# taz.de -- Kuku Schrapnell „Gender Punks“: Schon immer Punk
       
       > Queere Ikonen seit 1750: Kuku Schrapnell erzählt in „Gender Punks“
       > Geschichten von transgeschlechtlichen Personen vergangener Jahrhunderte.
       
 (IMG) Bild: Gut behütet: Lucy Hicks Anderson (1886-1954)
       
       Sie sind Soldaten in Armeen, Piraten auf hoher See, Sexarbeiterinnen in
       Bordellen, adelige Damen, Priesterinnen und Rebellenführer. Kuku
       Schrapnells Protagonist:innen klingen wie Figuren aus einem
       Abenteuerroman. Dabei geht es in ihrem Buch „Gender Punks“ nicht um fiktive
       Held:innen und Bösewichte, sondern um Menschen aus Fleisch, Blut und
       Schleim, die es wirklich mal gab. Oder zumindest so ähnlich.
       
       Schrapnell begibt sich auf die Suche nach trans- und intergeschlechtlichen
       Personen in der Geschichte. Das ist nicht so einfach, weil die
       traditionelle Geschichtsschreibung nicht gespickt ist mit Persönlichkeiten,
       die sich von dem Geschlecht, dass ihnen bei der Geburt zugeschrieben wurde,
       abwandten und sich neu erfanden. Häufig finden sich Spuren dieser
       historischen Gender Punks, wie Schrapnell sie nennt, in Gerichts- oder
       Krankenakten oder in reißerischen Presseberichten. Sie wurden aus der
       Perspektive von Normgesellschaften beschrieben, die sie oft noch
       verfolgten.
       
       Die erzählerische Annäherung an die Biografien einiger gender-nonkonformer
       Personen der westlichen Neuzeit ist selbst eher Punk als
       geschichtswissenschaftlich akkurat. Dass man vielleicht nicht jedes Detail
       auf die Goldwaage legen kann, macht nichts, denn es sind allesamt gute
       Storys. Obwohl Schrapnell – die selbsternannte Rosamunde Pilcher des
       Queerfeminismus – manche Passagen mit einem Augenzwinkern erzählt und immer
       mal wieder ihre eigenen Kommentare einfließen lässt, nimmt sie ihre
       historischen Figuren doch immer ernst.
       
       ## Patriarchale Gesellschaft contra Gender Punks
       
       Auf 132 Seiten lässt Kuku Schrapnell den Blick vom 17. bis ins 20.
       Jahrhundert schweifen, schaut mal genauer hin, wo Spannendes passiert, mal
       demonstrativ weg, wo sich die zweigeschlechtlich organisierte patriarchale
       Gesellschaft gegenüber den Gender Punks zu hässlich verhält. Sie begegnet
       dabei unter anderem Anastasius Lagrantinus Rosenstengel im heutigen
       Thüringen, Romaine-la-Prophétesse im heutigen Haiti, Lucy Hicks Anderson in
       den USA und der Danshō Okiyo in Japan.
       
       „Gender Punks“ berichtet vom Aufbäumen gegen die herrschende Ordnung und
       von staatlicher Repression und gesellschaftlicher Ächtung. Trotz der
       massiven Gewalt, die mit den Geschichten von trans- und
       intergeschlechtlichen Personen verknüpft ist, ist das Buch eine ermutigende
       und witzige Lektüre über die Kraft selbstbestimmten Lebens.
       
       Immer wieder lässt die Autor:in in ihre Erzählungen auch persönliche
       Überlegungen zur Transition einfließen. Sie geht auf die Frage ein, wie wir
       vergangene Zeiten mit Begriffen beschreiben können, die es damals noch
       nicht gab. Und plädiert für einen Blick auf Euphorie statt auf Dysphorie,
       wenn wir heute über Transgeschlechtlichkeit sprechen.
       
       Kuku Schrapnell schreibt kurzweilig und trotzdem deep, rotzig und
       einfühlsam – immer wieder sind die Geschichten durchzogen von (teils
       eitrigem) Schleim. Nicht nur um zu verstehen, was es damit auf sich hat,
       sollte man dieses Buch lesen.
       
       17 Mar 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rosa Budde
       
       ## TAGS
       
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