# taz.de -- Der Geschmack von Pastéis de Nata: Und die kalten Kacheln auf der warmen Haut
       
       > Mit der Pastelaria von Belém kann die portugiesische Bäckerei im Kiez
       > nicht mithalten. Aber sie weckt Erinnerungen an einen heißen Nachmittag
       > in Lissabon.
       
       Mit seinen blonden Locken, zerzaust, als wäre er gerade aufgestanden, und
       mit riesigen Augen – zwei Kugeln, in deren Tiefe etwas Blaues aufleuchtet –
       fragt er mich, was ich möchte. Er weiß aber nicht, was ein Cortado ist,
       also gebe ich mich mit einem Cappuccino zufrieden. Er zeichnet weder ein
       Herz noch ein Blatt in den Milchschaum, und das gefällt mir. Auch dass der
       Cappuccino heiß ist, obwohl ich vergessen habe, ihn „extra heiß“ zu
       bestellen, wie ich es immer mache, damit er nicht lauwarm ist.
       
       Was ich auch an dieser portugiesischen Bäckerei in meinem Kiez mag, ist,
       dass ich, wenn ich dort bin, tatsächlich das Gefühl habe, irgendwo im
       Süden, vielleicht ja in Portugal zu sein. In einer Ecke steht eine Madonna
       im goldenen Mantel, weiße Kacheln bedecken die Wände, neben der Tür hängt
       ein Bild von einem Strand mit Möwen. Man hört das leise Brummen der
       Kühlschränke, es läuft keine Musik. Im hinteren Raum, wo die Öfen stehen,
       ist es dunkel, als müsste man ihn vor der Sonne schützen.
       
       Jedes Mal, wenn ich da bin, versetze ich mich zurück an einen Nachmittag in
       Lissabon, vor mehr als zehn Jahren. Wir hatten Pastéis de Nata aus der
       Pastelaria von Belém gegessen, wo, so sagt man, die besten der Stadt
       gebacken werden. Zur Siesta-Zeit, als alle Läden wegen der Hitze schließen,
       legten wir uns unter die Arkaden eines Museums und schliefen ein. Ich
       erinnere mich an die kühle Berührung der Fliesen am Körper, an ihr
       geblümtes Kleid und an den Shampooduft ihres Haares. Dann gingen wir zum
       Hafen.
       
       Jetzt steht der Bäcker mit den Locken draußen, der Rücken mir zugewandt.
       Über seinem vom Licht erhellten Kopf hängen noch die Wimpel vom letzten
       Straßenfest und werden von einer leichten Brise bewegt. Er raucht, und es
       kommt mir vor, als wäre er am Meer und würde auch, wie wir damals in Belém,
       die Schiffe beobachten.
       
       26 May 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Luciana Ferrando
       
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