# taz.de -- Besuch auf dem Land: Oh, wie herrlich! Frischluft!
> Vom Hochbett aus ist die Aussicht am schönsten. Vorsicht jedoch an der
> Leiter beim Herunterklettern – sonst landet der Fuß womöglich, wo er nie
> hinwollte.
Zu Besuch bei einer Freundin auf dem Land. Sie zeigt mir die neue Wohnung.
Sehr luftig und frei, helles Parkett, das Bad ein Mini-Hamam mit
wunderschönen Turquoisekacheln. Unterm Dach noch eine große Fläche, die man
über eine stabil eingebaute Holzleiter erreicht. Komm, da oben ist’s am
schönsten, sagt sie und ist wieselflink schon auf dem Hochplateau. Ich
folge ihr. Die Leiter führt auf einen Absatz und von dort aus links weiter
nach oben.
Uh!, entfährt es mir, als ich den Absatz erreiche, ich fixiere das Fenster
direkt daneben. Was ist?, fragt sie, und just strauchle ich. Kann mich
gerade noch fangen. Was’n?, insistiert sie von oben herunter. Ach nix –,
sag ich vage, und dann: Déjà-vu. Paar Jahre her. Nach der Bar mit jemandem
mitgegangen.
Sind erst noch in eine Neuköllner Eckkneipe – was Rosa-Klebriges getrunken
–, dann über die Straße, fremde Wohnung, Dachgeschoss. Zum Hochbett
hochgestiegen, und dort den Abend noch ein bisschen verlängert. Dann wurde
neben mir plötzlich tief geschlafen, und die drei Katzen stromerten über
uns im Morgengrauen wie müde Nordlichter. Ich geh jetzt mal nach Hause,
beschloss ich. Wanke zur Leiter. Arbeite mich nach unten, Sprosse für
Sprosse. Anstrengend und zugleich auch nicht, Segen und Fluch dieser
Abende. Wo ist die nächste Sprosse? Wo? Ratsch.
Wie schön, Frischluft!, stelle ich fest. Dann erst: dass ich bis zur Hüfte
aus dem Haus hänge, die letzte „Sprosse“ war die Außenfensterbank gewesen.
Ich hatte vergessen, dass die Leiter nach dem Absatz rechts weiterführt –
und geradeaus ein Fenster ist, das offen steht. Genau wie hier. Irgendwie
hatten sich meine Finger aber beim Sturz an einer Kante festgeschweißt. War
also nur ein halber. Konnte mich mit Ach und Krach wieder ins Innere
hangeln.
Passiert kein zweites Mal, sag ich, als ich oben bin – und zwinkere
vergnügt ins Gegenlicht.
20 May 2026
## AUTOREN
(DIR) Felix Primus
## TAGS
(DIR) Kolumne Szene
(DIR) Alltag
(DIR) Luft
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Kolumne Szene
(DIR) Kolumne Szene
(DIR) Kolumne Szene
(DIR) Kolumne Szene
(DIR) Kolumne Szene
(DIR) Kolumne Szene
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) S-Bahn-Verkehr: Cola und Radieschen
Im Frühling haben Tinder und Co ausgedient. Die Öffentlichen werden wieder
zum Dating-Portal.
(DIR) Nächtliche Roller-Raudis: Instant-Karma für den König der Welt
Highspeed auf zwei Rädern in Berlin-Wedding: Am Klang erkennt man bereits
deutlich die Vierstelligkeit des entstandenen Sachschadens.
(DIR) Freilaufende Troubadixe: Sie röhren unablässig
Im Hamburger Stadtraum scheinen sich Sangeskünstler:innen ganz
besonders wohl zu fühlen. Pausenlos beschallen sie den Balkon unserer
Autorin.
(DIR) Der Kanzler in der Oper: Viel mehr als das Wort
Das Publikum hält den Atem an, als Ehrendirigent Zubin Mehta Beethoven
anstimmen lässt. Auch ein Gast oben im Rang ist sichtlich bewegt.
(DIR) Chattie um Rat fragen: Wegen Koks auseinander gelebt
Wie hoch ist der Eintritt vom besten Club der Welt? Darüber schnacken Bro
und Digger im 44 Brekkie. Und essen am Wochenende schon mal im Borchardts.
(DIR) Zu Besuch bei Ludwig Zwo: Das Erbe der Nachtschwalbe
Während des Immobilienchecks bei Bajuwarenkönig Ludwig Zwo können samtene
Treppen auch einen Wettstreit anregen. Oder man isst lieber ein Eis.