# taz.de -- Russischer Angriffskrieg: Ukrainische Drohnen verirren sich nach Estland und Lettland
       
       > Nach einem massiven Drohnenangriff auf Russland kommen einige ukrainische
       > Flugkörper vom Weg ab. Auch ein estnisches Kraftwerk wird beschädigt.
       
 (IMG) Bild: Wurden von einer Drohne getroffen: die Schornsteine des Kraftwerkes im estnischen Auvere (Archivbild)
       
       Estnische Behörden haben am Mittwoch den Luftraum über dem Nordwesten des
       Landes sperren lassen. Ab dem frühen Mittwochmorgen hatten ukrainische
       Drohnen in mehreren Wellen Ziele in Russland angegriffen. Dabei waren
       einige von ihnen offenbar in den [1][estnischen Luftraum] eingedrungen.
       Eine Drohne traf den Schornstein des Kraftwerks Auvere im Bezirk Ida-Viru,
       das sich in der Nähe der Grenzstadt Narwa befindet. Zu größeren Schäden kam
       es nicht.
       
       Der estnische Regierungschef Kristen Mihal sagte bei einer Pressekonferenz
       am Mittwoch, dass ein Ziel der Angriffe der für Öl- und Gasexporte wichtige
       russische Ostseehafen Ust-Luga am Finnischen Meerbusen und etwa hundert
       Kilometer von St. Petersburg gewesen sei. Mehrere Nachrichtenagenturen
       meldeten, dass in Ust-Luga in der Nacht zu Mittwoch Brände ausgebrochen
       waren.
       
       Laut Verteidigungsminister Hanno Pevkur sind die estnischen Streitkräfte
       (EDF) in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. Sie hätten zudem eine
       Flugverbotszone in Ostestland eingerichtet, die laut Pevkur voraussichtlich
       einige Tage in Kraft bleiben werde. Im Rahmen der Nato Mission Baltic Air
       Policing, die vom Stützpunkt Ämari aus operiert und den Luftraum Estlands,
       Lettlands und Litauens schützen soll, seien italienische Flugzeuge
       aufgestiegen.
       
       Zuvor hatte der Kommandeur der EDF, Andrus Merilo, den Vorfall als Folge
       des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine bezeichnet. [2][Die
       Konfliktgefahr für Estland] habe sich bisher nicht erhöht. Russische
       Drohnenabwehrmaßnahmen hätten möglicherweise dazu geführt, dass einige
       ukrainische Drohnen vom Kurs abgekommen seien.
       
       ## Mehr Tempo beim Drohnenwall
       
       Politiker der estnischen Opposition zeigten sich am Mittwoch alarmiert.
       Lauri Läänemets, ehemaliger Innenminister und Vorsitzender der
       Sozialdemokratischen Partei (SDE), forderte mehr Tempo beim [3][Bau eines
       Drohnenwalls]. „Die Öffentlichkeit möchte heute von der Regierung erfahren,
       wie schnell der Drohnenwall fertiggestellt werden soll“, schrieb Läänemets
       in sozialen Netzwerken.
       
       Der Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei Ekre, Martin Helme, machte
       die Regierung für den Drohnenvorfall verantwortlich. Sie sei trotz
       steigender Verteidigungsausgaben nicht in der Lage gewesen, ausreichende
       Abwehrfähigkeiten gegen Drohnen zu schaffen. Selbst an der russischen
       Grenze habe Estland weder genügend Möglichkeiten der Überwachung noch die
       Fähigkeit, geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen, schrieb er in einem Post.
       
       Zu einem ähnlichen Vorfall wie in Estland kam es in der Nacht zu Mittwoch
       auch in Lettland. Angaben der lettischen Streitkräfte zufolge sind zwei
       Drohnen in den lettischen Luftraum eingedrungen. Eine sei im Bezirk
       Krāslava nahe der russischen Grenze explodiert, ihre Trümmer seien am
       Unglücksort geborgen worden. Schaden an ziviler Infrastruktur sei nicht
       entstanden. Eine zweite, aus Belarus kommend, sei in Richtung Russland
       weiter geflogen. Laut Lettlands Regierungschefin Evika Siliņa gehe man
       derzeit davon aus, dass die in Lettland abgestürzte Drohne ukrainischer
       Herkunft gewesen sei.
       
       25 Mar 2026
       
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