# taz.de -- Waffenlieferant für Rechtsterror: NSU-Helfer Wohlleben wieder auf freiem Fuß
       
       > Er lieferte dem NSU die Mordwaffe, gibt sich bis heute ungeläutert: Nun
       > hat Ralf Wohlleben seine Haftstrafe verbüßt. In der Szene wird er
       > gefeiert.
       
 (IMG) Bild: Ralf Wohlleben am 264. Prozesstag im NSU-Prozess im Landgericht in München am 24. Februar 2016
       
       Er gibt sich bis heute ungeläutert, nun ist er wieder auf freiem Fuß: der
       frühere [1][NSU-Waffenlieferant Ralf Wohlleben]. Eine Sprecherin der
       Bundesanwaltschaft bestätigte der taz, dass der 51-Jährige am Montag aus
       der JVA Burg in Sachsen-Anhalt entlassen wurde. Seine Haftstrafe sei
       vollständig verbüßt, er erhalte aber Führungsauflagen. Welche das sind,
       ließ die Sprecherin offen.
       
       Wohlleben, der einst für die NPD in Thüringen aktiv war und zuletzt in
       Sachsen-Anhalt lebte, hatte dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ die
       Česká-Pistole organisiert, mit der die Rechtsterroristen neun ihrer zehn
       Morde begingen, von 2000 bis 2006. Dafür wurde Wohlleben nach Auffliegen
       des NSU 2011 verhaftet und 2018 im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht
       München [2][zu zehn Jahren Haft verurteilt].
       
       Nachdem er nach dem Urteil zunächst auf freiem Fuß war, [3][saß er ab
       Anfang 2023 seine Reststrafe ab]. Der Bundesgerichtshof hatte eine
       vollständige Verbüßung seiner Haft angeordnet. Für Wohlleben gebe es „keine
       günstige Prognose“ in Freiheit, er habe sich mit seiner NSU-Terrorhilfe
       „allenfalls oberflächlich“ auseinandergesetzt, hielt er in einem Beschluss
       fest.
       
       Auch bestehe Wohllebens „ausländerfeindlich-rassistische Gesinnung“ fort.
       Noch in der Haft habe er etwa Briefe so beschriftet, dass sich Buchstaben
       zu Hakenkreuzen verbanden – und dies später als „Versuche der Kalligrafie“
       abgetan. Zudem halte er eine „Vielzahl“ an Kontakten in die rechtsextreme
       Szene, darunter [4][zur 2020 in München als Rechtsterroristin verurteilten
       Susanne G.]
       
       ## Die Neonazi-Szene feiert Wohlleben
       
       Vom NSU-Terror hatte sich Wohlleben bis zuletzt nicht distanziert, in der
       rechtsextremen Szene genießt er auch deshalb Promi-Status. Erst zuletzt
       hatten Neonazis in Berlin für die Freiheit von „nationalen Gefangenen“
       demonstriert, [5][darunter auch für ihn]. Zuvor schon gab es
       Spendensammlungen oder Rechtsrockkonzerte für Wohlleben. Als der
       Familienvater zwischenzeitlich auf freiem Fuß war, lebte er im Umfeld des
       einstigen Leiters der [6][inzwischen verbotenen Artgemeinschaft].
       
       Die rechtsextreme „Gefangenenhilfe“ lobte am Mittwoch denn auch die
       Standhaftigkeit Wohllebens: Wo andere in Haft „versagten“, könne man auf
       ihn „mit Stolz“ blicken, hieß es in einem Social-Media-Beitrag. „Du bist
       geschnitzt aus dem besten Holz.“
       
       Die Thüringer Linken-Innenpolitikerin Katharina König-Preuss sprach dagegen
       von einem „schlechten Tag für die Sicherheit“ und für die Angehörigen der
       NSU-Terroropfer. Auch sie betonte, dass Wohlleben „bis heute keinen Beitrag
       zur Aufklärung des NSU-Komplexes geleistet“ habe.
       
       „Entscheidende Fragen, inbesondere der Angehörigen, sind weiterhin
       unaufgeklärt.“ Zudem bewege sich Wohlleben weiter in einem
       „hochgefährlichen Milieu“. Es sei davon auszugehen, dass er in der Szene
       wieder eine „relevante Rolle“ einnehmen werde.
       
       Neben Wohlleben waren im NSU-Prozess noch die Rechtsextremen Beate Zschäpe,
       Holger Gerlach, André Eminger und Carsten Schultze für die Terrorserie
       verurteilt worden. Außer Zschäpe sind alle wieder auf freiem Fuß. Als
       weitere NSU-Helfer wurde zuletzt nur noch die einst beste [7][Freundin
       Zschäpes, Susann Eminger,] angeklagt, die Ehefrau von André Eminger. Sie
       steht derzeit vor dem Oberlandesgericht Dresden. Ein Urteil könnte im Juli
       fallen.
       
       20 May 2026
       
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 (DIR) Konrad Litschko
       
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