# taz.de -- Protest gegen rechtes Medium: Kreuzberg gegen Nius
> Das rechtspopulistische Portal Nius sitzt mitten im multikulturellen
> Berliner Stadtteil Kreuzberg. Anwohner wehren sich dagegen. Das Medium
> wittert eine staatsfinanzierte Kampagne.
(IMG) Bild: Jetzt ist nicht mehr zu übersehen, dass sich Nius in Kreuzberg einquartiert hat
Die Aqua-Höfe nahe dem Moritzplatz sind eine typische Kreuzberger Mischung:
ein Hinterhof mit roter Backsteinfassade und Industriecharme, dazu ein
Neubau im modernen Look. Hier ist der Technoclub „Ritter Butzke“ zu Hause,
Künstler:innen haben Ateliers, Start-ups ihre Büros. Alles wirkt etwas
gentrifiziert, aber mit weltoffenem und kreativem Charme. Kaum etwas deutet
darauf hin, dass sich hier – mitten im multikulturellen, linken Kreuzberg –
Julian Reichelts rechtspopulistisch ausgerichtetes Medienportal Nius
einquartiert hat.
Wer sich am Infoterminal am Eingang der Höfe auf die Suche begibt, findet
lediglich einen Hinweis auf das Medienunternehmen hinter Nius – die VIUS SE
& Co. KGaA. Das Immobilienunternehmen GSG bewirbt seinen Gewerbehof [1][auf
einer Webseite] mit der subkulturellen Vergangenheit des Viertels und der
Kreativwirtschaft dort – erwähnt aber nicht, dass in den Aqua-Höfen
tagtäglich gegen alles gewettert wird, was den Kiez ausmacht. Nius selbst
schreibt im Impressum offen, in der Ritterstraße 24–27 zu Hause zu sein.
Tatsächlich ist der Einzug von Nius in Kreuzberg lange eher unbemerkt
geblieben. Doch allmählich regt sich Protest. Für den 24. April lädt die
[2][Initiative „Nein zu Nius“], ein Zusammenschluss linker Gruppen aus
Kreuzberg, zu einer Infoveranstaltung im Dragonerareal ein, um über rechte
Hetzportale, deren Finanzierung und den Sitz in Kreuzberg zu diskutieren.
Bereits am vergangenen Wochenende fand eine Aktion der
Anwohner:innengruppe [3][„Nius raus aus der GSG“] statt. Dabei wurde
ein großer roter Pin, wie er als Symbol etwa von Google Maps bekannt ist,
vor dem Eingang der Höfe aufgestellt, um auf die Anwesenheit von Nius in
dem Gebäude hinzuweisen.
„Wir wollten deutlich machen, dass Nius für uns als Anwohner:innen eine
Bedrohung darstellt“, erklärt Patrick Stach von der Gruppe der taz. Aus
Angst vor einer Nius-Hetzkampagne möchte er seinen echten Namen nicht in
der Zeitung lesen. Es gebe viele soziale Initiativen im Kiez, die etwa mit
Geflüchteten arbeiten, abends tanzten in Clubs wie dem Ritter Butzke queere
Menschen. Doch seit Nius hier sitze, mache sich unter den Nachbar:innen
ein Gefühl der Unsicherheit breit, sagt Stach. „Wir wissen ja nicht, wer da
ein und aus geht, wenn dieses rechte Portal Feierlichkeiten veranstaltet.“
## Nius wittert Angriff auf die Pressefreiheit
Bei Nius selbst hat man wenig Verständnis für die Sorgen der
Anwohner:innen. In einem zuletzt veröffentlichten Beitrag schreibt das
Medium, eine „linksextreme Initiative“ gehe „steuergeldfinanziert gegen
[die] freie Presse vor“ und meint damit nicht mehr als die angekündigte
Infoveranstaltung. In einem Schreiben der Anwohner:innengruppe an
GSG-Mieter:innen sieht das Portal einen „direkten Anruf, eine freie und
junge Medienmarke mittels Anschwärzung beim Vermieter zu canceln“.
Tatsächlich hat die Initiative nach eigenen Angaben rund 400 Briefe an
GSG-Mieter:innen verschickt, um sie über ihren Nachbar Nius zu informieren
– samt vorformulierten Beschwerdeschreiben an die GSG. Die Gruppe fordert
zudem den Vermieter GSG auf, Nius die Räumlichkeiten zu kündigen. Nius
solle „weder in Kreuzberg, noch sonst in der Stadt oder im Internet Räume
erhalten“, sagt Stach.
Dass die Aktion ein Angriff auf die Pressefreiheit sei, verneint der
Anwohner. „Nius ist ein Hetzportal, das nicht einfach politisch
positionierten Journalismus macht, sondern davon lebt, journalistische
Standards zu verletzten“, sagt er. Es sei legitim, wenn Medien aus
„subjektiver Sicht die Welt beschreiben“. Das Geschäft von Nius bestehe
aber in „Grenzüberschreitungen, unzulässigen Zuspitzungen,
Falschdarstellungen und dem Weglassen wichtiger Informationen“.
Wie Nius arbeite, habe man etwa in der [4][Kampagne gegen die Richterin
Frauke Brosius-Gersdorf] gesehen, so der Aktivist. Man sehe es auch daran,
dass sich Nius – anders als fast alle anderen Medien – nicht der
Selbstkontrolle des Deutschen Presserates unterwerfe. Der Finanzier des
Medienportals, der [5][Unternehmer Frank Gotthardt], verfolge die Agenda,
„die letzten verbleibenden Reste der Brandmauer einzureißen und eine
Zusammenarbeit der CDU mit der AfD perfekt zu machen“.
Die orchestrierte Frauenfeindlichkeit und rechte Kampagnenpolitik von Nius
wird seit Mitte März auch durch eine weitere, überregionale Kampagne
entlarvt. Das Edelweiß-Netzwerk hatte in einer Auftaktaktion angebliche
Beleidigungen gegen Julian Reichelt [6][auf einer durchs Regierungsviertel
fahrenden Leinwand gezeigt] – und, nach großer Aufregung in rechten
Kreisen, diese als Zitate aus den Nius-Kommentarspalten entlarvt.
## Anwohner:innen erleichtert über Rückendeckung
Nius versucht derweil, die Protestkampagne als staatsfinanziert zu
diffamieren. Im genannten Beitrag wird etwa darauf verwiesen, dass die
Infoveranstaltung am kommenden Freitag im Kiezraum Dragonerareal
stattfinden soll, der vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg betrieben
wird. Der Bezirk stellt den Raum für zivilgesellschaftliches Engagement zur
Verfügung. Initiativen können ihn [7][über ein Onlineformular buchen].
Auch daran, dass die „Omas gegen Rechts“ an der Veranstaltung teilnehmen
wollen, stört sich das rechte Medium – weil einzelne Ortsgruppen der
ehrenamtlichen Organisation in der Vergangenheit für bestimmte Projekte
Fördergelder erhalten hatten.
Und schließlich echauffiert sich das Portal über die Teilnahme des
[8][Physikers Guido Arnold], den das Medium zuletzt zum „Vordenker“ der
Vulkangruppen erklärt hatte, die für den [9][Stromanschlag im Januar]
verantwortlich gemacht werden. Auch hier beklagt das Medium, dass zwei
Arbeitgeber von Arnold in der Vergangenheit staatliche Projektförderungen
erhalten haben sollen.
Im Kiez sind unterdessen einige Menschen erleichtert über die
Anti-Nius-Kampagne. Der taz liegen anonymisierte Antwortschreiben vor, die
die Initiative auf ihre Briefe erhalten hat. Eine Firma schreibt etwa, man
habe von Nius noch gar nicht gewusst. Man sei aber „sehr erleichtert“, dass
„wir auch mit eurer Unterstützung nicht einfach zuschauen müssen“. Eine
andere Firma teilt mit, man unterstütze das Vorhaben „unbedingt“ und
spreche sich „ohne Kompromisse gegen Hass und Hetze in jeder Form aus“.
Viele der Mieter:innen hätten sich bereits an die GSG gewandt, sagt
Stach.
Von der GSG heißt es auf taz-Nachfrage, man nehme „Rückmeldungen und
Beschwerden von Mietern grundsätzlich sehr ernst“ und suche, wenn es
„Gesprächsbedarf“ gebe, „den Austausch“. In Sachen Sicherheitsbeschwerden
und Kündigungsforderungen will sich der Sprecher nicht festlegen: „Hinweise
auf konkrete vertrags- oder gesetzesrelevante Sachverhalte“ prüfe die GSG
„selbstverständlich und leitet dann, wenn vertraglich oder gesetzlich
geboten, Maßnahmen ein.“
16 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.aqua-hoefe.de/
(DIR) [2] https://neinzunius.noblogs.org/
(DIR) [3] https://www.instagram.com/initiative_nius_raus
(DIR) [4] /Richterinnenwahl/!6099888
(DIR) [5] /Der-Onlinekanal-Nius/!6073595
(DIR) [6] /Kampagne-gegen-Nius-und-Frauenhass/!6164260
(DIR) [7] https://www.kiezraum.org/belegung/
(DIR) [8] /Linksaktivisten-gegen-Nius/!6169554
(DIR) [9] /Brandanschlag-auf-Stromnetz-in-Berlin/!6143455
## AUTOREN
(DIR) Timm Kühn
## TAGS
(DIR) Nius
(DIR) Berlin-Kreuzberg
(DIR) Rechtspopulismus
(DIR) Julian Reichelt
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) GNS
(DIR) Linksextremismus
(DIR) Julian Reichelt
(DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Vorwurf Vulkangruppen-Vordenker: „Im engeren Sinne ist das Bullshitting“
Der Wissenschaftler und Aktivist Guido Arnold wird von rechten Medien als
Vordenker der „Vulkangruppe“ bezeichnet. Der taz erklärt er, wie es
wirklich ist.
(DIR) Kampagne gegen Nius und Frauenhass: Reichelt in die Falle gelockt
Das Edelweiß-Netzwerk entlarvt mit einer Aktion die Doppelmoral rechter
Medienmacher und -konsumenten. Es ist der Start einer Kampagne gegen rechte
Medienplattformen.
(DIR) Der Onlinekanal Nius: Dreckschleuder für anti-rot-grüne Ressentiments
Multimillionär Frank Gotthardt fördert das rechtspopulistische Onlineportal
Nius. Inzwischen hat er auch eine TV-Lizenz.