# taz.de -- Berlin Asian Music Festival: Schier grenzenlose Möglichkeiten
> Was tut sich aktuell in der koreanischen Musik und wie klingt die
> Mongolei? Beim Berlin Asian Music Festival gab es da wenigstens ein paar
> Fingerzeige.
(IMG) Bild: War beim Festival auch zu hören: die koreanische Trommel Janggu
Jetzt ist es im Berliner Konzertbetrieb nicht so, dass einen die Menschen,
wenn sie an einem vorbei in die Sitzreihe wollen, gleich rüde wegrüpeln auf
ihrem Weg. Es geht in den Berliner Konzertsälen durchaus gesittet zu, man
ist ja nicht draußen auf der Straße.
So höflich aber, wie da am Montag beim Auftakt des [1][Berlin Asian Music
Festivals] im kleinen Saal des Konzerthauses der Mann mit dem akkurat
geschnittenen Haar und den grauen Schläfen mit einer dezenten Verbeugung
den Wunsch äußerte, sich bitte sehr an einem vorbeischieben zu dürfen, das
ist keineswegs die Regel.
Und so eine Portion Höflichkeit, die tut schon gut.
Musik aus Japan, Korea, China und der Mongolei sollte an dem Abend zu hören
sein, viel Publikum aus den jeweiligen Communitys sammelte sich im Saal,
und schaute man sich da in den Reihen um, fiel doch auf, dass vor allem
Frauen zu sehen waren und nur vereinzelt mal ein Mann. So disparat zeigte
sich das Verhältnis, dass man sich gleich während der Begrüßung mit dem
Hinweis, dass es bei dem Festival auch darum gehe, ins Gespräch zu kommen,
fragen wollte, ob da im asiatischen Raum die Musik mehr eine Frauensache
ist oder ob sich da vielleicht migrantische Besonderheiten im Saal
spiegelten? Oder ob das Zahlenverhältnis schlicht ein Zufall war?
Die Antwort, man weiß sie nicht.
## Gewissenheiten galten mal weniger
Gewissheiten aber galten an dem Abend mal weniger, weil man mit seinen
westlich sozialisierten Ohren doch erst zu stochern hat bei so einem
Festival, bei dem zum Beispiel koreanische zeitgenössische Musik mal von
einem Ensemble mit traditionellen koreanischen Instrumenten gespielt wird
und mal von einem Ensemble mit westlichen Instrumenten. Also allerlei
Mischverhältnisse. Ein höfliches Abwarten wie bei einer Party, bei der man
sich mit den anderen Gästen erst mal vertraut macht, mag da nicht schaden.
Das Festival zeigte sich dabei sehr entgegenkommend und versorgte einen
gleich mal mit einer Musik, bei der es nichts zu fremdeln gab. Auch optisch
präsentierte sich das Duo Khukh Tenger mit den prächtigen mongolischen
Mänteln und den eigenwilligen Hüten als ein echter Hingucker. Und mit der
Pferdekopfgeige, dem geheimnisvollen Kehlkopfgesang und den [2][wiegenden
sehnsüchtigen Melodien der mongolischen Folklore] pumpten die beiden eine
ungemeine Weite in den Saal. Die Steppe, die Wüste, die Berge, das Gras mit
dem hohen Himmel darüber … die Mongolei. All das war zu hören in der Musik.
Mit dem nächsten Programmpunkt wurde man von dieser Weite wieder in
kammermusikalische Gestimmtheit zurücksortiert. Der Tenor Ju Hyeok Lee,
Mitglied auch des Berliner Staatsopernchors, sang in seinem klassischen
Konzertsaaloutfit – schwarzer Anzug, weißes Hemd, Fliege – koreanische
Lieder. Die schmeckten doch irgendwie nach einer Musik mit Bügelfalte, und
hier durfte man sich wundern, wieso einem das so vertraut vorkam. Aber es
gibt wohl in Korea eine Liedtradition, die dem deutschen Kunstlied sehr
ähnlich ist.
Später gab es mit dem Nur Ensemble (auch hier die in der klassischen Musik
übliche schwarze Arbeitskleidung) ein Streichquartett zu hören, das in
einer avancierten Salonmusikstimmung westlich Modernes mit Asiatischem in
Balancen brachte, das Vokalensemble Quarticolo sang Lieder aus China, Japan
und Korea. Ein schöner musikalischer Blumenkranz, zu dem man sich gut als
weitere Blüte ein Schubert-Lied hätte vorstellen können. Aber das gibt es
ja doch auch anderswo zu hören.
Dass da musikalisch noch mehr Asien möglich ist, wurde schon bei der
Einstimmung angedeutet, als mit Blick auf noch kommende Festivalausgaben
Botschaftsvertreter im Saal wie etwa von Usbekistan und den Philippinen
besonders begrüßt wurden.
So viele Möglichkeiten. So viele Musiken, mit denen man sich vertraut
machen kann. Irgendwelche Favoriten waren beim Publikum an diesem Abend
nicht auszumachen: Alles bekam ohne irgendeinen Unterschied den gleichen
heftigen Applaus.
30 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Thomas Mauch
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