# taz.de -- Historikerin auf Instagram: Queer verliebt in der frühen Neuzeit
       
       > Was in jeden Feed gehört: die Geschichten auf yesterqueers der
       > Historikerin Amanda Timpson. Denn sie erzählen davon, was immer schon
       > normal war
       
 (IMG) Bild: Die Insta-Historikerin yesterqueer
       
       Wer an die Lüge einer queeren Agenda glaubt, dem verdirbt Thomas(ine) Hall
       den Spaß. Geboren Anfang des 17. Jahrhunderts in England, lebte sie als
       Frau, war als Soldat bei ein paar Schlachten dabei, lebte als Frau, reiste
       als Vertragsknecht im Zuge der Kolonialisierung nach Virginia, lebte wieder
       als Frau: ein Albtraum für queerfeindliche Menschen heute, die alle und für
       immer in [1][zwei starre Kategorien] pressen wollen – und auch für Halls
       Zeitgenoss*innen.
       
       Die hatten vor allem ein Problem: Wie sollten sie Hall für die Beziehung zu
       einer Frau bestrafen? Eine Beziehung zwischen zwei Frauen war damals in der
       Gegend wohl nicht denk- und daher auch nicht strafbar; die zwischen einem
       unverheirateten Mann und einer unverheirateten Frau aber schon.
       
       Also zerrten sie Hall vor Gericht. Wär’ doch gelacht, wenn man eine
       genderqueere Person nicht bestrafen könnte! Es folgten erzwungene und
       erniedrigende Untersuchungen ohne klares Ergebnis. Verurteilt hat man Hall
       – frech, einfach selbstbestimmt zu leben! – trotzdem.
       
       Hall musste Männerkleidung tragen, dazu allerdings Schürze und Kopftuch.
       Ein Outfit, das outet und ausschließt. Wie es mit Hall weiterging, ist
       unklar. Klar ist aber: Nonkonformismus in Sachen Gender gibt es schon
       lange.
       
       ## Feine Mischung
       
       Dass queere Menschen [2][immer schon gelebt haben], zeigt Historikerin
       Amanda Timpson auf dem [3][Insta-Account yesterqueers], in dem sie bekannte
       und weniger bekannte Queers vorstellt, egal ob sie im 17. Jahrhundert
       Virginia kolonisieren sollten, bei Stonewall Polizisten geschlagen oder in
       den 2010er Jahren die Sportwelt veränderten.
       
       Timpson blickt auf jene, die in der Wissenschaft übersehen oder auf die in
       der Gesellschaft herabgeschaut wurde. Und rührt eine feine Mischung an aus
       Wissensvermittlung, Humor, Aktivismus.
       
       Queere Menschen haben immer schon die Welt verändert. Timpsons
       Beweisführung gehört in jeden Feed. Nicht nur im Pride-Month.
       
       15 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Aktivist_innen-ueber-Intergeschlechtlichkeit/!5809299
 (DIR) [2] /Kuku-Schrapnell-Gender-Punks/!6160177
 (DIR) [3] https://www.instagram.com/yesterqueers/?hl=de
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johannes Drosdowski
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Queer
 (DIR) Kulturgeschichte
 (DIR) Gender
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Identitätspolitik
 (DIR) Komische Oper Berlin
 (DIR) Gegenwartsliteratur
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Queere Debatten: Nicht hetero zu sein, ist noch nicht politisch
       
       Queersein alleine ist nicht automatisch emanzipatorisch. Denn politisches
       Potenzial entsteht nur dort, wo es um mehr geht, als private Lebensführung.
       
 (DIR) SciFi-Oper „Orlando“ von Olga Neuwirth: Nur der Boxsack ist analog
       
       „Orlando“ zwischen Glitch und Videografie: An der Komischen Oper Berlin
       wird ein Werk von Olga Neuwirth mit hybridem technischem Klimbim
       inszeniert.
       
 (DIR) Kuku Schrapnell „Gender Punks“: Schon immer Punk
       
       Queere Ikonen seit 1750: Kuku Schrapnell erzählt in „Gender Punks“
       Geschichten von transgeschlechtlichen Personen vergangener Jahrhunderte.