# taz.de -- „Nius“-Werbung im Berliner ÖPNV: Nicht über jedes Stöckchen springen
> Die Empörung über Nius-Werbung im Stadtbild dürfte von den Initiatoren
> einkalkuliert sein. Wie schafft man es, nicht nach ihrem Skript zu
> handeln?
(IMG) Bild: Ein Zeitungsverteiler der Tageszeitung Junge Welt an der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin, 2019
„Sie lügen wie gedruckt. Wir drucken, wie sie lügen“, der Werbeslogan der
Tageszeitung Junge Welt prangt seit Jahren auf öffentlichen Plakatwänden.
Vermutlich ohne dass auch nur jemals eine Menschenseele groß Anstoß daran
genommen hat. Wenn nun das rechte Portal [1][„Nius“ auf einem BVG-Bus]
seinen Werbespruch „Morgens um 6 schon wissen, was einem abends um 8
verschwiegen wird“ durch die verstopften Straßen der Hauptstadt schleichen
lässt, ist die Aufregung groß.
So groß, dass sich eine Kampagnen-Organisation nicht zu blöd ist, dem
öffentlichen Verkehrsmittel mit einem Kleinlaster zu folgen und mit einer
persiflierten Botschaft vor dessen Machenschaften zu warnen. Kann man
machen. Muss man aber nicht.
An Absurdität gesteigert wird dieses Schauspiel durch die mediale
Rezeption. Die Vorsitzenden der Deutschen Journalistinnen- und
Journalisten-Union (dju) in Verdi bezeichnen die Werbung in einem offenen
Brief als „keinen guten Look“ für die BVG, diese weist sämtliche
Verantwortung von sich, schließlich sei ein externer Vermarkter für die
Vergabe der Werbeplätze zuständig. Gefolgt von dem Lippenbekenntnis, man
stehe „öffentlich und aus Überzeugung für Offenheit, Respekt und ein
demokratisches Miteinander ein.“
Man könnte die Aussage der Verkehrsbetriebe nun als das entlarven, was sie
ist: eine Floskel aus dem Bausteinkasten moderner Unternehmenskommunikation
– und die rollende Nius-Werbung trotzdem zu Recht kritisieren. Oder aber
man unterschreibt eine Campact-Petition an die BVG, versehen mit dem
Appell, diese solle zu ihrer „Aussage stehen“ und sich „klar gegen
rechtspopulistische Angstmache“ positionieren.
Das Problem, das Petition, mediale Rezeption und damit auch dieser
Kommentar gemeinsam haben: sie schaffen Aufmerksamkeit für das rechte
Portal und sind damit Teil des Skriptes. Dessen sollte man sich bewusst
sein. Schließlich dürfte das von den Initiatoren genauso einkalkuliert
sein. In der Werbepsychologie gibt es das AIDA-Prinzip. Es steht für
Attention, Interest, Desire (Verlangen) und Action.
Demnach gilt es als größte Hürde, dass Konsument:innen überhaupt Notiz
von einer Werbung nehmen. Diese dürfte Nius genommen haben. Bleibt nur zu
hoffen, dass sich zur Eindämmung der folgenden Punkte andere Antworten als
Onlinepetitionen finden.
3 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Nius-Werbung-in-der-BVG/!6183705
## AUTOREN
(DIR) Joel Schmidt
## TAGS
(DIR) BVG
(DIR) Nius
(DIR) Julian Reichelt
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) BVG
(DIR) Nius
(DIR) BVG
(DIR) Nius
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Rechte Hetze im Nahverkehr: Berliner BVG beerdigt Nius
Die Werbekampagne des rechten Portals Nius ist Geschichte. Ein Post von
Julian Reichelt brachte das Fass zum Überlaufen. Zuvor gab es viele
Proteste.
(DIR) Nius-Werbung in der BVG: Weil wir Reichelt lieben
Das rechtspopulistische Portal Nius wirbt in der BVG mit Slogans gegen
öffentlich-rechtliche Medien. Das sorgt für Proteste, die BVG weist die
Verantwortung von sich.
(DIR) Nius-Werbung in Berliner U-Bahn: Kleistern gegen die Bedeutungslosigkeit
In der Berliner U-Bahn hängt Werbung für Nius. Das rechtspopulistische
Medienportal kämpft mit schlechten Klickzahlen und schreibt rote Zahlen.
(DIR) Protest gegen rechtes Medium: Kreuzberg gegen Nius
Das rechtspopulistische Portal Nius sitzt mitten im multikulturellen
Berliner Stadtteil Kreuzberg. Anwohner wehren sich dagegen. Das Medium
wittert eine staatsfinanzierte Kampagne.