Aushang zugelassen. Zu den
Konditionen der Kampagne wollte sich der Sprecher nicht äußern.
## Nius steckt in den Miesen
Laut der [5][Preisliste] eines Dienstleisters, der für Unternehmen
Werbeflächen bei der Wall GmbH bucht, beträgt der Grundpreis für 50 Poster
wie jene von Nius bei einem Monat Laufzeit insgesamt 928 Euro, inklusive
Installations- und Produktionskosten. Die Nius-Kampagne dürfte deutlich
kostspieliger gewesen sein. Aber: Bei rund 1,5 Millionen Fahrgastfahrten
pro Tag in der Berliner U-Bahn ist die Reichweite der Werbeflächen in den
Zügen durchaus hoch.
Das dürfte Nius gelegen kommen. Denn die Klickzahlen des Portals haben
[6][laut dem Branchendienst Meedia] im April einen neuen Tiefpunkt
erreicht. Mit 3,5 Millionen Visits lagen sie mehr als 40 Prozent unter dem
Vorjahreswert und waren sogar noch schlechter als zum Zeitpunkt der
Gründung im Juli 2023. Gleichzeitig schreibt das Unternehmen hinter Nius,
die Vius SE & Co. KGaA, von Beginn an rote Zahlen. Geldgeber Frank
Gotthardt hat wohl schon rund 50 Millionen Euro in Nius gesteckt, [7][wie
T-Online berichtet].
Ein Grund dafür: Seit Langem wandert viel Geld in Werbung, um nicht
komplett in der Versenkung zu verschwinden. [8][Correctiv zufolge] hat Nius
zwischen 2023 und 2025 1,4 Millionen Euro allein für politische Werbung bei
Google und Meta ausgegeben. Dem gegenüber standen laut einem Leak zuletzt
mickrige 46 zahlende Abonnent*innen im Premiumtarif für 199 Euro pro
Jahr.
26 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://weact.campact.de/petitions/keine-rechte-angstmache-in-der-bvg
(DIR) [2] https://www.instagram.com/p/DYy__wCjL0S/
(DIR) [3] /Rechtes-Medienportal-von-Julian-Reichelt/!6170651
(DIR) [4] /Julian-Reichelt/!t5221104
(DIR) [5] https://www.wtm-aussenwerbung.de/presentation/?title=innenwerbung-u-bahn-und-tram
(DIR) [6] https://meedia.de/news/beitrag/23590-top-100-onlinemedien-im-april-quot-merkur-quot-quot-zeit-quot-und-quot-tagesspiegel-quot-weit-ueber-vorjahr-quot-nius-quot-schwach-wie-nie.html
(DIR) [7] https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_101258246/julian-reichelt-nius-rutscht-tiefer-in-die-roten-zahlen.html
(DIR) [8] https://correctiv.org/aktuelles/das-spahn-netzwerk/2025/07/25/medien-und-medizinsoftware-der-profiteur-von-spahns-politik-nius-gotthardt/
## AUTOREN
(DIR) Hanno Fleckenstein
## TAGS
(DIR) BVG
(DIR) Nius
(DIR) Julian Reichelt
(DIR) U-Bahn Berlin
(DIR) Werbung
(DIR) BVG
(DIR) Nius
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Daniel Günther
(DIR) Nius
(DIR) Julian Reichelt
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) „Nius“-Werbung im Berliner ÖPNV: Nicht über jedes Stöckchen springen
Die Empörung über Nius-Werbung im Stadtbild dürfte von den Initiatoren
einkalkuliert sein. Wie schafft man es, nicht nach ihrem Skript zu handeln?
(DIR) Nius-Werbung in der BVG: Weil wir Reichelt lieben
Das rechtspopulistische Portal Nius wirbt in der BVG mit Slogans gegen
öffentlich-rechtliche Medien. Das sorgt für Proteste, die BVG weist die
Verantwortung von sich.
(DIR) Nius-Werbung in der Berliner U-Bahn: Auf dem falschen Gleis
Das rechte Portal „Nius“ darf bei den Berliner Verkehrsbetrieben präsent
sein. Die sagen, es sei nur Werbung. Doch damit macht es sich das
Unternehmen zu leicht.
(DIR) „Nius“-Beschwerde scheitert vor Gericht: Sieg der Meinungsfreiheit – mit kleinem Schönheitsfehler
Das OVG hat eine Beschwerde des rechten Onlineportals „Nius“ gegen Daniel
Günther zurückgewiesen. Gut so – auch wenn die Begründung spitzfindig ist.
(DIR) Protest gegen rechtes Medium: Kreuzberg gegen Nius
Das rechtspopulistische Portal Nius sitzt mitten im multikulturellen
Berliner Stadtteil Kreuzberg. Anwohner wehren sich dagegen. Das Medium
wittert eine staatsfinanzierte Kampagne.
(DIR) Kampagne gegen Nius und Frauenhass: Reichelt in die Falle gelockt
Das Edelweiß-Netzwerk entlarvt mit einer Aktion die Doppelmoral rechter
Medienmacher und -konsumenten. Es ist der Start einer Kampagne gegen rechte
Medienplattformen.