# taz.de -- Klogespräche im Verkehrsministerium: Verkehrspolitik zum Abdrücken
       
       > Wer würde nicht gern mal Mäuschen spielen, wenn in Ministerien über
       > Kampagnen sinniert wird? Unsere Autorin hat davon geträumt. Schön war das
       > nicht.
       
 (IMG) Bild: Ich wachte vom Rauschen der Klospülung auf
       
       Ich hatte einen Traum. Es war jetzt kein großer Offenbarungstraum à la
       Pfingsten. Aber doch irgendwie aufschlussreich. In meinem Traum war ich im
       Bundesverkehrsministerium auf der Toilette. Die Kabinen hatten zur Decke
       hin einen breiten Spalt, so dass man gut hören konnte. Türen gingen,
       Kleidung raschelte.
       
       Person A: Schon gehört? Wir investieren jetzt doch nicht stärker in den
       Ausbau von Radwegen an Bundesstraßen.
       
       Person B: Oh, da müssen wir jetzt aufpassen, dass nicht der falsche
       Eindruck entsteht, [1][sicheres Radfahren] wäre uns egal.
       
       A: Stimmt, voll gefährlich! Wenn sich in der Bevölkerung erst mal so eine
       Wahrnehmung verfestigt hat, ist das ganz schwer, da wieder rauszukommen.
       
       B: Ja, deshalb sollten wir gleich eine tolle Kampagne starten!
       
       A: Cool! Wie wäre es mit „gegenseitige Rücksichtnahme“? Da geht doch jeder
       mit!
       
       B: Na ja … Das hatten wir schon mehrfach. Und außerdem kommen dann wieder
       irgendwelche Lastenrad-Fanatiker und sagen, es sei „ungerecht“, einem
       zwölfjährigen Kind auf dem Schulweg dieselbe Verantwortung aufzubürden wie
       dem Fahrer eines Zwei-Tonnen-SUV. Nee, wir brauchen was Neues.
       
       A: Hmm, wie wäre irgendwas mit Kindern? Kinder und Tiere gehen doch immer.
       
       B: Ja, sehr gut, Kinder! Lass uns einen Preis stiften. Irgendwas, wo tolle
       Ideen prämiert werden. Für Sicherheit für Kinder im Verkehr!
       
       A: Klasse! Du meinst so was wie Tempo 30 innerorts, [2][Superblocks] oder
       Schulstraßen?
       
       B: Nee, das sind doch keine neuen Ideen. So was machen andere Länder doch
       seit Jahren. Da weiß doch jeder, dass es funktioniert. Wir brauchen
       irgendwas wirklich Neues, das wir bühnentauglich auszeichnen können.
       Irgendwas Witziges, Social-Media-Taugliches …
       
       A: Wie wäre es dann mit einem Förderpreis, den wir „Junge Generation –
       aktiv mobil“ nennen? Da können wir dann so tun, als tun wir was, indem wir
       irgendwen auszeichnen und vielleicht sogar Feldversuche planen, die wir
       dann irgendwann später einfach auslaufen lassen.
       
       B: Super, so machen wir das!
       
       Ich wachte vom Rauschen der Klospülung auf. Und googelte erst mal, was
       Toilettenträume bedeuten: Sie sind Symbole psychischer Reinigung und
       geprägt von dem Bedürfnis, negative Emotionen loszuwerden. Je nun, negative
       Emotionen beim Thema Verkehrspolitik …? Anschließend schaute ich in die
       Nachrichten und las von einem „tragischen Verkehrsunfall“ mit
       Radfahrerbeteiligung. Da hatte sich also einmal mehr der Himmel geöffnet
       und einen abbiegenden Lkw in die Kreuzung geworfen, just als ein Kind dort
       querte. Tragisch halt, kann man nichts machen.
       
       Okay, die Gelder für Radwege an Bundesstraßen schrumpfen, [3][in Berlin
       wird gerade das Radverkehrsgesetz ausgehebelt] und auf Krise folgt nach wie
       vor nur [4][Tankrabatt]. Aber kein Grund für negative Emotionen: Die
       Kampagne des BMV ist klasse! Ich bin jetzt schon gespannt auf die Ideen.
       
       Vielleicht irgendwas mit KI-gesteuerten Sprungfedern in Kinderschuhen, die
       via Sensor bei einem sich nähernden Auto ausgelöst werden? Oder
       kreischlaute Abbiege-Warntöne à la Transporter-Rückwärtsfahr-Piep?
       Begleitdrohnen, die im Falle einer Gefährdung Schutzsäcke auf Radfahrende
       feuern? Ich bin gespannt auf kreative Ideen zum „Weiter so“.
       
       21 May 2026
       
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