# taz.de -- Kampagne gegen Nius und Frauenhass: Reichelt in die Falle gelockt
> Das Edelweiß-Netzwerk entlarvt mit einer Aktion die Doppelmoral rechter
> Medienmacher und -konsumenten. Es ist der Start einer Kampagne gegen
> rechte Medienplattformen.
(IMG) Bild: Leicht zu provozieren: Julian Reichelt
Auf einem Laster mit einer Großbildleinwand, der am Donnerstag durchs
Berliner Regierungsviertel fährt, ist Julian Reichelt zu sehen. Der
Ex-Bild-Chefredakteur und heutige Macher des rechten [1][Medienportals
Nius] guckt auf dem Foto freundlich-unschuldig, doch daneben steht in
großen Lettern: „Herr Reichelt ist limitiert. Und das beweist er praktisch
täglich. Es wäre gut, wenn intelligente Menschen in die Medien gehen
würden.“ Abwechselnd sind weitere Schmähzitate gegen Reichelt auf der
LED-Wand zu sehen, etwa: „Das Kranke und Böse steht dem Ex-Bild-Chef schon
ins Gesicht geschrieben.“
Nachdem ein [2][erstes Bild der Aktion auf X] vom Grünen-Europaabgeordneten
Erik Marquardt gepostet wurde, ließen die empörten Kommentare nicht lange
auf sich warten. Schnell erreichte die Aufregung die Nius-Redaktion selbst.
Redakteur Bendikt Brechtken schrieb: „Würde man das mit einem Politiker
machen, wäre eine Hausdurchsuchung unvermeidlich.“ Und Julian Reichelt
verbreitete einen Post eines Welt-Autors, in dem der „Umgang mit dem
vermeintlichen ‚Gegner‘“ angeprangert wurde. Bei anderen Usern kochte der
Zorn hoch: „Ich hätte schwören können, Linke sind geistig zurückgebliebene
Menschenfeinde.“
Was jene Kommentatoren dabei nicht wussten: Ihre Empörung müsste eigentlich
ihrer eigenen Blase gelten. Denn alle gezeigten Zitate stammen aus den
Kommentarspalten von Nius, verfasst von einer durch die Berichterstattung
des Portals aufgestachelten Leserschaft und ausschließlich gegen prominente
Frauen gerichtet. Reichelt und Co sind in eine Falle getappt und haben ihre
Doppelmoral offenbart.
In den Originalkommentaren auf Nius wurde Bundesarbeitsministerin Bärbel
Bas (SPD) als „limitiert“ bezeichnet, das „Kranke und Böse“ der
Ex-Kandidatin für das Bundesverfassungsgericht, Frauke Brosius-Gersdorf,
zugeschrieben. Es sind Beleidigungen, wie sie sich bei Nius zuhauf finden
und von der Redaktion offensichtlich toleriert, durch den eigenen
Kampagnenjournalismus geradezu provoziert werden.
## Unter Beobachtung
Die Aktion der falsch zugeordneten Zitate markiert den Startschuss für eine
Kampagne, die sich Edelweiß-Netzwerk nennt und der „rechten Medienmacht“ um
Nius, aber auch Portalen wie [3][Apollo News] entgegentreten will. In den
kommenden Tagen will man „den Frauenhass in rechten Filterblasen sichtbar
machen“, heißt es in einer Mitteilung.
Mitinitiator Peter Jelinek vom Verein TGF Media und ehemaliger
Pressereferent für die Grünen-Fraktion im Europaparlament, sagt: „Portale
wie Nius bauen mit ihren Kampagnen eine Rampe für den Frauenhass, der sich
dann ungehemmt entlädt.“ Dabei handele es nicht um Einzelfälle, die
Misogynie habe „Methode“, so Jelinek. Reichelt selbst hatte seinen Posten
als Bild-Chefredakteur [4][nach Vorwürfen des Machtmissbrauchs] und der
Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen gegenüber jungen Mitarbeiterinnen
verloren.
Online gegangen war das Edelweiß-Netzwerk, dessen Name an die jugendlichen
Widerstandsgruppen im Dritten Reich angelehnt ist, bereits Mitte Dezember –
[5][mit einem Video], in dem eine Person im schwarzen Kapuzenpulli
ankündigt, „Licht ins Dunkle“ der rechten Medien zu bringen, ihre Methoden
zu entlarven und „Hintermänner öffentlich“ zu machen. Darin heißt es:
„Jeden Tag fluten sie das Internet mit Lügen, Hass und Hetze. Journalismus
ist ihr Tarnmantel, aber ihr Geschäftsmodell ist Spaltung.“ Dabei seien
Nius und Co „längst im Mainstream angekommen“.
Wie wirkmächtig die rechten Portale dabei sind, hat die [6][Kampagne gegen
die Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf] gezeigt, die mit einem polemischen
Artikel auf Apollo News gestartet war. Damals postete Reichelt den Text
umgehend auf X mit den Worten: „Muss verhindert werden!“ Schon am Tag
darauf konnte Nius vermelden: „Immer mehr Unionspolitiker äußern Zweifel an
der Wahl von Brosius-Gersdorf.“ Und so kam es: Abgeordnete von CDU und CSU
kündigten an, die Kandidatin nicht zu wählen, Brosius-Gersdorf zog
schließlich zurück.
Schon zum Vorabstart im Dezember stellten die Aktivist:innen hinter
Edelweiß einen sogenannten Honeypot auf, eine Falle, in die die Rechten
hineintappen sollten. Sie schickten Mails an Nius-Mitarbeiter:innen mit der
Ankündigung, das Portal von nun an zu beobachten.
Und Reichelt reagierte. In einem Post berichtete er von Drohungen „im Stil
der militanten Antifa“. Die noch kaum beachtete Instagram-Seite ging danach
nach eigenen Angaben „viral“. Das Video, das den baldigen Start der
Kampagne ankündigte, erzielte bis zum Donnerstag mehr als 130.000 Views.
Die Ankündigung von Edelweiß für die Zukunft: „Wir unterstützen
demokratische Kräfte und gehen gegen die Neue Rechte online vor – mit
Recherchen, strategischem Campaigning und den Mitteln des Rechtsstaats.“
19 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Rechtes-Medienportal-Nius/!5945019
(DIR) [2] https://x.com/ErikMarquardt/status/2034640002320072805
(DIR) [3] /Apollo-News-gegen-Linke/!6116764
(DIR) [4] /Nach-Rauswurf-von-Bild-Chef-Reichelt/!5807207
(DIR) [5] https://www.instagram.com/reel/DSXUEHrkQtG
(DIR) [6] /Frauke-Brosius-Gersdorf-im-Gespraech/!6147056
## AUTOREN
(DIR) Erik Peter
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