# taz.de -- Nius-Werbung in der BVG: Weil wir Reichelt lieben
       
       > Das rechtspopulistische Portal Nius wirbt in der BVG mit Slogans gegen
       > öffentlich-rechtliche Medien. Das sorgt für Proteste, die BVG weist die
       > Verantwortung von sich.
       
 (IMG) Bild: Ausgerechnet die pseudocoole BVG macht Werbung für Nius, hier mit Campact-Protest
       
       Morgens, halb elf in Deutschland: Am Dardanellenweg in Mariendorf stehen
       zwei Mitarbeiterinnen der Kampagnenorganisation Campact und warten auf
       Julian Reichelt. Der Nius-Chefredakteur kommt dann auch sogleich angefahren
       – als überdimensional großes Abbild auf einem Doppeldeckerbus der Berliner
       Verkehrsbetriebe (BVG). [1][„Morgens um 6 schon wissen, was einem abends um
       8 verschwiegen wird“, prangt es unter seinem Gesicht.] Der Werbeslogan
       seines rechtspopulistischen Onlineportals spielt auf die „Tagesschau“ um 20
       Uhr an. Die Botschaft: Öffentlich-rechtliche Medien würden Bürger*innen
       bewusst Informationen vorenthalten.
       
       Nius wirbt seit vergangener Woche auf Werbeflächen der BVG; zunächst in der
       U-Bahn, seit Anfang dieser Woche rollt die Anti-Mainstream-Media-Message
       auch auf einem Bus der Linie 282 vom Breitenbachplatz in Steglitz zum
       Dardanellenweg in Mariendorf. Begleitet wird er seit Dienstagmorgen von
       einem Campact-Truck mit der LED-Aufschrift: „Morgens um 6 schon Lügen und
       Hetze verbreiten.“ So zumindest in der Theorie. An der Umsetzung hapert die
       Protestaktion zunächst: Im Berliner Verkehr verliert der Truck den Bus
       zwischenzeitlich aus den Augen, per Live-Standort-Verfolgung und
       Anweisungen via Walkie-Talkie versucht das Team, den Bus wieder einzuholen.
       
       Die Nius-Werbung in der BVG hat eine Welle der Kritik ausgelöst. Eine
       [2][Online-Petition von Campact] unter dem Motto „Keine rechte Angstmache
       in der BVG!“ zählt inzwischen bereits mehr als 128.000 Unterschriften.
       Darin heißt es: Das [3][Onlineportal von Julian Reichelt] „fällt wiederholt
       durch [4][Desinformation, Verstöße gegen journalistische Sorgfalt,
       rechtspopulistische Zuspitzungen, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit]
       und undifferenzierte Angriffe auf zivilgesellschaftliches Engagement auf“.
       Die Forderung an die BVG: „Positioniert euch klar gegen rechtspopulistische
       Angstmache in Berliner U-Bahnen – auch auf euren Werbeflächen!“
       
       Kritik kam auch von der Initiative [5][„Springer raus aus der BVG“], die
       inzwischen 14.000 Follower auf Instagram zählt. Die Eisenbahn- und
       Verkehrsgewerkschaft (EVG) sprach sich in einem Instagram-Post gegen die
       „Rechtspopulisten-Werbung“ aus; in einem [6][offenen Brief an die BVG]
       kritisierten die Vorsitzenden der Deutschen Journalistinnen- und
       Journalisten-Union (dju) in Verdi: „Die Entscheidung, diese Werbung zu
       schalten, mag juristisch zulässig sein – aber kein guter Look für eine BVG,
       die für alle Berliner*innen da ist.“
       
       Bei rund 1,5 Millionen Fahrgastfahrten pro Tag in der Berliner U-Bahn ist
       die Reichweite der Werbeflächen in den Zügen durchaus hoch. Als
       landeseigenes Unternehmen trage die BVG eine „besondere gesellschaftliche
       Verantwortung“, äußerte sich auch Grünen-Fraktionschef Werner Graf. Er
       warnt: „Öffentliche Infrastruktur darf nicht zur Bühne für spalterische
       Stimmungsmache werden.“
       
       ## BVG gibt sich unschuldig
       
       Die BVG weist unterdessen öffentlich jede Verantwortung von sich. In einem
       Statement heißt es: „Wir vermieten die Flächen nicht selbst, sondern haben
       die Werberechte an einen externen Vermarkter gegeben.“ Die BVG dürfe
       Werbung nicht ablehnen, nur weil sie den Absender oder deren Werbung nicht
       gut fände. Eine Ausnahme gelte nur bei möglichen Rechtsverstößen: Dann
       könne man einzelne Motive ablehnen, nicht aber den Absender der Werbung
       selbst. Während die BVG öffentlich dementiert, etwas mit der Entscheidung
       über die Annahme der Nius-Werbung zu tun zu haben, heißt es auf wiederholte
       Nachfrage der taz plötzlich: „Die Werbeschaltung wurde im Unternehmen
       intensiv diskutiert und umfassend rechtlich bewertet.“
       
       Auch der externe Vermarkter für die Werbung in den Waggons, die Wall GmbH,
       erklärte gegenüber der taz, man habe die Nius-Motive intensiv daraufhin
       geprüft, ob sie gegen geltende Gesetze und Regeln verstießen. „Ein solcher
       Verstoß konnte nicht festgestellt werden“, hieß es. Weil man der Presse-
       und Meinungsfreiheit verpflichtet sei, habe man den Aushang zugelassen.
       
       Doch dieser Maßstab scheint nicht überall zu gelten: Eine Werbeanfrage der
       Initiative „Springer raus aus der BVG“ sei nach eigenen Angaben von einem
       externen Vermarkter der BVG, dem Berliner Fenster, abgelehnt worden. Weder
       die Betreiberfirma des Berliner Fensters noch die BVG äußerten sich auf
       Anfrage zu den Gründen.
       
       ## Sticker überklebt
       
       Während die BVG sich hinter externen Zuständigkeiten versteckt, zeigen
       Aktivist*innen Haltung: Bei einer Protestaktion am Montagabend
       überklebten Aktivist:innen der [7][Initiative Nius raus aus der GSG“]
       Nius-Werbung in U-Bahnen mit eigenen Slogans im Nius-Branding: „Morgens um
       6 schon wissen, wie 1933 alles anfing“, oder „Die Wahrheit: wir sind
       broke“. Laut einem Leak hatte Nius zuletzt nur 46 zahlende
       Abonnent*innen im Premiumtarif für 199 Euro pro Jahr. Zur Wahrheit
       gehört aber auch: Finanziert wird Nius vom millionenschweren
       Software-Unternehmer Frank Gotthard. Wirtschaftlicher Druck dürfte daher
       begrenzt sein.
       
       Laut Nius-Geschäftsführer Julian Reichelt ist die U-Bahn-Werbung erst der
       Anfang. Die Motive seien außerdem in „zahlreichen“ Bahnhöfen sowie auf
       sogenannten Citylights – hinterleuchteten Werbeflächen – in Berlin und
       Magdeburg zu sehen, so Reichelt auf X. Und tatsächlich: An vielen
       Werbetafeln in Berlin kommt man an der Nius-Werbung kaum noch vorbei. In
       rechten Kreisen wird die Werbekampagne zynisch weitergedreht. Auf X
       kursieren zahlreiche KI-Fakes: Mal prangt ein riesiges Nius-Banner am
       ARD-Hauptstadtstudio, mal hat sich die Linke-Bundestagsfraktionschefin
       Heidi Reichinnek die Werbung auf den Oberarm tätowiert.
       
       2 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Nius-Werbung-in-Berliner-U-Bahn/!6181873
 (DIR) [2] https://weact.campact.de/petitions/keine-rechte-angstmache-in-der-bvg
 (DIR) [3] /Ermittlungen-gegen-Nius-Chefredakteur-Julian-Reichelt/!6124842
 (DIR) [4] /Kampagne-gegen-Nius-und-Frauenhass/!6164260
 (DIR) [5] /Kunstaktion-gegen-Springer-Gruppe/!6145192
 (DIR) [6] https://www.verdi.de/medien/presse/pressemitteilungen/offener-brief-dju-verdi-kritisiert-nius-werbung-bvg
 (DIR) [7] /Rechtes-Medienportal-von-Julian-Reichelt/!6170651
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lilly Schröder
 (DIR) Anna Simbuerger
       
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