# taz.de -- Wahl für den UN-Sicherheitsrat: Endspurt in New York
> Ob Deutschland es wieder schafft, einen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu
> ergattern, ist alles andere als sicher. Sein Image hat Kratzer.
(IMG) Bild: Sieht sich als ein Garant deutscher Rechtstreue: Außenminister Johann Wadephul
„Deutschland steht für Rechtstreue.“ Mit dieser Behauptung begründete
Regierungssprecher Stefan Kornelius die erneute Bewerbung Deutschlands um
einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Doch bei der Abstimmung in
der Generalversammlung diese Woche wird Deutschland mit Sicherheit nicht
mehr die noch [1][bei der letzten Bewerbung 2018] erzielte große
Unterstützung von 184 der 193 Mitgliedsstaaten erhalten.
Denn statt der von Berlin behaupteten „Rechtstreue“ nehmen immer mehr
Staaten nicht nur im Globalen Süden, sondern auch in Europa eine
besorgniserregende Völkerrechtsuntreue Deutschlands wahr – insbesondere
seit Antritt der Regierung von Friedrich Merz. Bereits als
Oppositionsführer hatte Merz angekündigt, er werde Israels
Ministerpräsidenten nach Berlin einladen – eine klare Missachtung des für
Deutschland völkerrechtlich verbindlichen [2][Haftbefehls des
Internationalen Strafgerichtshofes] gegen Benjamin Netanjahu.
Als Kanzler begrüßte Merz dann im Juni letzten Jahres in zynischer Weise
die völkerrechtswidrigen Luftangriffe Israels auf Iran „mit größtem
Respekt“ als [3][„Drecksarbeit“,] die Israel „für uns alle“ erledige. Das
[4][Vorgehen der USA gegen Venezuela] bezeichnete Merz hingegen als „zu
komplex, um es völkerrechtlich zu bewerten“. Und zum jüngsten Krieg Israels
und der USA gegen Iran ebenso wie zu der genozidalen Kriegsführung Israels
gegen die BewohnerInnen des Gazastreifens in Reaktion auf die Verbrechen
der Hamas vom [5][7. Oktober 2023] enthält sich die Regierung Merz
jeglicher völkerrechtlicher Kritik.
Mit diesen Doppelstandards und der selektiven Anwendung universeller
völkerrechtlicher und menschenrechtlicher Normen beschädigt die
Bundesregierung die Glaubwürdigkeit Deutschlands bei immer mehr der rund
140 Staaten, die – zum Teil nach diplomatischer Einwirkung aus Berlin –
inzwischen dreimal in der UN-Generalversammlung für eine klare Verurteilung
von Russlands völkerrechtswidrigem Krieg gegen die Ukraine gestimmt haben.
3 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Wahl-in-der-UN-Vollversammlung/!5511838
(DIR) [2] /Haftbefehl-gegen-Netanjahu/!6048843
(DIR) [3] /Die-Sprache-von-Friedrich-Merz-Wenigstens-ehrlich/!6091664
(DIR) [4] /US-amerikanischer-Angriff-auf-Venezuela/!6144184
(DIR) [5] /Hamas-Angriff-am-7-Oktober-2023/!6178321
## AUTOREN
(DIR) Andreas Zumach
## TAGS
(DIR) UN-Sicherheitsrat
(DIR) Johann Wadephul
(DIR) Vereinte Nationen
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Vereinte Nationen
(DIR) Vereinte Nationen
(DIR) UN-Sicherheitsrat
(DIR) Palästina
(DIR) Kolumne übrigens
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Wahl um Sitz im UN-Sicherheitsrat: Kein Platz für Deutschland
Zum ersten Mal überhaupt scheitert Deutschland mit einer Bewerbung um einen
der nichtständigen Sitze im UN-Sicherheitsrat. Ein Rückschlag für Kanzler
Merz.
(DIR) Berlin will in den UN-Sicherheitsrat: Bewerbung vor der Welt
Deutschland will unbedingt einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat
haben. Doch die Konkurrenz ist stark und ein Erfolg keineswegs ausgemacht.
(DIR) Deutscher Sitz im UN-Sicherheitsrat: Die siebte Bewerbung
Deutschland will wieder nichtständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat
werden. Das Problem: Für die beiden Sitze für Westeuropa gibt es drei
Bewerber.
(DIR) Anerkennung Palästinas: Bundesregierung an der Seitenlinie
Das Kalkül Israels ist klar: Es will mit seiner Siedlungspolitik dafür
sorgen, dass es nichts mehr anzuerkennen gibt. Und Deutschland schaut zu.
(DIR) Vorsitz der UN-Vollversammlung: Und jetzt alle zusammen: Annalena Baerbock for President!
Die scheidende Bundesaußenministerin strebt nach den miesen Wahlergebnissen
der Grünen einen neuen Posten in New York an. Warum eigentlich nicht?