# taz.de -- Katholikentreffen in Würzburg: Katholikentag endet mit Aufruf zum Handeln
> Beim Abschlussgottesdienst betont Bischof Heiner Wilmer die politische
> Dimension des Glaubens: „Die Welt brennt. Aber sie ist nicht verloren.“
(IMG) Bild: Abschlussgottesdienst. Mit Heiner Wilmer (3. v. r.), Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, und Franz Jung (2. v. r.), Bischof von Würzburg
dpa/epd/taz | In Würzburg ist am Sonntag der 104. Deutsche Katholikentag zu
Ende gegangen. Zum Abschluss rief der Vorsitzende der katholischen
Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, die Gläubigen zu Mut und
Tatkraft auch unter schwierigen Bedingungen auf. „Habt keine Angst vor dem
Schmutz der Straße. Habt keine Angst vor dem Durcheinander dieser Welt.
Habt keine Angst, eine verbeulte Kirche zu sein“, sagte der Hildesheimer
Bischof in seiner Predigt im Schlussgottesdienst. „Die Welt brennt. Aber
sie ist nicht verloren. (…) Wartet nicht, zögert nicht, schaut hin, packt
an, geht los, habt Mut, steht auf!“
Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme
Stetter-Karp, bedankte sich bei allen Mitwirkenden und Besuchern: „Danke,
dass Sie hier waren und den 104. Deutschen Katholikentag so mit Leben
gefüllt haben.“ Etwa 74.000 Menschen mit und ohne Ticket zählte das ZdK als
Ausrichter. Auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland,
Josef Schuster, war bei der Großveranstaltung dabei. „Beweisen Sie
Zivilcourage! Stehen Sie auf gegen Judenhass und für unsere Werte! Haben
Sie Mut! Nicht nur jetzt, nicht nur heute, sondern an jedem einzelnen Tag!
Stehen Sie auf und bleiben Sie standhaft!“, sagte er.
Katholikentage werden vom ZdK veranstaltet, das die katholischen Laien
vertritt. Zu Gast waren unter anderem Bundespräsident Frank-Walter
Steinmeier, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und [1][Bundeskanzler
Friedrich Merz (CDU)]. Was bleibt vom 104. Katholikentag in Würzburg nach
fünf Tagen mit 74.000 Gästen?
Wird die katholische Stimme noch gehört?
Wenn der Papst in Rom [2][seine Stimme erhebt und die US-Kriegspolitik
verurteilt], wird das weltweit wahrgenommen. Aber wie sieht es aus, wenn
hiesige Kirchenvertreter Sozialabbau brandmarken und den Umgang mit
Geflüchteten kritisieren? Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) und
andere Unionspolitiker haben ihren Standpunkt rund um den Katholikentag
deutlich gemacht: weniger Tagespolitik, mehr Spirituelles.
Womöglich ist aber gerade der aktuelle Konflikt zwischen Papst Leo XIV. und
US-Präsident Donald Trump ein Beispiel dafür, wie Kirche ihre Stimme
erheben kann, ohne ins Kleinklein der Tagespolitik zu verfallen. Der Papst
gehe immer wieder auf die Grundposition, also aufs Evangelium, zurück,
sagte die Theologin Marianne Heimbach-Steins.
Der Papst sei „ein unerschrockener Anwalt des Friedens“, sagte der
Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Heiner Wilmer. „Auch
dann, wenn die Mächtigen dieser Welt versuchen, ihn lächerlich zu machen.“
Außerdem betonte Wilmer: „Das Evangelium ist Politik pur.“
Zugleich stellt sich die Frage: Wie will die Kirche bei hohen
Austrittszahlen relevant bleiben? Vielerorts sind katholische und
evangelische Christen inzwischen in der Minderheit. Der Münchner Kardinal
Reinhard Marx sagte dazu: „Die Leute möchten eine klare Position hören. Es
spielt keine Rolle, wie viele wir sind.“
Die Reformer brauchen Geduld
Mit einer Menschenkette haben Reformkräfte Veränderungen in der
katholischen Kirche angemahnt – vor allem forderten sie den Zugang von
Frauen zu Weiheämtern. Die Vorstellung einer katholischen Bischöfin ist für
reformorientierte Gläubige das Ziel der Träume – für konservative Kräfte
dagegen vermutlich ein Alptraum.
Als Katrin Brockmöller, Direktorin des katholischen Bibelwerks, an die
biblische Apostelin Junia erinnerte, brandete Applaus auf beim
Schlussgottesdienst.
Fakt ist: Geduld ist schon jetzt gefragt, wenn es „nur“ um die deutsche
Synodalkonferenz geht, in der Bischöfe und Laien künftig gemeinsam beraten
und entscheiden wollen. Nicht alle Bischöfe finden diese Idee gut – und
noch ist überhaupt nicht klar, wie sich Rom positioniert. Bischof Wilmer
zeigte sich in Würzburg zuversichtlich, bittet aber um Geduld. Das Thema
„Frauen in Diensten und Ämtern“ sei weiter im Gespräch.
Die [3][Chefin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme
Stetter-Karp], warnte schon mal: Ein Stoppschild aus dem Vatikan wäre
katastrophal.
Wer gehofft hatte, auf dem Katholikentag würde sich Kardinal Mario Grech,
Generalsekretär der Bischofssynode, etwas Konkretes entlocken lassen, wurde
enttäuscht. Seine Worte blieben allgemein.
Die große Wunde – der Missbrauchsskandal
Kurz vor dem Treffen hatte Stetter-Karp wachrütteln wollen: „Ich habe den
Eindruck, dass wir nicht nur in der Kirche in eine Phase zunehmender
Teilnahmslosigkeit eintreten“, kritisierte sie. „In Gesellschaft, Medien
und unseren Reihen breitet sich Ungeduld, ja sogar eine Art Müdigkeit aus.
Immer öfter höre ich die Frage, wann denn dieses Thema endlich erledigt
sei.“
Auf dem Katholikentag war das Thema präsent – sei es in einer
Kunstinstallation, sei es in Diskussionsveranstaltungen. Kritische Worte
kamen von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der erklärte, die
Kirche sei nach Aufdeckung des Missbrauchsskandals nur schwer in die Gänge
gekommen.
Umgekehrt hatte der Würzburger Bischof Franz Jung auf einer
Podiumsdiskussion betont, er wünsche sich mehr Engagement des Staates bei
der Aufklärung. Das hätte auch die Kirche entlastet.
Klimaschutz – war da was?
Klimaschutz war vor Jahren ein Trendthema, ein großes Ding. In den
öffentlichen Debatten ist Klimaschutz inzwischen in den Hintergrund
gerückt, wird von bestimmten Kräften sogar abgelehnt. Auf dem Katholikentag
ging es aber sehr wohl um Klimapolitik. Kanzler Merz sei hier endlich
einmal nach diesem Thema befragt worden, lobte Klimaaktivistin Luisa
Neubauer: „Das war überfällig.“
ZdK-Chefin Stetter-Karp findet, Themen wie Nachhaltigkeit hätten in der
aktuellen Regierung zu wenig Raum. Doch es sei wichtig, darüber zu
sprechen. In einem Fernsehinterview versicherte Wilmer: Die Kirche müsse
Anwältin der Erde sein. „Kirche muss den Schrei der Schöpfung hören, muss
achtsam sein, wenn schäbig mit der Umwelt umgegangen wird.“
Extreme Kräfte – nicht eingeladen, aber doch präsent
[4][Repräsentanten und Mandatsträger der AfD] waren offiziell nicht
eingeladen. Präsent war die Partei dann trotzdem. Angesichts
nationalistischer Aussagen der AfD, die an die dunkelsten Zeiten der
Geschichte erinnerten, könne die Kirche nicht schweigen, sagte Wilmer.
Bodo Ramelow (Linke), Vizepräsident des Bundestags, bezeichnete die AfD
aufgrund ihres Programms für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als sehr
kirchenfeindlich. Marc Frings, ZdK-Generalsekretär, betonte: „Bei den
Landtagswahlen im Herbst geht es um sehr viel.“
Die Sorge vor Spaltungen in der Gesellschaft, vor dem weiteren Erstarken
extremistischer Kräfte, war allgegenwärtig. Stetter-Karp betonte: In einer
Zeit, in der Ressentiments salonfähig würden, habe man in Würzburg gesagt:
„Hab Mut! Steh auf! Erhebe deine Stimme gegen diese unheilvollen
Entwicklungen.“
17 May 2026
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