# taz.de -- Metal-Kneipe in Straubing: Subversiv in Niederbayern
       
       > Wer im mittelalterlich geprägten Straubing nach Subkultur sucht, findet
       > sie auch. Es gibt ein Leben jenseits des Biergartens: die Metal-Kneipe
       > Hanne's Chaos.
       
 (IMG) Bild: Außen unscheinbar, innen voller Überraschungen: Die Kneipe Hanne's Chaos in Straubing
       
       Straubing also. Knapp 50.000 Einwohner*innen, gelegen zwischen Regensburg
       und Passau, tolle Altstadt, viele Kirchen, viele Kruzifixe. Es ist Freitag,
       die Abendsonne neigt sich über den [1][Donaudamm]. Zu Hause zu sitzen wäre
       eine Sünde. Also: wohin?
       
       Der Veranstaltungskalender listet ein volkstümliches Theaterstück und eine
       Verdi-Gala. Sonst nichts. Aber es kann nicht sein, dass da nichts ist. Das
       Internet kennt einen Verein namens „[2][Subkultur Niederbayern e.V.]“, der
       Kultur „jenseits des kommerziellen Massengeschmacks“ präsentiert, allein:
       Die nächste subkulturelle Veranstaltung ist ein Punkkonzert erst im
       September. Im Programm steht: „Nach dem Konzert auf zu Hanne's Chaos“. Das
       ist eine Spur. Hanne's Chaos ist eine Kneipe. Die hat zwar unter der Woche
       zu, aber am Wochenende offen.
       
       Durch eine der mittlalterlichen Gassen geht's zu einem Wohnhaus, über
       dessen Eingang ein Schild leuchtet: [3][Hanne's Chaos] steht darauf, dazu
       die Zeichnung eines lachenden Frauengesichts. Die Tür führt in einen
       breiten Hauseingang, an dessen Ende ist die Tür zur Kneipe. Drei junge
       Leute stehen rauchend davor. „Servus.“– „Servus.“
       
       Man findet sich wieder in einer Höhle. Oder ist es eine Gruft? Die Wände
       sind komplett verkleidet mit Riemchen, also kleinen, strukturierten
       Steinplatten. Die Decke ist bedeckt mit dunklem Schaumstoff, wie man ihn in
       Proberäumen zur Schalldämmung nutzt. Die Strahler leuchten in einem dunklen
       Orange. Aus den Lautsprechern kommt lauter [4][Death Metal]. An den Wänden
       hängen Plakate von Metalkonzerten, Metal-T-Shirts- eine Metal-Fahne. Im
       Nebenraum ist eine Dartscheibe, dazu ein Bild eines Jesus mit Dornenkrone,
       gezeichnet im Che-Guevara-Stil.
       
       Zwei mittelalte Menschen mit Metal-Shirts und langen Haaren sitzen am
       Tresen. Dahinter steht eine dünne Frau hohen Alters mit langen roten Haaren
       und Metal-Kutte: Hanne. Die Frau, die das hier macht. Die die Musik auflegt
       und die Getränke ausschenkt, wobei es neben Traditionsbieren auch Sachen
       gibt wie „Südsee-Halbe“ und Met aus dem Horn.
       
       ## Eine niederbayerisch-subkulturelle Berühmtheit
       
       Hanne, das kriegt man schnell mit, ist eine niederbayerisch-subkulturelle
       Berühmtheit. Seit über 25 Jahren betreibt sie in Straubing eine
       Metal-Kneipe. Immer wieder musste sie [5][umziehen]. Über ihre Kneipe
       berichtete auch schon der Bayerische Rundfunk, was an diesem Abend
       Konsequenzen hat.
       
       Es ist nämlich so: Die zwei Gestalten am Tresen sind ein Metal-Paar aus
       Düsseldorf, sie machen Urlaub. Ihr Konzept ist, Städte mit gutem Bier und
       Metal-Kneipe abzuklappern: „Bier und Metal halten einen jung“, sagen sie.
       Von Hanne's Chaos haben sie durch den Bayerischen Rundfunk erfahren und
       Straubing in ihre Tour integriert.
       
       Hanne wiederum kommt eigentlich aus Hamburg, zog vor Jahrzehnten wegen
       einem Mann nach Niederbayern und ist dann hängengeblieben. Dass sie mit mir
       einen Gast hat, der den Weg anders herum gemacht hat (in Niederbayern
       geboren, in Hamburg hängengeblieben), findet sie super. Das ist so eine
       Geschichte wie die mit den Bands, die einmal im Monat in der Kneipe
       spielen, obwohl Hanne sagt: „Ich buche die nicht. Ich wüsste gar nicht, wie
       das geht.“ Die Bands kommen von selbst. Wenn sie spielen, ist die Kneipe
       voll.
       
       Auch von selbst kommt an diesem Abend ein weißhaariger Baustoffexperte, der
       über die akustischen Eigenschaften der Steinplatten an der Wand referieren
       kann und aufzählt, was für Lokale in diesen Räumlichkeiten waren, bevor
       Hanne's Chaos einzog. Eins davon war ein Restaurant, dessen Wirt
       Steinplattenwände schick fand. „Der hat da unfassbar viel Geld und Arbeit
       reingesteckt. Und man kann es nicht anders sagen: Es ist geschmacklos.“
       
       Die Kneipe füllt sich, auch mit nicht schwarz gewandeten Menschen, die der
       Death Metal nicht stört, aber vermutlich auch nicht herführt. Geöffnet hat
       Hanne's Chaos bis um 4 Uhr morgens. Zu lang für den Gast aus Hamburg. „Bis
       zum nächsten Mal“, sagt Hanne ihm zum Abschied. Genau. Bis zum nächsten
       Mal.
       
       5 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Hochwasser-am-anderen-Ende-Deutschlands/!6012925
 (DIR) [2] https://subkultur-niederbayern.de/
 (DIR) [3] https://www.facebook.com/HannesChaosStraubing/posts/1413193317280713/
 (DIR) [4] /Subkultur-Heavy-Metal/!6102565
 (DIR) [5] https://deggendorf.niederbayerntv.de/mediathek/video/81-jaehrige-hannelore-eroeffnet-ihre-kultkneipe-hannes-chaos-in-neuer-location/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Klaus Irler
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Stadtland
 (DIR) Freistaat Bayern
 (DIR) Bayern
 (DIR) Niederbayern
 (DIR) Heavy Metal
 (DIR) Subkultur
 (DIR) Kneipe
 (DIR) Nachtleben
 (DIR) Konzert
 (DIR) Kolumne Großraumdisco
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Schwerpunkt Stadtland
 (DIR) Schwerpunkt Stadtland
 (DIR) Schwerpunkt Stadtland
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Berlin Asian Music Festival: Schier grenzenlose Möglichkeiten
       
       Was tut sich aktuell in der koreanischen Musik und wie klingt die Mongolei?
       Beim Berlin Asian Music Festival gab es da wenigstens ein paar Fingerzeige.
       
 (DIR) Theater Bremen mit „Die Trasse“: Raus aus dem Theater (um mal unter sich zu bleiben)
       
       In einem fahrenden Truck besichtigen Besucher:innen des Bremer Theaters
       Schauplätze gescheiterten Stadtplanungswahnsinns. Es ist allemal eine
       Erfahrung.
       
 (DIR) Trendsport Tischtennis: Tischi mit Punkrock
       
       Auch in der Hamburger Subkultur wird gern zum Schläger gegriffen: ein
       Tischtennisabend beim „Punkerstammtisch mit Rundlauf“ im Hafenklang.