# taz.de -- Daniel Günther ist CSD-Schirmherr: Signal vom mittelalten, weißen Hetero-Mann
       
       > Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther setzt sich gern von
       > seiner CDU ab. Nun ist er als erster Landesvater Schirmherr aller CSDs im
       > Land.
       
 (IMG) Bild: 2025 zum ersten Mal gefeiert, 2026 schon vom Landesvater protegiert: CSD in Wacken
       
       Das Beschirmen von Veranstaltungen oder Institutionen gehört zu den
       üblichen Aufgaben von Landesvätern und -müttern. So kommt im Lauf der Zeit
       ein buntes Sammelsurium von Dingen zusammen, die unter die Schirmherrschaft
       von Ministerpräsident:innen geraten. In Schleswig-Holstein sind es
       etwa ein Hospiz, der [1][Kieler Knabenchor] und die kommunale Initiative
       „CEO der Zukunft“, die Manager:innen für lokale Unternehmen sucht.
       Dennoch: Dass der CDU-Politiker Daniel Günther in diesem Jahr als erster
       Ministerpräsident die Schirmherrschaft für alle Christopher Street Days im
       Land übernimmt, ist schon ein Statement.
       
       Als solches ist es auch gemeint. Er unterstütze die rund 20 Demonstrationen
       für sexuelle Vielfalt in Schleswig-Holstein „aus Überzeugung“, sagte
       Günther. „Denn für mich gilt: Wer Menschen aufgrund ihrer Identität
       angreift, greift unsere Gesellschaft als Ganzes an.“ Die CSDs erinnerten
       daran, dass „Gleichberechtigung kein Selbstläufer ist, sondern immer wieder
       verteidigt und gestärkt werden muss“.
       
       Das gilt gerade in diesen Zeiten, in denen die Gesellschaft einen
       Rechtsruck erlebt, der mit verbalen und körperlichen Angriffen auf
       Angehörige von Minderheiten einhergeht.
       
       Einen Teil der Schuld daran trägt auch die CDU, die unter Friedrich Merz in
       eine konservativere Richtung abgebogen ist. Diese Haltung verkörpert der
       Kanzler selbst, der in einer Wahlkampfrede die „Mehrheit der Bevölkerung,
       die noch alle Tassen im Schrank haben“, gegen „irgendwelche Grünen und
       linken Spinner“ abgrenzte. Er erntete dafür Hohn, Spott und [2][jede Menge
       Tassen] – aber er traf eben auch den Nerv vieler, die meinen, die
       Positionen von Minderheiten seien in jüngster Zeit zu sehr in den
       Mittelpunkt gerückt.
       
       ## Debatten mit Schaum vor dem Mund
       
       Ja, selbst in meiner Bubble gibt es Menschen, die sich unendlich über
       Gendersternchen oder Glottisschlag – die kleine Pause beim Sprechen, die
       eine akustische Regenbogenfahne setzt – aufregen können. Mit Schaum vor dem
       Mund werfen sie sich in die Debatte, meist mit dem Aufschrei: „Gibt es
       nichts Wichtigeres?“ Die Antwort: „Klar, gibt es, und es zwingt dich doch
       niemand, zu gendern“ führt leider zu nichts. Diese Menschen fühlen sich von
       Sternchen verfolgt und von Doppelpunkten umzingelt.
       
       Selbst wenn es so wäre – was wäre so schlimm daran, die Vielfalt zu feiern,
       in der Sprache, im Verhalten, im Alltag und bei Pride-Märschen?
       
       Eine Gesellschaft bemisst sich daran, wie sie mit Fremden umgeht – und mit
       anderen Minderheiten. Die Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse auch kleiner
       Gruppen mag nerven, aber sie schützt am Ende alle. Denn in einer
       Gesellschaft, in der die Starken die Regeln machen, muss immer jemand am
       unteren Ende stehen. Sind die Minderheiten verschwunden, trifft die
       Diskriminierung eben andere. „Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der
       protestieren konnte“, wie der [3][Pfarrer Martin Niemöller nach der NS-Zeit
       schrieb].
       
       Ja, die Schirmherrschaft für CSDs im kleinen Schleswig-Holstein ist
       Symbolpolitik. Aber Symbole sind wichtig, weil sich Menschen hinter ihnen
       versammeln können. Darum ist es gut, dass der heterosexuelle, mittelalte,
       weiße CDU-Mann Daniel Günther diese Aufgabe übernommen hat.
       
       Es ist auch ein Gruß aus Kiel nach Berlin, wo Günthers Parteikollegin und
       ehemalige Landesministerin Karin Prien das Gendersternchen verbietet und
       [4][Queer-Projekte nicht mehr fördert] und wo Bundestagspräsidentin Julia
       Klöckner am Tag des Berliner CSD keine Regenbogenfahne wehen lässt.
       
       Immerhin: Am vergangenen Sonntag, am Internationalen Tag gegen Homophobie,
       ließ Klöckner bunt flaggen. Da an diesem Tag der Bundestag der
       homosexuellen Opfer der NS-Justiz gedenkt, sei ein parlamentarischer Anlass
       gegeben, erklärte Klöckners Büro. Zum CSD gibt’s aber weiterhin [5][keinen
       Gruß auf dem Reichstagsdach]. Schade.
       
       18 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://kieler-knabenchor.de/die-schirmherren-des-kieler-knabenchores/
 (DIR) [2] /Nach-Protestaktion-gegen-CDU-Chef/!6073149
 (DIR) [3] https://encyclopedia.ushmm.org/content/de/article/martin-niemoeller-first-they-came-for-the-socialists
 (DIR) [4] /Queerfeindliche-Ministerin-Karin-Prien/!6177089
 (DIR) [5] /Regenbogenflagge-auf-dem-Bundestag/!6179226
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Esther Geißlinger
       
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