# taz.de -- Krähen und Greifvögel: Hitchcock 2.0
> Auf Schildern und in Foren wird vor Attacken von Krähen, Bussarden und
> Steinadlern gewarnt, die sich Hitchcock nicht besser hätte ausdenken
> können.
Nur Felder, Wiesen, Wald, mein Fahrrad und ich. Kein Auto, kein Motorrad,
kein Nordic Walker. In der Entfernung ein Warnschild mit Vogelsilhouetten.
Aha, hier verteidigen Krähen ihre Jungen. Kennt man ja aus Berlin. Jedes
Frühjahr die Pressemeldungen, dass schwarze Flügel Passantenköpfe
touchieren, wenn die noch flugunfähigen Jungvögel nebenan im Gebüsch
hocken.
Ein Freund berichtet empört, eine Krähe hätte ihn sogar in die Glatze
gehackt. Im Nachbarschaftsforum, wo sonst Schlittschuhe, Katzenstreu und
Babykleidung verschenkt werden, hat eine Frau angeblich an einem See Krähen
beobachtet, die in Seeadler-Manier Entenküken erbeutet hätten. Gleich füllt
sich das Forum mit weiteren Horrormeldungen: Krähen jagen Mäuse und
Eichhörnchen, fressen Igel bei lebendigem Leib, fallen kleine Hunde an und
klauen Grillgut!
Wer Hitchcocks „Vögel“ nicht kennt, sollte das unbedingt nachholen. In dem
Film werden selbst kleine Ziervögel zu mörderischen Bestien. Mittlerweile
bin ich am Warnschild angekommen. Hier fallen einen nicht Krähen, sondern
Greifvögel an. Auch sie verteidigen ihre Brut. Vor allem in den Monaten Mai
und Juni sollte man in Horstnähe nicht joggen, sprinten oder Rennrad
fahren. Und keine auffällige Kleidung tragen. Sonst kommt der Mäusebussard
und schlägt einem die Krallen in den Hinterkopf. Und wenn man sich zur Wehr
setzt, hackt er auch noch in die Hände. Zum Schutz wird ein Regenschirm
empfohlen.
Ich habe aber nur ein Fernglas dabei. Ich steige vom Rad und starre in
Baumwipfel und Kumuluswolken. Weit und breit kein Bussard oder gar
Steinadler zu sehen. Auf dem Feld latschen nur ein paar träge Tauben rum,
als hätten sie noch nie was von Hitchcock gehört. Irgendwie schade … Ich
fand den Film immer toll!
31 May 2026
## AUTOREN
(DIR) Gabriele Frydrych
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