# taz.de -- Mit Country sich der Welt stellen: Verlassen werden, saufen, schlecht drauf sein
       
       > Das Oklahoma Lone Star Heartbreak Institute feiert Jubiläum. Beim Konzert
       > im Berliner Monarch zeigt die Band, dass man Country-Musik gern haben
       > muss.
       
 (IMG) Bild: Country ist sichtbar das Ding vom Oklahoma Lone Star Heartbreak Institute
       
       Wenn man niemandem mehr etwas beweisen muss. Noch nicht einmal sich selbst
       …
       
       Es war jedenfalls, so viel soll gleich festgehalten werden, ein wirklich
       netter Abend mit dem Oklahoma Lone Star Heartbreak Institute an diesem
       Sonntag im Monarch, der kuscheligen Berliner Konzertkneipe am Kottbusser
       Tor, bei der das Schöne ja ist, dass man immer noch aus dem Fenster schauen
       kann, wenn auf der Bühne musikalisch mal nichts Dringliches passiert. Und
       gucken, was da in Spuckweite gegenüber Bewegendes auf der Hochbahn
       passiert.
       
       An dem Abend aber gab es keinen Grund, sich zwischendurch auf das Treiben
       der U1 und U3 zu konzentrieren. Weil: Da passierte schon genug im Saal, was
       sehr angenehm mit der Erwartungshaltung des meist gesetzteren Publikums
       harmonierte, das schließlich mit einer entsprechenden Altersgelassenheit
       gar nicht erst in der Erwartung gekommen war, dass hier jetzt was
       Weltbewegendes passieren musste. Ein Konzert halt. Mit Country-Musik.
       
       Das Warten bis zum Auftritt der Band versüßten Golden Oldies aus der
       Konserve, alte Hits, darunter viele Lieder der Beatles, die überall und
       immer als Stimmungsaufheller gut sind. Außerdem passten die Beatles auch
       schön zum Namen der Band, die ihr Oklahoma Lone Star Heartbreak Institute
       damals doch wohl jungspundig großmäulig dem [1][Sgt. Pepper’s Lonely Hearts
       Club Band] der Fab Four nachgebaut hatten mit den paar Signalworten wie
       Oklahoma und Herzschmerz, die gleich Richtung Country blinkten.
       
       Das ist nun auch schon sagenhafte 40 Jahre her, dass [2][in Hamburg Musiker
       von verschiedenen Indiebands] wie „Die Zimmermänner“ und „Ledernacken“ sich
       in dieser Band zusammengesellten, um ausgerechnet Country zu spielen. Eine
       Musik also, die in den frühen Achtzigerjahren in musikalisch aufgeklärten
       Kreisen allemal als Hort der Reaktion verschrieen war, deren Hörer als
       etwas minderbemittelt zu gelten hatten. Und die deutsche
       Country-Außenstelle, die gleichfalls in Hamburg beheimateten Truck Stop
       („Ich möcht’ so gern Dave Dudley hör’n“) waren in den gern zu
       Schlaumeiereien neigenden und sich oft in Abgrenzungsmanövern und
       Strategiediskursen verlierenden Indiekreisen ganz bestimmt das Synonym für
       uncool.
       
       Aber jetzt ist man in dem Text hier fast schon so sehr ins erklärende
       Plaudern geraten wie die Band im Monarch, die mit launigen Moderationen die
       Pausen zwischen der Musik zerdehnte, bis aus dem Hintergrund doch mal der
       Schlagzeuger forderte: „Darf ich jetzt einzählen?“
       
       ## Zwei Jubiläumskonzerte
       
       Zu den zwei Jubiläumskonzerten zum 40-Jährigen – das eine in Hamburg, das
       zweite im Monarch – reisten die Musiker des zwischenzeitlich aufgelösten
       Bandprojekts auch aus Norwegen, Italien und der Schweiz an, um sich noch
       einmal mit einem fingerschnippenden Zugriff durch die großen Themen der
       Country-Musik zu arbeiten, also verlassen werden, saufen, schlecht drauf
       sein. Aber, wie Frontmann Detlef Diederichsen zitatsicher wusste: „Lebbe
       geht weider“.
       
       Bereitwillig tänzelte das Publikum zur Musik der Band, feuerte sie
       genretypisch mit launigen „Hee Haw“-Rufen an, während sich die mit allen
       Wassern des Indierocks und den sonstigen Musiken der Welt gewaschenen
       Musiker ihr Nerdtum nicht ganz verkneifen mochten. So ein musikdidaktischer
       Hinweis, dass im nächsten Lied mittendrin die Tonart wechselt von C-Dur auf
       D-Dur, musste schon sein. Hätte man sonst bestimmt überhört!
       
       Wenn man aber in diese doch mit mancher Spur vom immer weitergegangenen
       „Lebbe“ gezeichneten Gesichter der Musiker auf der Bühne schaute, hatte man
       manchmal – ach was, oft – das Gefühl, dass die da ohne strategische
       Versicherungen im Moment ganz bei sich waren. In der Musik.
       
       Und dass es um Musik geht. Also um Hingabe. Um Leidenschaft. Um das Wissen,
       dass genau da die Momente des Glücks winken.
       
       Auch, weil man hier niemandem mehr was beweisen musste.
       
       Eine Spaßkapelle? Aber ja. Unbedingt.
       
       1 Apr 2026
       
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