# taz.de -- Kanzler bei Katholikentag: Merz fragt sich, warum er nicht überzeugt
> Bundeskanzler Friedrich Merz räumt beim Katholikentag Schwächen in der
> schwarz-roten Koalition ein. Er verspricht, seine Politik künftig klarer
> zu vermitteln.
(IMG) Bild: Geh mit Gott, aber geh!
dpa | Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Schwächen der schwarz-roten
Koalition zugegeben und angekündigt, seinen politischen Kurs künftig besser
zu erklären. „Zur Demokratie gehört Streit“, sagte der CDU-Chef beim
[1][Deutschen Katholikentag in Würzburg]. „Aber der Streit muss zu
Ergebnissen führen. Und vielleicht streiten wir im Augenblick zu viel und
bringen zu wenig Ergebnisse. Das mag sein.“ Man müsse beweisen, dass es
möglich sei, in der politischen Mitte Lösungen zu finden.
Die Bundesregierung will bis zur Sommerpause ein Reformpaket schnüren – zu
den zentralen Themen [2][Steuern], Arbeitsmarkt, Rente und Bürokratieabbau.
In den vergangenen Wochen gab es aber wiederholt Auseinandersetzungen in
der schwarz-roten Koalition.
Merz räumte zudem Kommunikationsprobleme ein. Er beschäftige sich intensiv
mit der Frage, warum es ihm offenbar nicht gelinge, die Menschen im Land
hinreichend zu erreichen und zu überzeugen, dass sein Regierungskurs der
richtige sei. „Ich weiß, dass ich in meiner Kommunikation etwas verbessern
muss, damit diese Botschaft besser verstanden wird.“ Der Kanzler antwortete
in Würzburg bei einer Podiumsdiskussion auf Fragen vor allem junger Leute.
Laut dem ARD-Deutschlandtrend von vergangener Woche sind ein Jahr nach dem
Start der Bundesregierung nur noch 13 Prozent mit ihr zufrieden. Die
Zufriedenheitswerte von Merz seien in seinem ersten Kanzlerjahr stark
gesunken und liegen nur noch bei 16 Prozent.
## Proteste während Podiumsdiskussion
Ende April räumte Merz bereits Defizite in seiner Kommunikation über die
Regierungspolitik ein. In einem Spiegel-Interview zitierte er den
Philosophen Epiktet mit den Worten, dass nicht Taten die Menschen bewegten,
sondern die Worte über die Taten. „Ich kann da in der Tat noch besser
werden“, sagte der Kanzler. Er werde noch mehr erklären und erläutern
müssen, als er das bisher getan habe. „Erklären, erklären, erklären. Sie
müssen in einer Demokratie die Menschen mitnehmen.“
Klimaaktivisten störten die Podiumsdiskussion mit Merz mit Zwischenrufen
und Pfiffen. Die mehr als 1.000 Zuhörer im Saal verfolgten die Szenerie
zunächst für wenige Minuten geduldig, forderten die etwa vier
Protestierenden dann aber auf, zu gehen. Sicherheitskräfte zogen eine Frau
aus dem Saal, eine weitere Aktivistin folgte freiwillig. Die Veranstaltung
konnte schließlich fortgesetzt werden.
Auf dem Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbunds in Berlin hatte
Merz am Dienstag für tiefgreifende Sozialreformen geworben – [3][und dafür
Pfiffe und Buhrufe kassiert.]
Merz sagte nun beim Katholikentag, es gebe in Deutschland eine große Zahl
von Menschen, die unglaublich viel arbeiteten. Aber die Lebens- und
Jahresarbeitszeit in Deutschland sei deutlich niedriger als in vielen
anderen Industrieländern. „Wenn wir diesen Wohlstand erhalten wollen, den
wir heute haben, müssen wir dazu nicht vielleicht alle gemeinsam die Ärmel
aufkrempeln und ordentlich was tun?“ Es gebe in Deutschland das Potenzial,
das zu schaffen. „Und das möchte ich gerne mobilisieren. Ich möchte gerne,
dass wir diesen Ruck, dass wir diese gemeinsame Anstrengung unternehmen,
unser Land aus dieser schwierigen Lage herauszubringen.“
Lisa Quarch, Geistliche Leiterin des Bunds der Deutschen Katholischen
Jugend, sagte bei der Veranstaltung mit Merz, es entstehe der Eindruck,
dass die Botschaften des Kanzlers nicht ankämen. Sondern es gebe ein
Gefühl, dass Merz der Meinung sei, dass es junge Menschen gebe, die sich
nicht gerne einbringen wollten für die Demokratie, die zum Beispiel nicht
das Land verteidigen wollten und nicht gerne Steuern zahlen wollten. Merz
diskutierte mit Quarch sowie Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der
Bundesschülerkonferenz.
15 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://katholikentag.bistum-wuerzburg.de/
(DIR) [2] /Steuerschaetzung/!6177102
(DIR) [3] /Kanzler-Friedrich-Merz-beim-DGB/!6178358
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